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Dietmar Arends (Foto: epd)

Arends: Gemeinsam für Zusammenhalt der Gesellschaft starkmachen

epd-Gespräch

Holger Spierig (epd) | 2. Februar 2021

Lippischer Landessuperintendent sieht Kirche als Anwalt der Schwachen

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Dietmar Arends (Foto: epd)

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Detmold (epd). Der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dietmar Arends, ruft zu zivilgesellschaftlichem Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus auf. Es liege «an uns allen, dass wir uns für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft starkmachen und entschieden rechten Parolen, rassistischen und antisemitischen Tendenzen entgegentreten», erklärte der oberste Repräsentant der Lippischen Landeskirche in einem Gespräch mit dem Evangelischen
Pressedienst (epd). Angesichts einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft sieht Arends die Kirche in besonderer Weise als Anwalt der Schwachen gefordert.

   epd: Sehen Sie nach der Erstürmung des Kapitols in Washington mit Blick auf «Querdenker-Demos» und Populisten in den Parlamenten die Gefahr ähnlicher Zustände in Deutschland?

   Arends: Das Außergewöhnliche an der Situation in den USA war sicher, dass ein Präsident selbst in seiner Regierungszeit derartig zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen hat und auch bei der Erstürmung des Kapitols nichts zur Entschärfung der Lage getan hat, im Gegenteil. Aber die Ereignisse Ende August letzten Jahres, als Flaggen mit nationalsozialistischen Symbolen vor dem Reichstag in Berlin geschwenkt wurden, Rechtsextreme und Reichsbürger sich auf den Treppen des Reichtags versammelten, sollten uns Warnung sein.

epd: Was ist in dieser Situation nötig?

   Arends: Ich habe die Hoffnung, dass die demokratischen Kräfte in unserem Land stark genug sind, dem Einhalt zu gebieten und dass es zu solchen Ereignissen wie in Washington nicht kommt. Ich habe die Hoffnung, dass die Kräfte, die auf Versöhnung und Zusammenhalt setzen, stärker sind als die, die auf Spaltung setzen. Aber es liegt an uns allen, dass wir uns für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft starkmachen und entschieden rechten Parolen, rassistischen und antisemitischen Tendenzen entgegentreten.

epd: Was kann Kirche gegen eine auch in Deutschland beklagte zunehmende soziale Spaltung tun?

   Arends: Die soziale Spaltung zeigt sich unter anderem daran, dass in den letzten Jahren die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergegangen ist. In den hohen Einkommensschichten sind die Einkommen im Schnitt deutlich stärker gestiegen als in den unteren Einkommensschichten. Gleichzeitig wird die sogenannte soziale Mitte immer kleiner. Die Kirche muss sich meines Erachtens dafür einsetzen, dass dieser Trend gestoppt wird. Einer Gesellschaft tut es nicht gut,
wenn sie an dieser Stelle immer weiter auseinanderdriftet. In welchen wirtschaftlichen Verhältnissen Menschen leben, muss in einem gesunden Verhältnis zueinanderstehen. Kirche muss sich auch dabei in besonderer Weise als ein Anwalt der Schwachen verstehen.

   epd: Hochrangige evangelische Theologen haben sich für die Möglichkeit eines assistierten professionellen Suizids in diakonischen Einrichtungen ausgesprochen. Wie bewerten Sie die Debatte?

   Arends: Die Debatte über den assistierten Suizid bleibt notwendig, nachdem das Bundesverfassungsgericht das Verbot der gewerbsmäßigen Sterbehilfe für nichtig erklärt hat und eine gesetzliche Neuregelung derzeit nicht in Sicht ist. Ich bleibe aber bei der Auffassung, dass es unsere Aufgabe ist, Leben zu schützen und zu bewahren, wohl wissend, dass es den Grenzfall gibt, dass Menschen für sich in
ausweglos erscheinender Lage keinen anderen Weg sehen, als sich selbst das Leben zu nehmen.

epd: Was bedeutet das konkret?

   Arends: Ich sehe unsere Aufgabe als Kirche darin, Menschen gerade auf den schweren Wegen des Lebens zu begleiten und eben auch auf dem Weg zum Sterben. Dazu gehört es auch, respektvoll mit einem Wunsch nach dem Sterbenwollen umzugehen. Ich glaube aber nicht, dass es Aufgabe von Kirche und ihrer Diakonie ist, in ihren Einrichtungen die Rahmenbedingungen für den assistierten Suizid zu schaffen. Ich sehe unsere Aufgabe eher darin, durch Hospizarbeit, Weiterentwicklung der palliativen Versorgung, durch Seelsorge und Beratung alles zu tun, um Menschen in guter Weise auf diesem Weg zu begleiten.

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