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Die Hand, die mich hält

Aus der Printausgabe - UK 02 / 2021

Ein verkorkstes Jahr hinter uns, eines voller Unsicherheit vor uns: 2021 wird ein Tanz.

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Eine Freundin erzählte mir, wie sie kürzlich ihr altes Auto gegen ein neues eintauschte. Zuletzt hat sie noch einmal liebevoll den Staub vom Armaturenbrett gewischt und bekam dabei fast ein schlechtes Gewissen: „Jetzt mach ich mein Auto noch einmal richtig sauber, weil ich es weggebe.“ Es klingt banal, aber da kann durchaus Wehmut aufkommen. Ich kenne das auch. Was hat man mit dem alten Auto alles erlebt? Schöne Reisen gab es, aber auch manche gefährliche Situation. Bei einigen Kratzern weiß ich genau, wie sie entstanden sind. Und dann die Frage: Wie wird das mit dem neuen Wagen sein? Welche Ziele steuere ich damit an, und wer wird so alles mitfahren? Manchmal nimmt man auch noch etwas mit vom alten in das neue Auto. Den Verbandskasten und vielleicht ein paar alte CDs. Ein Abschnitt ist zu Ende, ein neuer beginnt. Den Staub von 2020 kann ich nicht einfach abwischen. Er ist hartnäckig, steckt mir in den Knochen. Auch wenn vor ein paar Tagen das neue Jahr begonnen hat. Natürlich hoffe ich, dass es ein „frohes neues Jahr“ wird, wie es viele jetzt einander gewünscht haben. Und auch dabei nehmen wir Dinge mit, vom Alten ins Neue. Bei mir ist mancher Frust dabei, viel Nachdenklichkeit, auch Trauer. Und die Frage, ob die Pandemie in 2021 wirklich überstanden sein wird? Allerdings gab es auch Schönes in den vergangenen Monaten. Ich habe diesmal extra darauf geachtet.

Vielleicht war es besonders nötig− als Gegenpol zu allem Negativen. Zwölf frische Monate also und die Hoffnung, dass sie gut werden. Besser als die letzten. Ich weiß von manchen, die sich freuen, wieder einen neuen Kalender zu beginnen. Geburtstage übertragen, vielleicht schon vorsichtig den Sommerurlaub planen. Auch diese Zeitung geht mit neuem Gewand ins neue Jahr. Andere Schriften, andere Farben, sogar mehr Seiten als früher. Auch da mag manch einer wehmütig an das Vertraute denken, andere freuen sich über frischen Wind und neue Eindrücke. Und trotz veränderten Layouts: Wir alle wissen noch nicht, welche Schlagzeilen wir lesen werden und welche Meldungen wir verdauen müssen. Ausschließlich gute Nachrichten wird es nicht geben. Mich tröstet in all dem der Glaube, dass Gott mich an der Hand hält. So habe ich es bisher erlebt, und darauf vertraue ich auch in diesem neuen Jahr. In einem Buch fand ich einmal ein schönes Bild dafür: Gott holt mich mit der einen Hand an sich heran und reicht mich mit der anderen weiter ins Neue. So bringt er mich durch die Tage und Nächte, die Monate und Jahre. Das ist dann fast wie ein Tanz, ein Tanz der Liebe Gottes mit mir. Ich werde von Gottes Händen durch die Zeit nach vorn geleitet, bis ans Ziel. Dadurch wird nicht alles gut im Leben. Aber ich bin nicht allein und kann mit ihm über all die Schwellen gehen, die auch das neue Jahr wieder für mich bereithält.

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