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Präses Anette Kurschus während der Landessynode (Foto: epd)

Erste digitale westfälische Landessynode im Zeichen von Corona

EKvW

Ingo Lehnick/Holger Spierig (epd) | 17. November 2020

Die Folgen der Corona-Pandemie beschäftigen auch die diesjährige westfälische Landessynode: Das Kirchenparlament tagt erstmals rein digital. Auch bei den Kirchenfinanzen und im Bericht von Präses Kurschus spielt das Thema eine Hauptrolle.

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Präses Anette Kurschus während der Landessynode (Foto: epd)

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Bielefeld (epd). Das Thema Corona hat den Auftakt der westfälischen Landessynode geprägt, die am Montag erstmals in ihrer Geschichte zu einer digitalen Jahrestagung zusammenkam. Präses Annette Kurschus hob in ihrem Bericht vor dem «Parlament» der Evangelischen Kirche von Westfalen den Auftrag der Christen hervor, in dieser Zeit «die Frage nach Gott hochzuhalten». Finanzdezernent Arne Kupke teilte am Abend mit, dass die Kirchensteuereinnahmen infolge der Pandemie in diesem Jahr um knapp zehn Prozent gegenüber 2019 zurückgehen.

   Kurschus konstatierte in ihrem traditionellen Bericht vor der Landessynode einen allgemeinen Kontrollverlust, durch den Vieles ins Wanken geraten sei - auch die Vorstellung von Gott. «Verräterisch» nannte die leitende Theologin der viertgrößten Landeskirche in Deutschland die «politische Durchhalteparole», die Corona-Auflagen
müssten nun konsequent eingehalten werden, «um Weihnachten zu retten». Es verhalte sich umgekehrt: Nicht die Menschen müssten Weihnachten retten, sondern «weil der Retter in der Welt ist und sich immer neu zu uns aufmacht, werden wir feiern», sagte Kurschus. «Wie immer das Feiern in diesem Jahr möglich sein wird.»

   Kritisch äußerte sich die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu ungleichen Chancen bei der künftigen Verteilung von Corona-Impfstoffen. Einmal mehr drohten «die Länder des globalen Südens zu Bittstellern und Almosenempfängern zu werden». Bei den Corona-Auflagen in Deutschland seien die Einschränkungen und Lasten ebenfalls unterschiedlich groß, beklagte die 57-jährige Theologin.

   In der Corona-Pandemie dürften andere drängende Probleme wie der Klimawandel, das Schicksal von Flüchtlingen und die Gefahr von Extremismus nicht vergessen werden, mahnte Kurschus. Die Klimakrise werde «tiefer und anhaltender sein als die Corona-Pandemie, sie wird unser Hoffen und Handeln dauerhaft herausfordern». Auch auf das «verzweifelte Schicksal» der Flüchtlinge auf der griechischen Insel Moria machte Kurschus aufmerksam.

   Finanzchef Kupke sagte, der erwartete Kirchensteuerrückgang um rund 50 Millionen Euro in diesem Jahr sei zwar hart, aber wegen der seit Jahren streng konservativen Finanzplanung für die viertgrößte deutsche Landeskirche noch verkraftbar. Im Jahr 2019 nahm die westfälische Kirche netto rund 566 Millionen Euro ein, für 2020 wurde offiziell lediglich mit 520 Millionen Euro kalkuliert. Für kommendes Jahr legt Kupke ein Kirchensteueraufkommen von 510 Millionen Euro
zugrunde. Der Haushalt wird vermutlich am Mittwochabend verabschiedet.

   Angesichts sinkender Mitglieder- und Einnahmezahlen auch ohne Pandemie mahnte Kupke zur Fortsetzung des eingeschlagenen Sparkurses: «Wir können uns den Rück- und Umbau nicht radikal genug denken.» Neben einer längerfristigen Aufgabenklärung müsse auch kurzfristig eine «maßgebliche Reduktion» der Ausgaben erreicht werden.

   Die Landessynode ist das oberste Organ der westfälischen Kirche, sie tagt bis Donnerstag. Wichtige Themen sind Kirchenleitungswahlen, ein Gesetz gegen sexuelle Grenzverletzungen und Missbrauch sowie die Verabschiedung des Haushalts für 2021.

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