hg
Bild vergrößern
Grafik: TSEW
Buchtipp

Wolfgang Riewe
Glück
Was uns Zufriedenheit und innere Erfüllung schenkt

zur Detailseite

Anzeige

Auf dass wir klug werden

Tod und Leben

Aus der Printausgabe - UK 48 / 2020

Karin Ilgenfritz | 22. November 2020

Wer dem Tod in die Augen geblickt hat, gewinnt einen ganz neuen Blick aufs Leben. Warum auch andere daraus einen Gewinn ziehen können: Gedanken nach einem Arztbesuch.

Bild vergrößern
Grafik: TSEW

Anzeige

Termin beim Arzt. Reine Routine. Ein paar Tage später liegt Post im Briefkasten: Eine weitere Untersuchung ist fällig; Verdacht auf Brustkrebs. Die Frau ist bestürzt. Schlagartig geht ihr der Gedanke durch den Kopf: Was, wenn es richtig schlimm ist und ich nicht mehr lange zu leben habe?

In den Tagen bis zur Untersuchung sieht sie ihr Leben in einem neuen Blickwinkel. Die Auseinandersetzung mit dem Ehemann verliert an Bedeutung. Viel wichtiger ist plötzlich, dass sie einander haben, miteinander ihre Lebenszeit verbringen dürfen. Manche Alltagssorge verschwindet, sie wundert sich, worüber sie sich sonst den Kopf zerbricht. Bei dem Gedanken an den eigenen Tod scheint ihr das Leben viel wertvoller.

Der Gedanke an den eigenen Tod holt Menschen aus der Komfortzone. Ängste können auftauchen. Fragen drängen sich auf, die man lieber verdrängen möchte. Könnte ich jetzt loslassen? Was möchte ich unbedingt noch erleben? Was erledigen?

Das Leben ist intensiver, wenn man im Blick hat, dass es endlich ist. Prioritäten verschieben sich. Es wird deutlicher, was wirklich wichtig ist. Das will vermutlich auch der Psalmbeter deutlich machen, wenn er schreibt: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Für viele Menschen ist bei dem Gedanken an den Tod die Frage wichtig: Was kommt danach? Phi­lipp Mickenbecker kann das bestätigen. Der junge Mann ist  schwer an Krebs erkrankt (siehe Seite 9). Die Frage nach diesem „Danach“ hat ihn sehr beschäftigt. Er hat die Antwort im christlichen Glauben gefunden. Er glaubt, dass nach dem Tod ein besseres Leben auf ihn wartet. Der Glaube an Gott, an die Auferstehung ist das, was Christinnen und Christen Hoffnung gibt. Was Menschen wie Philipp Mickenbecker Trost gibt. Und Kraft.

Niemand weiß genau, was Auferstehung bedeutet, was nach dem Tod kommen wird. Die Bibel lässt uns hoffen, dass es gut sein wird. Es wird kein Leid geben, keinen Schmerz, kein Geschrei und Gott wird alle Tränen abwischen.

Bei der Frau übrigens gab es Entwarnung. Kein Brustkrebs. Noch einmal gutgegangen. Dennoch hat diese Erfahrung bei ihr eine Veränderung bewirkt. Denn sie weiß ja: Der Tod ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Irgendwann WIRD es ein Ende geben; das ist sicher. Ihre Prioritäten haben sich deshalb nicht nur kurzfristig verschoben. Sie will sich zwar nicht weiter so stark und ausschließlich wie in den vergangenen Wochen auf den Tod konzentrieren. Aber sie will sich im Bewusstsein, dass das Leben endlich ist, mehr am Leben freuen.

Zum Beispiel Zeit mit den Menschen verbringen, die ihr am Herzen liegen. Und: ihnen auch sagen, dass sie ihr wichtig sind. Sie und ihr Mann überlegen, welche lange gehegten Vorhaben sie im nächsten Jahr umsetzen können – trotz Corona. Sie will sich möglichst nicht mehr über Dinge ärgern, die sie nicht ändern kann – dafür lieber das tun, was ihr Kraft gibt: meditieren, Bewegung, gute Gespräche oder singen. Das Leben spüren.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Wolfgang Riewe
Glück
Was uns Zufriedenheit und innere Erfüllung schenkt

zur Detailseite
Buchtipp

Wolfgang Riewe
Glück
Was uns Zufriedenheit und innere Erfüllung schenkt

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen