hg
Bild vergrößern
Anders als bei vielen anderen Amphibien, legt der Feuersalamander keine Eier, sondern bringt seine Jungen lebend zur Welt. Nach der Geburt müssen die frisch geschlüpften Larven im Bach allein überleben. Foto: arte

Anzeige

Der Bach

TV-Tipp: arte, Do, 26.11., 21.00 Uhr

26. November 2020

Jeder kennt den Bach, diesen auf den ersten Blick so unscheinbaren Lebensraum. Ob rauschender Gebirgsbach, schattiger Waldbach oder friedlich dahin schlängelnder Flachlandbach, eines haben alle Bäche gemeinsam und unterscheiden sie von den Flüssen:

Bild vergrößern
Anders als bei vielen anderen Amphibien, legt der Feuersalamander keine Eier, sondern bringt seine Jungen lebend zur Welt. Nach der Geburt müssen die frisch geschlüpften Larven im Bach allein überleben. Foto: arte

Anzeige

Die Kronen der Bäume, die am Rande des Wasserlaufs stehen, berühren sich mit den Zweigen. Und noch etwas haben – fast alle – Bäche gemeinsam: Laut einer aktuellen Studie des Bundesumweltamtes sind in 96 Prozent unserer Bäche die meisten der typischen Tierarten verschwunden. Wie konnte das passieren? Und wie sieht die Zukunft unserer Bäche aus?

Nur noch jeder Tausendste Bach ist in einem ökologisch sehr guten Zustand. Doch noch gibt es einige wenige intakte Bäche mit einem einzigartigen Ökosystem. Dort leben skurrile Bewohner wie die bullige Groppe, die kaum jemand kennt. Andere Bewohner schmücken sich mit bunten Farben, wie der Steinkrebs, dessen Panzer im Mondlicht fluoresziert. Wieder andere kannte früher jedes Kind, wie den Feuersalamander.

Der preisgekrönte Tierfilmer Jan Haft stellt in beeindruckenden Bildern und mit seltenen Tonaufzeichnungen das Leben im und am Bach im Laufe der vier Jahreszeiten vor. Faszinierende Makroaufnahmen und extreme Zeitraffer zeigen das Leben im Verborgenen und geben spannende Einblicke in den vielfältigen Lebensraum Bach und seine angrenzenden Auen. Denn zum Lebensraum Bach gehört untrennbar auch das angrenzende Land. Dabei lässt der Film die Gefahren für das Ökosystem Bach nicht außer Acht. So wird Jan Haft bei den Dreharbeiten zufällig Zeuge einer Abwasser-Havarie, die etwa tausend der seltenen und durch europäisches Recht streng geschützten Groppen das Leben kostet.

Noch schwerwiegender sind jedoch die Folgen der industriellen Landwirtschaft, die die Gewässer belasten und gefährden. Vielerorts sind die bunten Auenwiesen zu Intensivgrünland umgewandelt worden. Sie werden bis zu sechs Mal im Jahr gemäht, um eiweißreiches Grünfutter zu ernten. Blumen haben keine Chance sich auszusäen. Und ohne Blumen, keine Insekten.

Hinzu kommt, dass diese landwirtschaftlich genutzten Grünflächen hauptsächlich mit Gülle gedüngt werden, von der nach starken Regenfällen große Mengen in den Bach gespült werden – mit verheerenden Folgen für das fragile Ökosystem. Doch noch ist Zeit unseren Umgang mit der Landschaft und ihren Gewässern zu ändern – damit es in möglichst vielen Bächen unserer Heimat wieder vor Leben nur so wimmelt, damit Prachtlibelle, Salamander und Steinkrebs, die Bachmuschel wie auch die Groppe künftig überall dort wieder leben können, wo sich die Kronen der Bäume am Ufer, über dem Bach sanft mit ihren Zweigen berühren.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen