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Der Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück ,Thomas Schneider, mit seinen Mitarbeiterinnen im Ausstellungsraum (Foto vom 15.09.2020). Ein US-amerikanischer Gangsta-Rap-Song über Erich Maria Remarque (1898-1970). Ein gespraytes Porträt des Antikriegs-Schriftstellers auf einer georgischen Hauswand. Remarque-Zitate in Chats iranischer Oppositioneller. Als die Experten und Expertinnen im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück begannen, weltweit nach Belegen für die Popularität des Autors von "Im Westen nichts Neues" zu fahnden, hatten selbst sie nicht mit dieser Fülle von Material gerechnet. Nur einen Bruchteil der Fundstücke aus den verschiedensten Medien können sie in der neuen Ausstellung "Weltweit Worldwide Remarque" präsentieren. Sie wird an seinem 50. Todestag am 25. September eröffnet und schliesst nächstes Jahr an seinem Geburtstag, dem 22. Juni. (Foto: epd)

Zerrissener Menschenfreund

Kurzportrait

Martina Schwager/Michael Grau (epd) | 26. September 2020

Vor 50 Jahren starb Erich Maria Remarque

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Der Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück ,Thomas Schneider, mit seinen Mitarbeiterinnen im Ausstellungsraum (Foto vom 15.09.2020). Ein US-amerikanischer Gangsta-Rap-Song über Erich Maria Remarque (1898-1970). Ein gespraytes Porträt des Antikriegs-Schriftstellers auf einer georgischen Hauswand. Remarque-Zitate in Chats iranischer Oppositioneller. Als die Experten und Expertinnen im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück begannen, weltweit nach Belegen für die Popularität des Autors von "Im Westen nichts Neues" zu fahnden, hatten selbst sie nicht mit dieser Fülle von Material gerechnet. Nur einen Bruchteil der Fundstücke aus den verschiedensten Medien können sie in der neuen Ausstellung "Weltweit Worldwide Remarque" präsentieren. Sie wird an seinem 50. Todestag am 25. September eröffnet und schliesst nächstes Jahr an seinem Geburtstag, dem 22. Juni. (Foto: epd)

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Osnabrück (epd). Der Antikriegsroman «Im Westen nichts Neues» hat Erich Maria Remarque berühmt gemacht. Das Buch, das zehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs erstmals erschien, das die Nazis verboten und verbrannten, wurde bis heute in mehr als 60 Sprachen übersetzt und etliche Male verfilmt. Der Autor, der am 22. Juni 1898 als Erich Paul Remark in Osnabrück geboren wurde, verarbeitete darin seine eigenen Fronterfahrungen und die Schilderungen seiner Kameraden.

   Auch in seinen folgenden Romanen wie «Der Weg zurück», «Drei Kameraden», «Arc de Triomphe» und «Der schwarze Obelisk» thematisierte Remarque die Auswirkungen von Krieg, Krisen und Verfolgung auf den einzelnen Menschen. Seine Schilderungen seien so eindringlich, dass diese noch heute Gültigkeit hätten, sagt der Remarque-Experte Thomas Schneider: «Er ist ein Klassiker der Weltliteratur.»

   Erich Maria Remarque, wie er sich ab 1921 zunächst gelegentlich und später durchgehend nannte, wurde am katholischen Lehrerseminar ausgebildet und 1917 als Soldat im Ersten Weltkrieg verwundet. Mit dem Künstlernamen habe er auf seine französischen Vorfahren und seine Verehrung für den Dichter Rainer Maria Rilke (1875-1926) hinweisen wollen, sagte er später. Remarque litt unter der Verfolgung durch die Nazis. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er ging ins Exil, lebte fortan abwechselnd in den USA und in der Schweiz, wo er am 25. September 1970 starb.

   Der Journalist Wilhelm von Sternburg beschreibt ihn in seiner Biografie «Als wäre alles das letzte Mal» als einen im Innern zerrissenen Menschenfreund. Reichtum und Ruhm hätten ihn zu Alkohol-Exzessen und einem ausschweifenden Liebesleben verleitet. Er hatte Affären unter anderen mit Marlene Dietrich und Greta Garbo und
war mehrmals verheiratet, zuletzt mit der ehemaligen Frau von Charlie Chaplin, Paulette Goddard. Remarque habe aber auch unter Depressionen und künstlerischen Selbstzweifeln gelitten. Auch die Tatsache, dass er mit seinem Schreiben einen neuerlichen, noch verheerenderen Krieg nicht verhindern konnte, habe ihm zu schaffen gemacht, urteilt Schneider.

«Im Westen nichts Neues»

Osnabrück (epd). Für viele ist es der Antikriegsroman schlechthin: «Im Westen nichts Neues» führt den Lesern den grausamen Alltag in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs vor Augen. Autor Erich Maria Remarque (1898-1970) lässt seine Leserinnen und Leser am Ende tief getroffen zurück, sein Held Paul Bäumer stirbt: «Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.»

   Remarque stützt den reportageartigen Roman über die Erlebnisse Bäumers auf seine eigenen Erfahrungen in sechs Wochen Westfront im Jahr 1917. Vor allem aber liegen ihm die Gespräche mit Kameraden zugrunde, die er nach seiner Verletzung im Lazarett geführt hat.

   «Im Westen nichts Neues» wurde in mehr als 60 Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt. Erstmals erschien das Werk zehn Jahre nach Kriegsende im November 1928 als Vorabdruck in der «Vossischen Zeitung». 1933 wurde es bei den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen ins Feuer geworfen.

   Remarques Botschaft ist eine klar pazifistische: Der Krieg tötet nicht nur, er raubt den Menschen ihre Würde und ihre Menschlichkeit und darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Auch die Überlebenden hinterlässt er als verlorene, zerstörte Generation. In «Im Westen nichts Neues» lässt er Paul Bäumer sinnieren: «Wenn wir jetzt zurückkehren, sind wir müde, zerfallen, ausgebrannt, wurzellos und ohne Hoffnung. Wir werden uns nicht mehr zurechtfinden können.»

Info

Wilhelm von Sternburg: «Als wäre es das letzte Mal»: Erich Maria Remarque. Eine Biographie, Kiepenheuer & Witsch 2010.
Die Werke Remarques sind bei Kiepenheuer&Witsch erschienen: http://u.epd.de/138r

Internet

Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum: www.remarque.de

Orte

Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum, Markt 6, 49074 Osnabrück

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