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Raphael Groß, Präsident des Deutschen Historischen Museums in Berlin, vor einem Plakat zur Ausstellung über die politische Philosophin Hannah Arendt (Foto vom 06.05.2020). (Foto: epd)

«Herstory» - Mehr Beachtung für Frauen im DHM

epd-Gespräch

Lukas Philippi (epd) | 11. Februar 2021

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Raphael Groß, Präsident des Deutschen Historischen Museums in Berlin, vor einem Plakat zur Ausstellung über die politische Philosophin Hannah Arendt (Foto vom 06.05.2020). (Foto: epd)

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Berlin (epd). Das Deutsche Historische Museum in Berlin will künftig die Rolle von Frauen in der Geschichte stärker betonen. Die «Perspektive der Frauen- und Geschlechtergeschichte» soll in die Neugestaltung der Ausstellung einfließen, sagte der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM), Raphael Gross, in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit sollten Anknüpfungspunkte zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten über Geschlechtsidentitäten aufgezeigt werden. Dazu hat das DHM jetzt auch ein Themenheft zur Dauerausstellung mit dem Titel «Herstory» veröffentlicht.

   Gross betonte, «zu den wichtigsten politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart weltweit gehören die vielfältigen Konflikte um Rechte in Bezug auf Geschlecht, Geschlechterdefinitionen und Geschlechterrollen». Die Bedeutung dieser Auseinandersetzungen sei lange Zeit heruntergespielt worden und habe in historischen Museen nur wenig Beachtung gefunden. Dies zeige sich auch im DHM zum Teil noch in der Gestaltung der vor 15 Jahren eröffneten Dauerausstellung. Die Dauerausstellung soll Ende Juni schließen.

   Das historische Zeughaus als zentrales Ausstellungsgebäude des DHM in Berlin-Mitte wird ab Mitte des Jahres wegen Instandsetzungen des Gebäudes und Erneuerung der Dauerausstellung bis voraussichtlich Ende 2025 schließen. Der moderne Pei-Bau nebenan mit Wechselausstellungen und einer eigens kuratierten Ausstellung zur deutschen Geschichte soll weiter geöffnet bleiben. Pandemiebedingt ist das DHM derzeit komplett geschlossen.

   Das Begleitheft zur Dauerausstellung mache Frauen in der deutschen Geschichte sichtbarer, erinnere an die Veränderungen von Männlichkeit und Weiblichkeit im Laufe der Jahrhunderte. Zudem gebe es Bezüge zu Politik, Kultur und den jeweiligen Gesellschaftsordnungen, so Gross.

   Zugleich verwies der DHM-Chef auf vergangene Ausstellungen zum Thema: etwa 2008 «Im Namen der Freiheit» zum Frauenwahlrecht in der deutschen Geschichte oder zur Geschichte, Politik und Kultur homosexueller Frauen und Männer in Deutschland in dem Ausstellungsprojekt «Homosexualität_en» im Jahr 2015.

   «Herstory» beginnt mit der ständischen und geschlechtlichen Ungleichheit des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Es folgt das 19. Jahrhundert und endet mit dem Blick auf Forderungen, «die sich seit der deutschen Einheit aus der Reibung der unterschiedlichen Frauen- und Geschlechterbilder in der Bundesrepublik und der DDR
ergaben», so Gross. Beispielhaft würden Lebensverhältnisse von Frauen und deren Wandel an 16 «historischen Leitobjekten» der Ausstellung und der Sammlung dokumentiert. Zudem enthält das Themenheft didaktische Materialien. Video-Interviews und digitale Lernmaterialien ergänzen das Angebot, etwa für Homeschooling.

Info

Begleitheft zur Dauerausstellung «Herstory. Frauen- und Geschlechtergeschichte», Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin 2020. 8 Euro.

Internet

www.dhm.de/begleitheft-herstory

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