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Grafik: TSEW

Die Kirche und das Lachen

Humor

Aus der Printausgabe - UK 38 / 2020

Bernd Becker | 14. September 2020

Manchmal kann man nur noch lachen oder weinen – warum es gute Gründe gibt, sich dann für das Lachen zu entscheiden: Betrachtungen über den heilsamen Charakter von Humor.

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Grafik: TSEW

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Vor fünf Wochen ist Fips Asmussen gestorben. Der Komiker erzählte Witze am laufenden Band und war vor allem in den 70er und 80er Jahren populär. Fast jeder Haushalt besaß eine Schallplatte oder Musikkassette von ihm.

Anlässlich seines Todes wurden viele der Scherze zitiert, so auch der kleine Gag auf dem Titelbild dieser UK-Ausgabe. Menschen erinnerten sich gern noch einmal an die Albernheiten, von denen manche heute nicht mehr salonfähig wären.

Auffällig ist, dass auch andere Komiker des Nachkriegsdeutschlands in den vergangenen Monaten eine Renaissance erlebten. Besonders im Internet werden immer wieder Gedichte von Heinz Erhardt, Sketche von Loriot oder Witze von Otto Waalkes geteilt. Letzterer hat in der Corona-Zeit neue Videos aufgenommen und ins Netz gestellt.

Womöglich besteht in diesen angespannten Monaten ein besonderes Bedürfnis nach Humor. Und dabei wird gern auf Altbekanntes und eher Harmloses zurückgegriffen. Aktuelle Comedians wie Dieter Nuhr oder Lisa Eckhart haben es schwer mit ihrer Gesellschaftskritik. Im politisch angespannten Deutschland werden sie schnell in die politisch linke oder rechte Ecke gestellt. Komik und Kabarett bewegen sich derzeit auf dünnem Eis.

Dass Lachen eine therapeutische Wirkung haben kann, ist nicht zu leugnen. Schon Shakespeare machte sich „Comic relief“ zunutze. Das bezeichnet ein Stilmittel, das entlasten und befreien soll. Durch humorvolle Szenen oder Figuren wird Spannung abgebaut. Auch in TV-Serien lachen die Hauptdarsteller am Ende fröhlich in die Kamera. Der Fall ist gelöst, das Problem behoben.

Bei ganz anderer Gelegenheit geschieht etwas Vergleichbares, nämlich beim sogenannten „Leichenschmaus“.  Nach einer Beerdigung wird dann, meist zu vorgerückter Stunde, gern einmal wieder gelacht. Das tut manchmal gut, nach Tagen voller Anspannung und Trauer. Auch dies ein Beleg für die entlastende Funktion des Humors.

In der Kirche wurde früher Ähnliches mit dem Osterlachen bezweckt. Es gilt als die einzige Form, in der das Lachen in die christliche Liturgie einbezogen wurde. Besonders im Spätmittelalter erzählten die Pfarrer am Ostertag ein „Ostermärlein“ von der Kanzel. Das sollte die Gemeinde nach der traurigen Karwoche wieder zum Lachen bringen und den Sieg des Lebens über den Tod symbolisieren.

Im Protestantismus stieß das Osterlachen teilweise auf scharfe Kritik und wurde ab dem 18. Jahrhundert immer seltener. Eigentlich schade. Mediziner betonen, dass Lachen Stress abbaut und das Immunsystem stärkt. Auch die Lungenfunktion wird verbessert. Selbst in der Seelsorge kann Humor eine wichtige Funktion haben, und auch in der Bibel sind Witze zu entdecken. Vielleicht sollte also die evangelische Kirche das Osterlachen neu beleben und insgesamt vieles mit mehr Humor nehmen. Lachen verbindet, und Lachen befreit. Solange es nicht auf Kosten anderer geschieht.

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