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An der Basis selbstverständlich: ökumenische Begegnungen auf dem Kirchentag 2019 in Dortmund. Foto: epd/ Friedrich Stark

„In jeder Krise liegt auch eine Chance“

Aus der Printausgabe - UK 06 / 2021

Annette Muhr-Nelson | 7. Februar 2021

Ein Ausblick auf das Jahr der Ökumene 2021/2022

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An der Basis selbstverständlich: ökumenische Begegnungen auf dem Kirchentag 2019 in Dortmund. Foto: epd/ Friedrich Stark

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„Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln.“ (Charta Oecumenica 4). Dieser Satz entstammt einem Katalog von Selbstverpflichtungen, der vor 20 Jahren von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) unterzeichnet wurde. Die sogenannte „Charta Oecumenica“ wurde beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin von den Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) unterzeichnet.

Nicht immer wird ökumenisch gedacht

Ökumene gehört zum Erbgut unserer Kirche. Aber wie steht es gegenwärtig um sie? „Vermutlich haben wir – zumindest in Europa – nichts Schöneres in der Ökumenischen Bewegung der zurückliegenden Jahrzehnte zu betrachten als diese Charta Oecumenica“, schrieb die katholische Theologieprofessorin Dorothea Sattler (Münster) im Rückblick auf zehn Jahre Charta Oecumenica. Es gibt viele beglückende Erfahrungen wachsender ökumenischer Zusammenarbeit.
Dennoch ist immer wieder die kritische Frage zu stellen, ob die Kirchen wirklich all ihr Handeln daraufhin überprüfen, ob es in ökumenischer Geschwisterlichkeit geschehen kann.

Die Corona-Pandemie wirkt auch hier wie Brennglas. Es scheint, dass das eigene Kirche-Sein stärker im Blick ist als das Gemeinsame. So fragt man sich, wieso die Absage von Präsenzgottesdiensten während des zweiten Lockdowns nicht von den evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern in Nordrhein-Westfalen gemeinsam beschlossen worden ist. Die Gründe waren und sind oft pragmatisch und dürfen daher nicht zu hoch bewertet werden. Vor Ort war oft eine ökumenische Abstimmung in dieser Frage zu erleben.

Nicht zu unterschätzen ist die Vorbildfunktion der großen Kirchen für die anderen Kirchen. Die evangelischen Freikirchen innerhalb der ACK fragten sehr häufig danach: „Wie macht Ihr es in der Landeskirche?“ – Dennoch halte ich es für überzogen, von einer „Krise der Ökumene“ zu sprechen, die durch die Pandemie hervorgerufen wurde. Im Gegenteil: Getreu dem Motto „In jeder Krise liegt auch eine Chance“ geht es gerade jetzt darum, die Chancen für die Ökumene auszuloten und zu ergreifen.

Dazu bietet das Jahr der Ökumene 2021/2022 viele Möglichkeiten:

1. Das Gebet für die Einheit der Christen ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil der ökumenischen Bewegung. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen (18.-25. Januar) bietet dazu jährlich Material aus einem spezifischen Kontext – diesmal kam es aus der Kommunität von Grandchamp in der Schweiz. Die Nähe zur Allianzgebetswoche (10.-17. Januar) bietet zudem eine besondere Chance ökumenischer Zusammenarbeit.

2. Um den Abbau von Missverständnissen und Vorurteilen geht es beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT), der vom 13. bis zum 16. Mai erstmals in digitaler Form stattfinden wird. Der erste ÖKT 2003 in Berlin wurde noch überwiegend von Katholiken und Protestanten vorbereitet. 2010 in München war eine stärkere Präsenz der Orthodoxen und Freikirchen spürbar. Daran knüpft der 3. ÖKT nun an. Es werden viele neue ökumenische Handlungsformen entstehen.

3. Zu den ökumenischen Selbstverpflichtungen gehört es, sich für ein gerechtes und humanes Europa einzusetzen. Vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) wurde 2013 in Korea ein „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ ausgerufen. Zwischen dem ÖKT und der Vollversammlung des ÖRK, die wegen der Corona-Pandemie auf das Jahr 2022 verschoben worden ist, initiiert die ACK in Deutschland einen digitalen Pilgerweg, der für Einzelne und Gruppen nutzbar ist.

4. Ein sehr konkretes Projekt ökumenischer Zusammenarbeit in Deutschland ist der Tag der Schöpfung (1. September). Er lädt dazu ein, sich gemeinsam zum Lobpreis Gottes, zur Klage angesichts der Umweltzerstörung und zum gemeinsamen Handeln zur Bewahrung der Schöpfung zu versammeln. In diesem Jahr kommt das Material vom Bodensee und wurde zusammen mit Christinnen und Christen in der Schweiz und in Österreich entwickelt.

5. Der Dialog zwischen den Kirchen und die theologische Annäherung ist Absicht und Ziel des Ökumenischen Rates der Kirchen, der von der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Vollversammlung nach Karlsruhe eingeladen wurde (31. 8. - 8. 9. 2022). Zum ersten Mal findet eine Vollversammlung der weltweiten Christenheit in Deutschland statt. Nicht nur die rund 800 Delegierten aus aller Welt werden in Karlsruhe erwartet, sondern auch Tausende von Gästen – für Deutschland eine besondere Chance, weltweite Ökumene hautnah zu erleben.

Annette Muhr-Nelson ist Pfarrerin, Leiterin des Amtes für MÖWe und Vorsitzende der ACK in NRW

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

Zur ACK gehören evangelische Landes- und Freikirchen, katholische Bistümer, orthodoxe und altorientalische Kirchen, Anglikaner, Altkatholiken, die Neuapostolische Kirche und weitere Kirchen. In Westfalen gibt es viele lokale ACK, in denen alle christlichen Kirchen und Gemeinden am Ort zusammenarbeiten. In der ACK NRW, deren Geschäftsstelle ihren Sitz im Amt für MÖWe hat, wird die Arbeit gebündelt und begleitet. Internet: www.ack-nrw.de

„Was mich nährt“ – YouTube-Gottesdienst

Ein ökumenischer Gottesdienst zum Kirchentagssonntag (7. Februar) wird live aus der evangelischen Abdinghofkirche in Paderborn im Internet übertragen. Er steht unter dem Motto „Was mich nährt“ und will auf den 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) im Mai einstimmen. Bei der ökumenischen Feier mit Kirchentagsliedern wird der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian predigen. Beginn ist um 10.30 Uhr via YouTube: https://youtu.be/iGwv4HNvGys

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