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Foto von Mark Taylor from Rockville, USA - Whoopi Goldberg, the MC for today's event., CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70369810

Himmlische Karriere

Schauspielerin

Birgit Roschy (epd) | 13. November 2020

Whoopi Goldberg wird 65

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Foto von Mark Taylor from Rockville, USA - Whoopi Goldberg, the MC for today's event., CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70369810

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Frankfurt a.M. (epd). «Den wollte ich schon als kleines Kind», sagte eine breit grinsende Whoopi Goldberg mit entwaffnender Offenheit, als sie 1991 den Oscar für ihre Nebenrolle in «Ghost - Nachricht von Sam» entgegennahm. 51 Jahre nach Hattie McDaniels Oscar für «Vom Winde verweht» war sie die zweite afroamerikanische Schauspielerin, die die höchste Auszeichnung der Filmbranche erhielt. In den 90er Jahren stieg Whoopi Goldberg zum zeitweise bestbezahlten und meistgeehrten
weiblichen Hollywoodstar auf. Als Kultfigur spielt sie seit langem in ihrer eigenen Liga. Am 13. November wird sie 65 Jahre alt.

   Goldbergs «himmlische Karriere» - so der deutsche Untertitel ihres Kassenhits «Sister Act» (1992) - begann unter ungünstigen Vorzeichen. Geboren in Manhattan als Caryn Elaine Johnson brach sie die Highschool ab und war zeitweise heroinsüchtig. Nach ihrem Entzug fasste sie den Entschluss, Schauspielerin zu werden. Als Stand-up-Comedian entwickelte sie sich mit einer Soloperformance zum
Geheimtipp.

   Aufgrund eines Missgeschicks auf der Bühne gab sie sich den Künstlernamen Whoopi Goldberg - der Vorname ist abgeleitet von «whoopee cushion» (Furzkissen). Entdeckt wurde die Ausnahmekomikerin von Regisseur Mike Nichols, der ihre One-Woman-Show an den Broadway brachte.

   Während eines Comedy-Auftritts saß Regisseur Steven Spielberg im Zuschauerraum und engagierte sie direkt als Hauptdarstellerin für die Romanverfilmung «Die Farbe Lila» (1985). Als misshandelte und gedemütigte Celie, die schließlich den Mut zur Rebellion aufbringt, brachte sie Millionen Zuschauer zum Weinen.

   Ihr «Sister Act»-Auftritt als extrovertierte Nachtclubsängerin, die sich in einem Kloster versteckt und den Nonnenchor zum swingen bringt, hat Whoopi Goldberg dann eine riesige Fangemeinde beschert. Das Werk inspirierte zahlreiche Chorfilme. Für «Sister Act 2» (1993) erhielt sie mit sieben Millionen Dollar die bis dahin höchste Gage für eine Schauspielerin.

   Sie wolle lieber «actor» (Schauspieler) statt «actress» (Schauspielerin) genannt werden, sagte sie einmal - weil sie in Filmen wie der Gaunerkomödie «Die diebische Elster» (1987) auch in Actionrollen überzeugt, die eigentlich Männern zugedacht waren. Whoopi Goldberg lässt sich in keine Schublade stecken. Mit ihrem Schalk und ihrer umtriebigen Persönlichkeit stiehlt sie Kollegen im Handumdrehen die Show. Aus diesem Grund wurde sie für «Ghost» anfangs nicht zum Vorsprechen eingeladen. Ihren Oscar-gekrönten Part der Geisterbeschwörerin Oda, die den komödiantischen Gegensatz zum tragischen Liebespaar im Zentrum des Films bildet, verdankt sie Hauptdarsteller Patrick Swayze. Er machte Whoopi Goldbergs Engagement zur Bedingung für seinen eigenen Auftritt.

   Mit Gastauftritten in der «Star Trek»-Reihe erfüllte sie sich einen Kindheitstraum. Von klein auf war sie wegen Lieutenant Uhura, der ersten schwarzen Frau in der Crew der «Enterprise», ein Fan der Serie. Whoopi Goldberg wurde neben dem Oscar unter anderem mit mehreren Golden Globes, einem Grammy und einem Tony-Award ausgezeichnet.

   Trotz ihrer Vielseitigkeit und Beliebtheit bei Zuschauern unterschiedlichster Couleur scheint Hollywood mit Goldbergs Charakterkopf im Grunde wenig anfangen zu können. In den vergangenen Jahren war sie selten im Kino zu sehen. In Serien, als
Synchronsprecherin und als eine der Gastgeberinnen der US-Talkshow «The View» ist sie jedoch dauerpräsent.

   Furore machte sie zuletzt als Geschäftsfrau, die medizinische Cannabismedikamente vertreibt, und durch ihre politische Parteinahme gegen Donald Trump. 1992 gründete Whoopi Goldberg ihre eigene Produktionsfirma One Ho Production. Sie war mehrfach verheiratet und ist Mutter dreier Kinder. Seit 2003 ist sie «Botschafterin des guten Willens» des UN-Kinderhilfswerks Unicef.

   Als Schauspielerin hat sie sowohl in Bezug auf Geschlechter wie Hautfarben Hollywod-übliche Grenzen verschoben, so hatte sie in «Made in America» und «Corrina, Corrina» weiße Liebespartner. Sie setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein, ist engagierte Unterstützerin der MeToo- und Black-Live-Matters-Bewegung. Gleichzeitig ist das Rollenmodell zu sehr Nonkonformistin, um sich vereinnahmen zu lassen.

   Goldberg hat schon in den 80er Jahren Kritikern widersprochen, die bemängelten, dass «Die Farbe Lila» von einem weißen Regisseur gedreht wurde. Sie weigert sich, auf ihr Schwarzsein reduziert zu werden, wie sie in einem Interview sagte. Sie wolle sich nicht in jedem ihrer Filme mit ihrer Hautfarbe auseinandersetzen: «Sie stehen ja morgens auch nicht auf und sagen: Bin ich heute aber weiß.»

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