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Eine Zumutung – neu entdeckt

Evangelium

Aus der Printausgabe - UK 51 / 2020

Anke von Legat | 14. Dezember 2020

Wer zu Weihnachten vor allem auf Familie und Gemeinschaft setzt, wird es schwer haben in diesem Jahr. Wer aber aufmerksam ist, kann die Weihnachtsbotschaft neu hören.

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Weihnachten minus Familienbesuch, Festtafel, Freundestreffen, Skiurlaub. Minus Krippenspiel, Kinderchöre, Festgottesdienst, „O du fröhliche“. Statt der Vorfreude herrscht so etwas wie Vorfurcht: Ein bedrohliches Virus hat uns das Vertraute genommen; etwas Unbekanntes kommt auf uns zu. Ein Weihnachten im Minus – kann das gut werden?

Für alle, die sich vor allem auf die Heimeligkeit der vertrauten Traditionen freuen, wird es schwer in diesem Jahr. Wer hauptsächlich auf (Groß-)Familie und Freundeskreis setzt, wird Mangel leiden.

Auch die, die das Weihnachtsfest mit bestimmten Angeboten verbinden – seien es Konzerte, Theateraufführungen, Weihnachtsfeiern oder auch Gottesdienste – müssen sich in diesem Jahr in Verzicht üben. Eine Zumutung, die frustriert und traurig macht.

Leichter haben es die Menschen, für die das Evangelium am Heiligen Abend mehr ist als schmückendes Beiwerk. Für sie kann das Fest in diesem Jahr auch überraschenden Reichtum bringen. Denn bei allem Verzicht auf gute christliche Traditionen: Ohne die vertrauten Rituale wird es leichter, zur eigentlichen Botschaft vorzudringen und sie in ihrer Radikalität wirken zu lassen. Eine Zumutung der ganz anderen Art.

Da ist Maria, die junge, unverheiratete Frau, ganz unten auf der Leiter der gesellschaftlichen Hierarchie. Ausgerechnet sie wird von Gott ausersehen, einen göttlichen Sohn zu gebären. „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“, so singt sie in ihrem Lobgesang. Eine Hoffnung für die Welt: dass Armut und Reichtum, Ohnmacht und Macht ausgeglichen werden und alle bekommen, was sie brauchen.

Da ist das Paar, das nach Bethlehem reist; nicht wirklich vertraut, aber aufeinander angewiesen, unterwegs ins Ungewisse, beschäftigt mit den Herausforderungen des Lebens. Sie finden eine Unterkunft, sie bekommen ein gesundes Baby, sie hören die Botschaft der Hirten. Eine Hoffnung für die Welt: dass es in allen Härten doch Hilfe und Bewahrung gibt.

Da sind die Hirten bei der Nachtwache; harte Arbeit, lebensnotwendig, aber von niemandem gewürdigt. Vor ihren Augen öffnet sich der Himmel – ein furchteinflößendes Erlebnis, dem der Ruf des Engels folgt: Fürchtet euch nicht!  Eine Hoffnung für die Welt: dass wir uns irgendwann nicht mehr fürchten müssen vor Gewalt, Krankheit, Leid und Tod.

Und da ist Gott. Er offenbart sich in dem Kind in der Krippe, wie er es nie zuvor getan hat: menschlich; ohnmächtig; klein. Eine Verheißung für die Welt: Gott kommt den Menschen nah und nimmt sich ihrer an. Eine neue Wirklichkeit hat begonnen.

Diese neue Wirklichkeit heißt radikale Hingabe an Gott, Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit, Eintreten für Gerechtigkeit, Verzicht auf Besitz. Forderungen, die gar nicht leicht zu hören sind – und wir darum gern verstecken hinter der Wohlfühlatmosphäre von Kerzenschein und Plätzchenduft. Hören wir diese Zumutung in diesem Jahr anders als sonst? Es wäre an der Zeit.

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