hg
Bild vergrößern
Foto: WDR/Trickstudio Lutterbeck

Großes Vorbild "Maus"

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 10 / 2021

Gerd-Matthias Hoeffchen | 8. März 2021

Seit 50 Jahren steht die Maus für gutes Erklären. Warum das auch auf der Kirchenkanzel helfen kann:

Bild vergrößern
Foto: WDR/Trickstudio Lutterbeck

Anzeige

Sonntagmorgen. Gottesdienst. Wen würden Sie mal gerne auf der Kanzel hören? Den Apostel Paulus? Mutter Teresa? Dietrich Bonhoeffer?

Wenn man danach fragt, wie man das Evangelium verkündigen soll, dann fallen einem schnell als Vorbild ein: Martin Luther! Albert Schweitzer! Vielleicht auch die Pastorin aus der Konfirmandengruppe. Oder der Prädikant, der so einfühlsam predigt. Und hoffentlich noch die eine oder der andere mehr.

Es ist gut, dass es solche Vorbilder gibt. Wenn es um die Favoriten für die Kanzel geht, dann gibt es allerdings noch eine Empfehlung. Eine Außenseiterin. Aber sie sei allen, die die Frohe Botschaft der Bibel verkünden, ans Herz gelegt: die Maus.
Seit 50 Jahren begeistert die „Sendung mit der Maus“ große und kleine Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer. Die Maus erklärt, erklärt, erklärt. Wie kommen die Löcher in den Käse? Warum lieben Menschen einander? Wie funktioniert ein Atomkraftwerk? Der Clou dabei ist, dass dieses Konzept der „Lach- und Sachgeschichten“ nicht nur Kinder anspricht. Auch Erwachsene lieben die einfachen, klaren und dabei immer unterhaltsamen Antworten, die die Maus gibt.
Nun kann man zu Recht einwenden, dass das Erklären von Sachfragen eine eigene Kunst ist. Die Verkündigung des Evangeliums aber eine ganz andere. Und das stimmt.

Zwar gilt: Den Menschen von Gottes Wort erzählen, seinen Zuspruch und seinen Anspruch bezeugen – das hat AUCH etwas mit Erklären zu tun. Gottes Wille für die Schöpfung und die Menschen; seine Gebote. Das kann und muss man erklären. Immer wieder neu. Was bedeutet: Gottes Gnade? Gott liebt dich? Jesus ist für dich gestorben?

Aber Verkündigung betrifft auch Bereiche der menschlichen Existenz, die sich nicht nach dem Motto vermitteln lassen: Du musst nur genau zuhören und zuschauen, dann wirst du die Sache auch einsehen und verstehen. Hier rührt der Glaube an Grenzen von Zeit und Raum, von Naturwissenschaft und Technik.

Und dennoch: Richtig betrachtet lässt sich eine Menge von der Maus lernen. Auch fürs Verkündigen auf der Kanzel.

1. Die Maus richtet sich danach, welche Fragen den Menschen unter den Nägeln brennen oder sie zumindest interessieren. DIE versucht sie zu beantworten.

2. Die Maus scheut sich nicht, sowohl Klassiker zu behandeln, die schon unsere Großeltern interessiert haben, als auch die neuesten Entwicklungen und Modeerscheinungen aufzugreifen. Auch hier wieder: Es muss die Menschen ansprechen, interessieren.

3. Ganz wichtig: Das Grundgebot der Maus – du sollst verständlich sein! Keine Angst vor einfachen Worten und klaren Gedanken. Auch wenn das Thema noch so kompliziert erscheint. Das ist die wahre Kunst.

4. Und, ja: Ein Unterschied bleibt. Wem Gottes Wort ins Herz fällt, wie, warum und anderen eben nicht: Das kann man nicht erklären, das bleibt ein Geheimnis. Aber auch das darf man offen und mit klaren Worten aussprechen. So, wie es die Maus täte.

Per E-Mail empfehlen