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Wenn der Teufel los ist

Das Böse

Aus der Printausgabe - UK 36 / 2020

Anke von Legat | 30. August 2020

Woher stammen all die Übel in unserer Welt? Früher war die Antwort einfach: vom Teufel, dem Widersacher Gottes. Dann wanderte das Böse in den Menschen – und blieb unbeherrschbar.

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Dafür, dass es ihn nicht gibt, ist der Teufel erstaunlich präsent in unserer Welt. Wir finden ihn in Werbung und Kino, in Computerspielen, Redewendungen und Pop-Songs.

Und wir finden ihn in unserem Leben. Nicht als Person mit Pferdehuf und Hörnern, sondern als Erfahrung: Da, wo Gutes sein sollte, ist Böses. Immer wieder. Nicht als moralische Kategorie, sondern als das, was die Welt schauderhaft und hoffnungslos macht, in Naturkatastrophen wie im menschlichen Handeln. Es lässt sich nicht eingrenzen und nicht erklären; es ist einfach vorhanden und hat Einfluss auf unser Leben.

Das Böse also ist ganz real; seine Personifizierung aber, der Teufel, schien lange Zeit abgedrängt ins Reich der Märchen, der Pop-Kultur oder der religiösen Randgruppen. In letzter Zeit war es Papst Franziskus, der ihn wieder in die Diskussion gebracht hat: Ganz unbefangen warnt er vor dem Einfluss des Teufels und bezeichnet sogar den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche als sein Werk – eine Deutung, die ihm viel Kritik eingebracht hat, weil sie die Verantwortung der Täter kleinredet.

Für die Menschen in den Jahrhunderten vor der Aufklärung war der Teufel eine reale Person, gegen die es im Christenleben zu kämpfen galt. Er verfügte über die Macht, Böses geschehen zu lassen und die Menschen zum Bösen zu verführen; so ließ sich auch die Frage beantworten, wie das Böse in Gottes gute Schöpfung kam. Für Luther war er außerdem derjenige, der das Evangelium verdunkelte und den Sünder seiner Verzweiflung und damit letztlich der ewigen Verdammnis überließ.

Das Leben der Gläubigen war ein ständiger Kampf, in dem der Teufel über allerlei Listen und irdische Helfer verfügte. Darum verloren die Menschen regelmäßig gegen ihn – „er“ war eben stärker. Letztlich tat es ganz gut, einen Teil der Verantwortung auf ihn abzuwälzen.

Später verorteten Theologen und Psychologen das Böse im Menschen selbst. Die Philosophin Hannah Arendt fand es sogar in unseren banalen Alltäglichkeiten – es sind eben häufig nicht finsterste Triebe, die uns grausam und unmenschlich handeln lassen, sondern Gleichgültigkeit und Trägheit im Urteil.

So wurde das Böse auf der einen Seite erklärbar; auf der anderen Seite aber entzog es sich weiterhin menschlicher Kontrolle: Dem, was bewusst oder unbewusst in uns steckt, können wir wesentlich schwerer entrinnen als einer personalen Macht, die von außen auf uns einwirkt.

Und so blieb es bei der Rede vom Bösen und manchmal auch vom Teufel. Sie scheint unverzichtbar, um eine Wirklichkeit zu benennen, die nicht zu fassen
und schon gar nicht zu beherrschen ist. Christinnen und Christen aber glauben: Das Böse, wie auch immer wir es nennen, ist längst besiegt; seine Macht ist nur geliehen, und sein endgültiges Scheitern ist vorherbestimmt. Das macht seine Auswirkungen im Leben Einzelner nicht weniger teuflisch; aber es hat nicht das letzte Wort – Gott sei Dank.

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