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Heimische Pflanzen auf dem Stadtfriedhof Stöcken in Hannover. Die Wiese sieht verwildert aus. Viele Blumen wachsen hüfthoch. Zwischen ihnen summt es. "Auf dieser Wildblumenwiese wachsen heimische Blumen, die im Gegensatz zu Zuchtpflanzen aus dem Gartencenter viel Pollen und Nektar bieten - genau das, was die Wildbienen mögen", sagt Jakob Grabow-Klucken. Der Umwelt- und Landschaftswissenschaftler vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen leitet das Projekt "Ökologische Nische Friedhof" - eine Initiative, die zum diesjährigen "Tag des Friedhofs" passt, der unter dem Motto "Natürlich erinnern" stand. (Foto: epd)

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Wenn Bienen über Gräbern summen

Friedhof und Umwelt

Claudia Schülke (epd) | 1. November 2020

Deutschlands Friedhöfe entwickeln Konzepte zur ökologischen Bepflanzung

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Heimische Pflanzen auf dem Stadtfriedhof Stöcken in Hannover. Die Wiese sieht verwildert aus. Viele Blumen wachsen hüfthoch. Zwischen ihnen summt es. "Auf dieser Wildblumenwiese wachsen heimische Blumen, die im Gegensatz zu Zuchtpflanzen aus dem Gartencenter viel Pollen und Nektar bieten - genau das, was die Wildbienen mögen", sagt Jakob Grabow-Klucken. Der Umwelt- und Landschaftswissenschaftler vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen leitet das Projekt "Ökologische Nische Friedhof" - eine Initiative, die zum diesjährigen "Tag des Friedhofs" passt, der unter dem Motto "Natürlich erinnern" stand. (Foto: epd)

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Frankfurt a.M. (epd). Der Frankfurter Hauptfriedhof ist ein Waldgarten. Sein alter Baumbestand zieht auch die Lebenden an. Jetzt können sie sogar in einem ökologischen Mustergarten verweilen: zwischen Steinpyramiden für Eidechsen und Totholzhaufen für Igel und Blindschleichen, einem «Sandarium» für Grabwespen sowie Niststätten für Insekten und Vögel. Späte Schmetterlinge saugen Nektar aus den letzten Blüten des Sommerflieders, Hummelköniginnen versinken in seinem Pollenstaub, Bienen schwärmen aus den nahen Stöcken auf die Herbstastern, die Fruchtstände der Karden warten auf hungrige Distelfinken.

   Doch wie ökologisch sind die Gräber gestaltet? «Viele Leute wollen Schotter haben, weil sie sich einbilden, das sei einfacher zu pflegen», sagt Gert Schirmer, Sprecher der Genossenschaft Frankfurter Friedhofsgärtner. «Unkraut wächst aber auch zwischen Schotter und um Granitplatten herum», fährt er fort. «Ohne Pflege sieht so ein Grab dann genauso aus wie ein bepflanztes, nur dass dann eben
Pionierpflanzen wie Brombeeren dort wuchern.»

   Zudem heize sich das Mikroklima durch Steine auf. Deshalb plädiert Schirmer bei der Grabgestaltung für ein grünes Gegenprogramm: «alles, was Blätter hat». Als Bodendecker empfiehlt er Thymian oder den traditionellen Efeu, als Hecke Hainbuche oder Feldahorn, für die Insekten Salbei, Oregano und Lavendel. Thomas Bäder, Abteilungsleiter für die Friedhöfe des Frankfurter Grünflächenamts, bestätigt: «Wir
befürworten eine ökologische Bepflanzung.» Aber, so formuliert Schirmer: «Die ökologische Bepflanzung kommt erst allmählich in Wallung.»

   Weiter als Frankfurt ist Köln. Lutz Pakendorf, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner, stellt ganze Flurstücke bis zu 3.000 Quadratmeter als «Bestattungsgärten» für Urnen- und Erdbestattungen vor: Friedhofsflächen, die zu einer Gartenanlage gestaltet werden. Sie werden nach Themen wie Bauerngarten, Heidegarten oder Gräsergarten bepflanzt. Bei der «Naturwiese» mit heimischem Saatgut von Blumen und Kräutern unter einem Obstbaum hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Friedhofsgärtner beraten.

   Naturnah ist auch der «Auengarten» in Köln-Chorweiler mit Teich, Stauden und Insekten-Nistwand. «Rundum sorglos» für die Hinterbliebenen nennt Pakendorf dieses Konzept, weil diese Gräberfelder für Urnen und Särge von Gärtnern versorgt würden. Kosten: 3.500 bis 4.000 Euro für 25 Jahre.

   In Hamburg will Genossenschafts-Friedhofsgärtner Alexander König «Erinnerungsgärten» etablieren. Ein «Küstengarten» mit Leuchtturm und ein «Naturgarten» mit entsprechender Staudenvielfalt seien dabei, erzählt er. Erst im Mai hat König in Altona knapp 1.000 Quadratmeter mit 288 Grabstellen für Särge und Urnen mit «bienenfreundlichen Streuwiesen» für zwei Bienenvölker angelegt. Auch auf dem Ohlsdorfer Friedhof blühen seit zwei Jahren Wildblumen zwischen Hecken und
heimischen Sträuchern, dank der Bürgerbeteiligung am Projekt «Ohlsdorf 2050» zur Zukunft des Friedhofs.

   Neben den Genossenschaften hat der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im Zentralverband Gartenbau ein Konzept namens «Naturruh - Natürlich erinnern» erarbeitet, mit Futterstellen und Nistkästen, Insektenhotels und farbenprächtigen Stauden auf Grabstellen. Würdevolle Bestattungen bei gleichzeitiger Förderung der biologischen Vielfalt, so wird das Konzept beschrieben. 2017 wurde es auf der
Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Berlin vorgestellt, 2018 erhielten die Friedhofsgärtner den Deutschen Innovationspreis für Gartenbau.

   Noch im selben Jahr hat der Friedhof «Am Stäfflingshof» in Gelsenkirchen das Konzept übernommen: mit geschwungenen Wegen, Teich und Stauden. «Leider dauert es teilweise sehr lange, bis eine Idee sich durchsetzt und dann auch durch alle Instanzen wie Friedhofsverwaltung, Stadtverwaltung, Stadtrat geht», bedauert
BdF-Vorsitzende Birgit Ehlers-Ascherfeld, die das Konzept initiiert hatte.

   Doch mehr Ökologie geht auch auf traditionellen Friedhöfen. In München wirbt das Landeskomitee der Katholiken mit einer Broschüre für das ökologische und nachhaltige Grab: Statt Schnittblumen werden Herbstaster-Stauden empfohlen, generell sind heimische Pflanzen besser als Exoten, und Kränze sehen auch mit Rindenstücken und Tannenzapfen schön aus.

Internet:

Bestattungsgärten Köln: www.bestattungsgaerten.de
Erinnerungsgärten Hamburg: www.erinnerungsgaerten.de
www.naturruh.de
Broschüre Erzbistum München: http://u.epd.de/1nas

 

 

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