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Schaut mal, da: Hinweisschilder sind in der Regel nicht selbst eine Sehenswürdigkeit. Vielmehr weisen sie über sich selbst hinaus auf etwas anderes Interessantes, Bemerkenswertes oder Wissenswertes. Ähnlich scheint der Evangelist Johannes die Wunder Jesu einzuordnen. Dort, wo Jesus in seinen Berichten die vertrauten Naturgesetze durchbricht, geht es ihm nicht um ein Spektakel, sondern um die Botschaft: Schaut auf den Hinweis und glaubt an Gottes Herrlichkeit. Foto: Daniel Conde DACO

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Nebenwirkung: Wunder

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 03 / 2021

Karin Ilgenfritz | 15. Januar 2021

über den Predigttext zum 2. Sonntag nach Epiphanias: Johannes 2, 1-11

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Schaut mal, da: Hinweisschilder sind in der Regel nicht selbst eine Sehenswürdigkeit. Vielmehr weisen sie über sich selbst hinaus auf etwas anderes Interessantes, Bemerkenswertes oder Wissenswertes. Ähnlich scheint der Evangelist Johannes die Wunder Jesu einzuordnen. Dort, wo Jesus in seinen Berichten die vertrauten Naturgesetze durchbricht, geht es ihm nicht um ein Spektakel, sondern um die Botschaft: Schaut auf den Hinweis und glaubt an Gottes Herrlichkeit. Foto: Daniel Conde DACO
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Karin Ilgenfritz (52) ist Redakteurin bei Unsere Kirche.

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Es wirkt wie so ein typisches Mutter-Sohn-Ding: Die Mutter sagt zum Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Was sie damit meint: „Sohn, kümmer dich mal darum.“ Ihr Sohn reagiert fast etwas pampig. Aber letztlich gibt er doch der Bitte der Mutter nach. Er sorgt für den Wein – und wie! Sein Wein ist viel besser als der, der kurz zuvor zur Neige ging.
Darauf könnte sich Jesus jetzt etwas einbilden. Er, der große Zauberkünstler. Stattdessen legt er Wert darauf, dass möglichst wenige mitbekommen, was er da getan hat. Vielleicht reagiert er auch deswegen etwas ungehalten auf seine Mutter?
Nicht die Grundlage des Glaubens
Warum diese Heimlichtuerei? Eine Erklärung für Jesu Verhalten ist, dass es ihm in seinem Leben und Wirken letztlich gar nicht um Wunder ging. Denn da hätte er sehr viel mehr vollbringen können. Wenn er derartige Wunder beherrscht, dann wäre es ihm ja wohl ein Leichtes gewesen, die Menschen auf diese Weise zu begeistern und für sich zu gewinnen.
Stattdessen drängt sich der Eindruck auf: Jesus wollte nicht punktuell Heilung bringen und Probleme lösen. Ja, Wunder haben ihre Funktion – sie machen Mut und stärken den Glauben. Daran hat sich auch heute nichts geändert. Sie machen deutlich, dass Gott nichts unmöglich ist. Aber Wunder können nicht die Grundlage unseres Glaubens sein. So ein Glaube würde scheitern.
Jesus hat nicht der Wunder wegen gelebt. Sie waren eher etwas wie ein Nebeneffekt. Eine Nebenwirkung. Wenn er Wunder getan hat, hat er oft gefordert, dass es die Menschen für sich behalten mögen.
Der Evangelist Johannes schreibt auch nicht von einem Wunder, sondern von einem Zeichen Jesu. Ein Zeichen steht nicht für sich, sondern es weist auf etwas hin. So wie ein Hinweisschild am Straßenrand nicht die Attraktion ist, sondern nur auf die Attraktion hinweist. So hat auch dieses Zeichen auf der Hochzeit auf Jesus hingewiesen: „Er offenbarte seine Herrlichkeit.“ Die Folge: Seine Jünger sehen, wozu er fähig ist und glauben an ihn.
Noch etwas ist bei dem Evangelisten Johannes auffällig: Immer wieder spricht Jesus „von seiner Stunde, die kommt“ oder „noch nicht gekommen ist“. Damit meint er den Moment, wenn sich sein Auftrag erfüllt: Wenn er am Kreuz stirbt, um durch seinen Tod die Menschen zu erlösen. Und um dem Tod die Macht zu nehmen.
Auf der Hochzeit zu Kana war seine Stunde noch nicht gekommen. Da war er noch am Anfang seines Weges. Warum er so eine Art des Wunders vollbringt und Wasser zu Wein macht, wissen wir nicht. Mir geht dabei durch den Kopf, dass am Ende unseres Lebens der Tod steht – und danach kommt das Wunder: Dann gibt es den „besten Wein“. Dann sind wir bei Gott und haben ewiges Leben.
Wunder, um durchzuhalten
Doch vorher sind wir hier. Gehen auf Hochzeiten, feiern Geburtstage. Manchmal mühen wir uns mit den Herausforderungen des Alltags, müssen uns den Herausforderungen unseres Lebens stellen.
Dann sind wir dankbar für Wunder. Für Zeichen, die uns Gott gibt, damit wir in Krisen den Mut und den Glauben nicht verlieren. Zugegeben – sie sind wohl in der Regel nicht so spektakulär wie damals auf jener Hochzeit in Kana.
Aber Gott hat nie aufgehört, sich zu zeigen. Wir nehmen uns nur oft nicht die Zeit, um seine Wunder zu erkennen. Dafür braucht es ein offenes Herz. Ein Moment der Stille ist außerdem hilfreich, ebenso ein bisschen Neugier und die Fähigkeit zu staunen.
Wenn wir uns aufmachen, nach Gottes Zeichen Ausschau zu halten, dann werden wir auch welche finden. Vielleicht hat er es heute für jemanden von uns getan, aber wir haben es noch gar nicht bemerkt.

Gebet: Wunderbarer Gott, du zeigst dich auch heute durch Wunder und Zeichen. Bitte öffne unsere Herzen und schenke uns Aufmerksamkeit, um zu registrieren, wo du uns begegnest. Oft sind wir so mit uns und mit Schwierigkeiten beschäftigt, dass wir dein Wirken nicht erkennen. Danke, dass du nicht müde wirst, uns immer wieder zu begegnen. Amen.

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