hg

Anzeige

Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 03 / 2021

Stefan Alkier | 15. Januar 2021

Woche vom 17. bis 23. Januar

Anzeige

Sonntag:     Psalm 40
Montag:       Lukas 5, 33-39
Dienstag:     Lukas 6, 1-5
Mittwoch:     Lukas 6, 6-11
Donnerstag: Lukas 6, 12-16
Freitag:        Lukas 6, 17-26
Samstag:     Lukas 6, 27-35

Lasst euch bewegen! Werdet solche, die sich anderen zuwenden und ihnen wirksam helfen! Den Abschnitt Lukas 5,33-6,36 bringt Lukas 6,36 auf den Punkt. Leider wird dieser Vers meistens, auch in der Jahreslosung 2021, falsch übersetzt.
Der griechische Text beginnt nämlich mit dem Imperativ von gr. gínesthai (werden) – also nicht „Seid barmherzig“ sondern „Werdet barmherzig“. Das andauernde Sein in diesem Vers steht nur bei Gott, denn nur Gott ist barmherzig. Lukas 6,36 ist also philologisch korrekt folgendermaßen zu übersetzen: „Werdet barmherzig wie euer Vater barmherzig ist!“ (Übers. S. Alkier / T. Paulsen, FNT 4, in Vorbereitung).
Das hier bei Lukas verwendete griechische Adjektiv oiktírmon – „barmherzig“ –  passt ganz vorzüglich zum Lukasevangelium insgesamt. Es geht nämlich um tätige Barmherzigkeit. Lukas sagt: Schaut auf Gott, wie er sich immer wieder voller Mitgefühl und wirksamer Hilfe zuwendet. Nehmt euch Gott als Leitbild und werdet auf diese Weise selbst mitfühlend wirksam. Ihr könnt euch unverzüglich auf den Weg der Barmherzigkeit begeben, immer wieder neu.
In Lukas 6,20 beginnt die sogenannte Feldrede. Die matthäische Bergpredigt war Lukas wohl zu lang. Ihren Stoff verteilt er über sein Evangelium, und vieles findet sich in der Feldrede wieder. Ihr voraus liegen Konflikte, die ab Lukas 5,33 erzählt werden. Die Feld­rede ist also platziert im konfliktreichen Wirken Jesu und nicht in einer friedvollen Welt. Selbst sein Wunder wirkendes, heilsames Handeln führt zu Streit und Widerspruch insbesondere bei den Eliten (Lukas 6,6-11). Die Masse aber drängt sich zu Jesus, im Vertrauen darauf, dass er sie heilen kann, „weil eine Kraft von ihm herauskam und er alle heilte“ (6,19b, Übers. FNT 4).
Und damit wird Jesus in der Geschichte, wie Lukas sie erzählt, zum Repräsentanten der wirksamen Zuwendung Gottes, von der Lukas 6,36 spricht. „Das kann aber nicht jeder!“, könnte man einwenden. „Wir können doch keine Wunder wirken?“ Gegen diese Ausflüchte, gegen diesen Kleinmut, gegen dieses Unvertrauen wendet sich die Feldrede und spricht diejenigen an, denen man gar nicht zutraut, wirkmächtig zu handeln: Arme, Hungrige, Weinende, Gehasste, Ausgestoßene, Geschmähte ( Lukas 6,20ff.). Durch Jesu Zuwendung, durch seine Anrede macht er sie schon jetzt reich (makários) und lässt sie dann vor Freude hüpfen und springen (Lukas 6,23). Was für ein Wunder! Und das können wir auch! Arme, Erniedrigte und Beleidigte haben wir zuhauf auf der Welt und in unseren ermüdeten Kirchen. Werden wir barmherzig wie Gott es immer war, ist und sein wird.

l Dr. Stefan Alkier ist Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche am Fachbereich evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Wochenspruch

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Johannes 1,16

Wochenlied

Du Morgenstern, du Licht vom Licht
EG 74

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen