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Das Herz ist der Sitz der Erkenntnis im Alten Testament. Dort hat Gottes Wort seinen Sitz, wie der Predigttext erklärt – und von dort aus sollte es unser Leben prägen. Manchmal ist das ganz einfach; dann fließt das Herz über und ein Leben nach den Geboten erscheint uns selbstverständlich. Und dann wieder gibt es Zeiten, in denen sich Wort und Leben kaum in Einklang bringen lassen. Gut zu wissen, dass Gott unser Herz in der Hand hält – zu allen Zeiten. Foto: pathdoc

Mit jedem Herzschlag

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 42 / 2020

Dr. Lisa J. Krengel | 10. Oktober 2020

Über den Predigttext zum 18. Sonntag nach Trinitatis: 5. Mose 30,11-14

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Das Herz ist der Sitz der Erkenntnis im Alten Testament. Dort hat Gottes Wort seinen Sitz, wie der Predigttext erklärt – und von dort aus sollte es unser Leben prägen. Manchmal ist das ganz einfach; dann fließt das Herz über und ein Leben nach den Geboten erscheint uns selbstverständlich. Und dann wieder gibt es Zeiten, in denen sich Wort und Leben kaum in Einklang bringen lassen. Gut zu wissen, dass Gott unser Herz in der Hand hält – zu allen Zeiten. Foto: pathdoc
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Dr. Lisa J. Krengel (38) ist Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop.

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Predigttext
11 Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. 12 Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir‘s hören und tun? 13 Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir‘s hören und tun? 14 Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Wenn mein Herz klopft
und vor Freude springt.
Wenn ich mich lebendig fühl
und tief in mir weiß:
Hier bin ich richtig.
Das ist mein Weg.
Hier werde ich gebraucht,
hier kann ich was tun.
Wenn Kopf und Herz
im Einklang sind,
die Ideen sprudeln,
und auf Taten warten.
Wenn alle Zweifel und alle Sorgen,
jedes Wenn und Aber
nicht an mir nagen,
sondern Ruhe geben und stille sind.
Stattdessen Zuversicht sich breitmacht,
und Hoffnung,
dann ahne ich,
dann fühle ich,
dann weiß ich genau,
dass sein Wort ganz nahe bei mir ist.
Dass sein Wort mein Herz erfüllt.

An solchen Tagen, in diesen Stunden,
brauch ich nichts und niemanden,
der mir sein Wort aus der Weite des Himmels klaubt.
Niemanden, der die Meere bezwingt
und aus der Ferne sein Wort mitbringt.
Denn an solchen Tagen
ist sein Wort schon bei mir.

Aber was ist
mit all den anderen Tagen?
Den Zeiten, in denen Zweifel nagen,
Unsicherheit mein Denken bestimmt
und niemand mir meine Sorgen nimmt?
An denen ich nicht weiß,
wo mein Platz ist,
und trübes Grau
sich in mein Inneres frisst.
Wo ist dann, Gott, dein Wort?
Doch himmelweit und ozeantief?
Meilen entfernt, unerreichbar für mich?

Sein Wort macht den Anfang,
am Beginn aller Zeiten.
Alles wird, weil Gott spricht.
Die Welt kommt ins Leben,
ins Wachsen und Sprießen.
Aus Ödnis wird Fülle,
aus Dunkelheit Licht,
aus tristem Grau bunte Farben
und aus Einsamkeit Glück.

Das Wort läuft weiter,
durch die Zeiten hindurch.
Spricht an, macht Mut
und ganz oft den Unterschied.

Auch mein Leben, und dein Leben,
beginnt mit Worten, mit Sprache,
von Anfang an.
Die ersten Worte, die lern ich,
weil ich angesprochen bin.
In Liebe und Zuneigung,
gewollt und gestützt.
Die ersten Schritte,
die schaff ich, die lauf ich,
weil‘s mir einer sagt,
mir zutraut, mir Mut macht.

So stell ich‘s mir vor,
Gottes Wort ganz am Anfang
und durch die Zeiten hindurch.
Ein Wort der Hoffnung, der Liebe,
aus dem alles erwächst.
Gott teilt sich mit,
hofft auf Antwort,
auf mein Wort an ihn.

Doch ich beginn schon zu ahnen,
dass ich sein Wort nicht lenken kann.
Es findet mich, ohne dass ich es suche,
es kommt mir nah,
ins Herz, in den Mund,
unerwartet zu mancher Stund.
Es kommt mir nah, weil Gott es so will,
weil er sein Herz längst an mich gehängt hat.

Aber was ist mit den schweren Tagen?
Den trüben Stunden,
den dunklen Zeiten?
Den Zweifeln und Sorgen,
dem Kummer von morgen?
Was ist, wenn ich‘s dann nicht spür,
sein Wort in mir?

All die leeren Tage,
die kennt Gott auch.
Die traurigen, die müden,
die Angst besetzten,
die hat er selbst durchlitten,
durchschritten,
das zerbrochene Herz,
auch das kennt er wohl.

Vielleicht ist es das
was mich trägt in der Not:
Dass Gott das kennt.
Es erlebt, auch mit uns.
Und auch wenn sein Wort
zu diesen Zeiten
nicht vordringt zu mir,
mein Herz nicht ergreift,
und ich es nicht spür.
So weiß ich doch:
Es ist Gott selbst, der mein Herz,
der mein Leben in seiner Hand hält.
Von Anbeginn und zu allen Zeiten.

Wie könnte mein Herz
da nicht klopfen
und vor Freude springen?

Gebet

Herr, unser Gott, lass uns im Gewirr der Stimmen und Worte dich heraushören. Öffne unsere Ohren und Herzen für dein Wort, auf dass es unser Herz fülle und unsere Hände leite. Amen.

Die Andacht gibt es als Video unter www.unserekirche.de und www.youtube.com, Stichwort Evangelische KirchengemeindeBottrop.

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