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Ausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum Paderborn (HNF); kuenstliche Intelligenz in einem humanoiden Roboter (Foto vom 21.08.18). (Foto: epd)
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Studie: Nutzen von KI für das Gemeinwohl findet zu wenig Beachtung

Technologie

Stefan Fuhr (epd) | 9. Februar 2021

Technische und wirtschaftliche Aspekte dominieren mediale Berichterstattung

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Ausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum Paderborn (HNF); kuenstliche Intelligenz in einem humanoiden Roboter (Foto vom 21.08.18). (Foto: epd)

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Gütersloh (epd). Die Frage, wie künstliche Intelligenz (KI) das Gemeinwohl mehren kann, findet einer Studie zufolge in Deutschland zu wenig mediale Beachtung. Die Darstellung des Themas in Print und Online konzentriere sich vor allem auf technische und wirtschaftliche Aspekte, heißt es in der am Donnerstag in Gütersloh veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Nur wenig Aufmerksamkeit finde hingegen das Potenzial von Algorithmen und KI für gesellschaftliche Schlüsselbereiche wie Bildung oder Gesundheit.

   Für die Studie hatten Kommunikationswissenschaftler der Bertelsmann Stiftung und der Universität Bremen rund 18.000 Artikel der vergangenen 15 Jahre aus überregionalen Zeitungen und Magazinen, aus Fachblogs und -webseiten sowie Twitter ausgewertet. Bislang mangele es der Darstellung von KI in den Medien an Vielfalt, obgleich der Umfang der Berichterstattung über das Thema enorm zugenommen habe, erklärten die Forscher.

   Fast 70 Prozent der Berichte beschäftigten sich demnach mit technischen und wirtschaftlichen Aspekten der KI. Das mit Abstand häufigste Thema der Berichterstattung über KI und Algorithmen seien Produktneuheiten. Auch Fragen der IT-Sicherheit, der internationale KI-Technologiewettbewerb sowie die großen Digitalkonzerne Google und Facebook tauchten häufig auf.

   20 Prozent der Artikel drehten sich um digitale Infrastruktur, 18 Prozent thematisieren digitale Assistenzsysteme wie Alexa oder Siri. In 37 Prozent der Artikel kämen Akteure der internationalen und nationalen Wirtschaft zu Wort. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik (sieben Prozent) und Zivilgesellschaft (vier Prozent) würden hingegen deutlich seltener zitiert.

   Gemeinwohlorientierte Aspekte spielten eine untergeordnete Rolle, stellten die Wissenschaftler fest. Nur neun Prozent der analysierten Beiträge hätten sich mit algorithmischen Systemen im Gesundheitswesen beschäftigt. Der Nutzen für Bereiche wie Bildung oder den Klimaschutz würden lediglich in einem Prozent der Artikel thematisiert. Das Gewicht der wirtschaftlichen und technischen Themen habe im Laufe der vergangenen 15 Jahre in der Berichterstattung sogar noch deutlich
zugenommen und dominiere vor allem seit zwei bis drei Jahren den medialen Diskurs.

   Insgesamt sei die Darstellung von KI und Algorithmen überwiegend positiv, hieß es weiter. Lediglich in zwölf Prozent der Beiträge finde sich eine eindeutig negative Bewertung. Auch über Risiken werde informiert, etwa Datenschutz-Konflikte, mangelnde Technologie-Kompetenz in der Bevölkerung oder ungenügende Regulierung von Algorithmen.

   Insgesamt vermissten die Studien-Autoren in der Berichterstattung aber Handlungsempfehlungen zur Lösung dieser Probleme. In den Beiträgen entstehe häufig der Eindruck, dass die größte Schwierigkeit in der mangelnden Kompetenz der Bürger im Umgang mit KI bestehe, erklärte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, bei der Vorstellung der Studie. Es wäre aber Aufgabe von Medien und Politik, vor allem die Debatte über wirksame Aufsichts- und Kontrollstrukturen für algorithmische Systeme voranzutreiben.

   «Algorithmen und künstliche Intelligenz können unser Leben verbessern», sagte Dräger. So könnten beispielsweise intelligente Tutoring-Systeme Schüler oder Studenten bei der Ausbildungs- und Karriereplanung unterstützen. Auch Menschen mit Behinderung könnten profitieren. Denkbar seien etwa Systeme, die für Blinde das Sehen übernähmen und ihnen zum Beispiel beim Einkauf im Supermarkt assistierten. «Um diese Chance zu nutzen, brauchen wir mehr Vertrauen in die neuen Technologien und eine breitere und informiertere Debatte in den Medien», forderte Dräger.

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