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Grafik: TSEW

Kleine Farblehre für gute Laune

Leitartikel

Aus der Printausgabe - UK 04 / 2021

Karin Ilgenfritz | 25. Januar 2021

Wenn es draußen trüb und grau ist, kann bunte Kleidung die Stimmung heben. Das zumindest sagt der Farbforscher Axel Beuther. Warum es also nicht auf einen Versuch ankommen lassen?

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Grafik: TSEW

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Dieser Winter scheint besonders zu dunkel. Hatten die Tage in den Wintern zuvor auch nur so wenige helle Stunden? Vermutlich schon; allerdings fiel es da nicht so sehr auf, weil wir schlicht mehr Möglichkeiten hatten zur Zerstreuung. Dennoch gibt es viele Menschen, die nicht erst jetzt mit der dunklen Jahreszeit ihre Probleme haben.

Manche Tiere halten Winterschlaf. Auch die Menschen reagieren auf den Wechsel der Jahreszeiten. Nicht ganz so extrem wie einige Tiere. Aber auch wir werden müder, verkriechen uns gerne mal. Die gute Nachricht: Wir können Einfluss nehmen und dem Trübsinn entgegenwirken. Zumindest ein bisschen.

Zum Beispiel mit Farbe. Der Forscher Axel Beuther ist überzeugt, dass man mit etwas Farbe im Alltag den Winter nicht ganz so trist empfindet. Etwa bei der Wahl der Kleidung. Also nicht das dunkelblaue Hemd anziehen, sondern lieber das türkise. Nicht die schwarze Jeans, sondern mal zu einer roten Hose greifen. Oder gleich zum bunten Kleid.

Das setzt allerdings voraus, dass man sich bewusst Gedanken macht über Kleidung und Farbe. Wer das nicht tut, wird automatisch bei den dunklen und gedeckten Tönen landen. Denn der Mensch passt sich seiner Umwelt an. Wenn es draußen kalt ist, nass und grau, kleiden wir uns entsprechend.

Im Frühjahr ändert sich das wieder. Wird es draußen heller, dann tragen wir von ganz alleine mehr Farbe. 99 Prozent der Farbverarbeitung im Gehirn finden unbewusst statt – so sagt es Farbforscher Axel Beuther.

Das könnte doch einen Versuch wert sein. Warum nicht auch im Winter mal zu bunteren Kleidungsstücken greifen? Wenn wir schon sonst kaum für Abwechslung sorgen können – dann wenigstens da, wo es geht.

Also: Ab in die roten Gummistiefel. Rein in den grünen Mantel. Oder den bunten Regenschirm nehmen – und raus in Gottes schöne Welt. Und: Auch wenn die momentan grau und  farblos ist, auch dort gibt es immer wieder „Farbkleckse“ zu entdecken.

Fast möchte man sagen: Der Schöpfer versteht etwas von Farben. Da braucht man nur an den Regenbogen zu denken, der in so vielen bunten Schattierungen leuchtet. Oder an einen Sonnenaufgang oder -untergang. Die gibt es auch im Winter. Da die Sonne derzeit noch spät aufgeht, ist das Betrachten des Sonnenaufgangs keine große Herausforderung – auch nicht für Langschläfer. Zugegeben: Das setzt einen halbwegs wolkenfreien Himmel voraus.

Apropos Himmel: Blau ist die Lieblingsfarbe der Europäer. Schon 1890 hat sich das in einer Umfrage gezeigt. 40 bis 50 Prozent stimmen auch heute noch für diese Farbe. Der Farbenhistoriker Michel Pastoureau hat dafür auch eine Erklärung: Er hat herausgefunden, dass protestantische Reformatoren im 16. Jahrhundert rot, gelb und grün zu „verderbten Farben“ erklärten. Schwarz, weiß und blau dagegen galten als „züchtig“.

Manches mag sich bis heute auswirken. Zum Glück haben sich die Farbbewertungen geändert. Erlaubt ist, was gefällt – auch pink oder knallgrün im Winter. Hauptsache, die Stimmung wird heller.

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