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Was für eine Hoffnung: Gott wird alle Tränen abwischen, und dann wird alles Leid ein für alle Mal ein Ende haben. Eine wunderbare Vorstellung mitten in den Fragen und Ängsten unserer Zeit. Und eine Aufforderung an uns Christinnen und Christen: Weil Gott sich mit dem Leid nicht abfindet, sollen wir es auch nicht tun, sondern helfen und trösten, Wunden verbinden und Kranke pflegen, gegen Ungerechtigkeit aufstehen und für Frieden sorgen. Bis es soweit ist, dass Gott unser Heil vollendet. (Foto: De Visu)

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Wir Mutmacher

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 48 / 2020

Thomas Lunkenheimer | 20. November 2020

Über den Predigttext zum Letzten Sonntag im Kirchenjahr: Offenbarung 21,1-7

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Was für eine Hoffnung: Gott wird alle Tränen abwischen, und dann wird alles Leid ein für alle Mal ein Ende haben. Eine wunderbare Vorstellung mitten in den Fragen und Ängsten unserer Zeit. Und eine Aufforderung an uns Christinnen und Christen: Weil Gott sich mit dem Leid nicht abfindet, sollen wir es auch nicht tun, sondern helfen und trösten, Wunden verbinden und Kranke pflegen, gegen Ungerechtigkeit aufstehen und für Frieden sorgen. Bis es soweit ist, dass Gott unser Heil vollendet. (Foto: De Visu)
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Thomas Lunkenheimer (54) ist Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem in Minden.

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Predigttext
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Der Totensonntag ist ein trauriger Tag. Besonders für diejenigen, die einen lieben Menschen verloren haben. Seit Ausbruch der Pandemie konnten viele nicht so voneinander Abschied nehmen, wie es gut für sie gewesen wäre. Das macht den Schmerz noch größer. Und wir wissen nicht einmal, wann die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen wieder ohne Einschränkungen möglich sein wird.

Doch mitten in unserer Trauer und Sorge hören wir eines der schönsten Hoffnungslieder der Bibel. Und darin dieses Versprechen: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Was für ein wunderbarer Trost!

Ohne diese Hoffnung könnte ich nicht leben. Ohne diese Hoffnung wäre alles sinnlos, was ich Tag für Tag tue. Ohne diese Hoffnung wüsste ich wirklich nicht ein noch aus.

Es gibt Bibelworte, die erschließen sich nicht ohne Weiteres. In denen haben sich menschliche Gedanken und Worte so in den Vordergrund gedrängt, dass Gottes Wort für mich verdunkelt wird. Doch in diesem Hoffnungslied der Offenbarung höre ich Gottes Stimme klar und deutlich. Genau so wird es sein: Gott wird abwischen alle Tränen. Die Tränen der Menschen, die einsam sterben mussten. Die Tränen der Kinder, denen das Leben geraubt wurde durch Armut, Gewalt und Unterdrückung. Die Tränen der Familien, die es nicht geschafft haben, zusammenzubleiben oder nach Konflikten wieder zusammenzufinden. All die Tränen der Kranken und Leidenden. Der Mutlosen und Enttäuschten. Der Gedemütigten und Schwachen. Der Trauernden.

Die Offenbarung hat schon zur Zeit des Sehers Johannes vielen Christen Mut gemacht. Nicht weil sie auf eine bessere Zukunft vertröstet hätte. Sondern weil sie unmissverständlich sagt: Das Leid, das so viele Menschen durchmachen müssen, ist nicht das Letzte. Dabei wird es nicht bleiben.

Die Konsequenz daraus für uns Christen heißt nicht: Dann warten wir ab, bis alles besser wird. Sondern: Weil Gott sich mit dem Leid seiner Menschen nicht abfindet, tun wir es auch nicht. Darum machen wir Mut, wo es geht. Stehen wir Trauernden bei. Trösten wir Kranke und Sterbende. Und gehen an gegen alle Formen der Ungerechtigkeit und blinden Gewalt. Gegen den Hass und die Unvernunft im Miteinander.

Gott wird abwischen alle Tränen. Vielleicht werden meine Tränen nicht sofort getrocknet. Vielleicht muss ich mich hinten anstellen, weil zuerst die Kinder getröstet werden, die in ihrem kurzen Leben nur Hunger und Not erfahren haben. Vielleicht werden vor mir die Flüchtlinge getröstet, die sich im Stacheldraht der Hartherzigkeit verfangen und keinen Schutz gefunden haben. Vielleicht wischt Gott zunächst die Tränen der Frauen ab, die Opfer von Unterdrückung und Gewalt wurden.

Dagegen wiegen meine Tränen womöglich nicht so schwer. Meine Tränen der Angst und Enttäuschung, der Not und des Kummers. Doch auch ich darf darauf vertrauen, dass Gott alle Tränen abwischen wird. Auch meine und deine. Das ist die große Hoffnung. Die Hoffnung, in der wir leben können. Und in der wir Abschied nehmen können voneinander. Die Hoffnung auf eine Zukunft ohne Leid und Geschrei, ohne Not und Tod.

Darum hat der Totensonntag noch einen zweiten Namen: Ewigkeitssonntag. Das ist ein Tag der Zuversicht. Voller Trost und Gewissheit, dass Gott uns in allem, was wir durchmachen müssen, beisteht. Und dass er alle unsere Tränen einmal abwischen wird. Auf diese Zukunft freue ich mich. Mit dieser Hoffnung kann ich leben – und sterben.

Gebet

Lebendiger Gott, dir vertrauen wir uns an. Mit unserer Trauer und unseren Sorgen. Dir legen wir die Menschen ans Herz, von denen wir Abschied nehmen mussten. Und diejenigen, die es heute schwer haben. Lass uns miteinander bei dir geborgen sein und so Trost finden und neuen Lebensmut. Amen.

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Leser-Kommentare öffnen

ellybe, 20. November 2020, 13:51 Uhr


Mein Kommentar zu dieser Andacht:

Matthäus 25,31-46

31 Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit,

32 und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet,

33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken.

34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

35 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt.

36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getränkt?

38 Wann haben wir dich als einen Gast gesehen und beherbergt? oder nackt und dich bekleidet?

39 Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekommen?

40 Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

42 Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt.

43 Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.

44 Da werden sie ihm antworten und sagen: HERR, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient?

45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.

46 Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. -

Was im Augenblick in unserer Kirche geschieht, ist eine widerstandslose Schicksalsergebenheit/Hinnahme dessen, dass - auch kirchliche!!! - Krankenhäuser oft ein/ein oft totales Besuchsverbot aussprechen! Erst/höchstens dann, wenn ein Patient im Sterben liegt, darf er besucht werden; und oft genug auch dann nur von einer Person. Davor aber wird er allein gelassen.
So ergeht es zur Zeit zum wiederholten Male einem jahrzehntelangen Freund unserer Familie und Pfarrer im Ruhestand, der auf Leben und Tod in einem evangelischen Krankenhaus liegt, dessen Aufsichtsratsvorsitzender ein Superintendent ist und das sich in seinen Leitlinien ausdrücklich auf die christliche Tradition beruft. Nicht nur wir dürfen unseren Freund dort nicht besuchen, auch seine Frau und seine Kinder nicht. Wie seine Frau sagte:
Erst, wenn er im Sterben liegen sollte...

Wo bleibt der Protest der Kirche gegen solche unmenschlichen Praktiken, die nicht in Einklang zu bringen sind mit dem, was unser Herr und Meister Jesus Christus gesagt hat!!!
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niemann, 20. November 2020, 15:18 Uhr


Liebe Leserin, lieber Leser,
am besten sprechen Sie die Verantwortlichen direkt an. Denn zumindest in NRW ist die Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden rechtlich jederzeit möglich gewesen. Daran hat sich auch nichts geändert. Für die Diakonie Stiftung Salem in Minden kann ich sagen, dass wir in solchen Fällen immer gute Lösungen im Einzelfall gefunden haben. Dass allerdings auch in anderen, nicht so schwerwiegenden Fällen die Besuchsbeschränkungen schmerzen, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Dennoch muss in der gegenwärtigen Notlage abgewogen werden, was möglich ist und was nicht.
Es grüßt Sie
Thomas Lunkenheimer aus Minden
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ellybe, 20. November 2020, 17:25 Uhr


Lieber Herr Lunkenheimer,
ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass mein Kommentar nicht gegen Sie persönlich gerichtet ist! Ihre Andacht hat mich allerdings ganz besonders nachdenklich gemacht, nämlich im Blick darauf, was für unser Handeln als Christen primär der Maßstab ist: Das Wort unseres Herrn Jesus Christus, bei dem der ganze Mensch, mit Leib UND SEELE, im Mittelpunkt steht. Ich nehme seit Längerem mit großem Schrecken wahr, dass dies ausgerechnet im kirchlichen Bereich offensichtlich nicht mehr der Fall ist. Anders kann ich mir die rigorosen Maßnahmen in vielen und gerade auch "kirchlichen" Kliniken nicht erklären. Ich selbst bin in den letzten Jahren mehrfach in "christlichen" Krankenhäusern operiert worden. Für mich war es zum einen äußerst wichtig, dass ich Besuch empfangen, zum anderen, dass ich mich in diesen Krankenhäusern frei bewegen konnte. Grundsätzliche Besuchsverbote, wie sie derzeit vielerorts "verhängt" worden sind, tragen meiner festen Überzeugung nach nicht zum Heilungsprozess bei. Sie rufen dagegen bei vielen Menschen Angst vor dem Verlassensein im Krankenhaus hervor! Was das bedeutet, wird für mich gerade bei dem verlassensten aller Menschen, dem Gekreuzigten, deutlich.
All das sollten gerade "christliche" Krankenhäuser gerade in dieser Zeit vor Augen haben, und daher alles hygienisch etc. nur eben Mögliche tun, um Besuche nicht nur im (extremen) Ausnahme/Einzelfall zu ermöglichen!
Wer in ein evangelisches oder katholisches Krankenhaus "eingeliefert" wird, sollte gerade derzeit wissen, dass er dort nicht grundsätzlich von seinen Lieben getrennt wird/ist!
Dass es nicht einfach ist, dies durchzuführen, ist mir durchaus klar. Aber wenn es nicht geschieht, wenn "christliche" Krankenhäuser sogar als erste Besuchsverbote verhängen, dann stimmt "etwas" nicht (mehr) mit ihrer "christlichen" Ausrichtung! Sie sollten sich und könnten sich doch gerade jetzt vom Evangelium, von der Frohen Botschaft, vom Umgang Jesu mit den Kranken anstiften und ermutigen lassen, statt von der Angst!


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Erika Moers, 22. November 2020, 20:20 Uhr


Liebe ellybe,
Ihre Enttäuschung kann ich teilen.
Auch im FernsehGottesdienst heute am EwigkeitsSonntag,, dessen gute Botschaften, gesprochen und gesungen, mir guttaten, wurde mit großer Betroffenheit und Einfühlsamkeit ganz besonders eingegangen auf all jene Situationen, wo Menschen in Krankheit und ihrer Sterbestunde alleingelassen werden mussten von ihren Angehörigen.
Jene haben das Tor ZUR EWIGKEIT durchschritten - wir müssen weiterleben IN DER ZEIT, dürfen aber doch vertrauen auf die Botschaft der Offenbarung: „Siehe, ich mache alles neu . . . und Leid und Tränen werden nicht mehr sein“. Das ist doch unser Glaube. (Jetzt IN DER ZEIT sind sie wohl noch da, Leid und Tränen).

Nie ist wohl deutlicher geworden als in dieser Zeit der Pandemie, wie ohnmächtig der Mensch eigentlich ist und wie mächtig ein tückisches Virus, das die Welt und jeden Einzelnen von uns beherrscht.
Die getroffenen Maßnahmen - erwiesenermaßen doch nicht eben erfolglos - sollten und sollen ja allein dem Schutz von Menschen dienen; das sollten wir bei Allem nicht vergessen.
Wer weiß, wie alles weitergeht.
Bitten wir um Erbarmen.
„Mach End‘, oh Herr, mach Ende . . .“
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