hg
Bild vergrößern
Heilige Sippe: Anna und Joachim, die Großeltern Jesu, mit Tochter Maria und Enkelkind – ein Bild des niederländischen Malers Joos van Cleve (etwa 1485 – 1540/1541). (Foto: wikipedia.de)
Buchtipp

Vio Mütter
Der Notfall namens Jesus

zur Detailseite

Anzeige

Die Großeltern Jesu

Frömmigkeit

Aus der Printausgabe - UK 31 / 2020

Fabian Brand | 26. Juli 2020

Jeder Mensch hat Vorfahren. Das hat die Gläubigen wahrscheinlich dazu gebracht, Legenden von Jesu Großeltern zu erzählen, die an die Wundergeschichten des Alten Testaments erinnern.

Bild vergrößern
Heilige Sippe: Anna und Joachim, die Großeltern Jesu, mit Tochter Maria und Enkelkind – ein Bild des niederländischen Malers Joos van Cleve (etwa 1485 – 1540/1541). (Foto: wikipedia.de)

Anzeige

Anna selbdritt heißt eine Darstellung aus der christlichen Kunst, die drei Generationen vereint: Maria und das Jesuskind sind dort zu sehen, aber auch noch eine dritte Person. Es ist die Mutter Marias, die den Namen Anna trägt. Die Evangelien des Neuen Testaments berichten freilich nichts über die Großeltern Jesu, grundsätzlich erzählen sie sowieso nicht viel über seine Kindheit oder Familie. Dass Jesus bei Maria und Josef in Nazareth aufgewachsen ist, heißt es im Lukasevangelium, aber das ist auch schon alles.

Wenn Jesus Mensch ist, muss er Verwandte haben

Die Menschen jedenfalls haben sich mit diesen fragmentarischen Erzählungen nicht zufriedengegeben. Wenn Gottes Sohn schon in eine menschliche Familie hineingeboren wird, dann muss er auch Verwandte haben, Großeltern zum Beispiel, Joachim und Anna nämlich.

Eine erste Erwähnung dieser Großeltern Jesu findet sich im Protoevangelium nach Jakobus, einer apokryphen Schrift, die wohl um das 2. Jahrhundert entstanden ist. Diese Evangelienschrift wurde nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen, obwohl sie wahrscheinlich eine sehr beliebte Lektüre war. In ihr wird sehr ausführlich die Vorgeschichte Jesu erzählt: So werden Joachim und Anna als Eltern Mariens eingeführt, deren Ehe zunächst kinderloswar. Nachdem Anna aber Gott um Gnade angefleht und ihm versprochen hatte, ihm ihr Kind zu weihen, erschien ihr und ihrem Mann ein Engel, der ihr die Schwangerschaft ankündigte.

Neun Monate später gebar Anna eine Tochter, der sie den Namen Maria gab und die sie im Alter von drei Jahren in den Tempel brachte.

Die Geschichte um Joachim und Anna, wie sie das Protoevangelium schreibt, besitzt starke Anklänge an andere Erzählungen aus dem Alten Testament: Abraham und Sara beispielsweise hatten ebenso vergeblich auf Nachwuchs gehofft und wurden noch im hohen Alter Eltern. Und die Mutter des Propheten Samuel, Hanna, versprach ebenfalls, ihren erbetenen Sohn Gott zu weihen und ließ ihn im Heiligtum Silo bei Priestern aufwachsen.

Schon um das Jahr 500 berichtet ein Pilger in Jerusalem von einer Marienkirche, die sich neben dem Betesda-Teich nahe dem heutigen Löwentor befunden habe. In dieser byzantinischen Kirche, die auch auf dem Madaba-Mosaik dargestellt ist, hat man sich an die Geburt Mariens durch ihre Mutter Anna erinnert, wie es in einem Text des Patriarchen Sophronius aus dem 7. Jahrhundert heißt. Die Kreuzfahrer schließlich erbauten an der Stelle der einstigen Kirche eine prächtige Basilika, die Joachim und Anna gewidmet war und in deren Inneren sich  angeblich das Grab der Eltern Mariens befand. Bis heute kann man in der Sankt Anna-Kirche in eine Krypta hinabsteigen, in der an die Geburt Marias erinnert wird.

Interessant ist, dass die Großeltern Jesu nicht nur in der christlichen Literatur Erwähnung finden. Auch der Koran berichtet vom Vater Marias, welcher in Sure 66 allerdings den Namen Imran trägt. Auf christlicher Seite wurde die Geschichte um Joachim und Anna immer weitererzählt: Auch in der Legenda aurea aus dem 13. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Erzählung vertieft und ausgestaltet. Gemäß der in ihr enthaltenen Lebensgeschichte habe Anna nach dem Tod Joachims gar noch zwei andere Männer geheiratet und zwei weitere Töchter geboren.

Große Verehrung im Mittelalter

Besonders im späten Mittelalter setzte eine große Verehrung der Großeltern Jesu ein: Es entstanden nicht nur die berühmten Darstellungen der Anna selbdritt, sondern auch die Familienbilder der sogenannten Heiligen Sippe. In dieser Zeit wurde auch der Festtag von Joachim und Anna in den kirchlichen Kalender aufgenommen: Papst Gregor der XIII. legte ihn im Jahr 1584 für den 26. Juli fest.

Wenngleich ihre Namen und ihr Leben erst sehr spät in Texten Erwähnung finden, so sind sie doch aus dem Heiligenkalender nicht mehr wegzudenken. Und neben all dem Wunderbaren, das über ihr Leben berichtet wird, so weisen sie doch vor allem auf die Menschlichkeit Jesu hin: Er wurde in einer menschlichen Familie geboren, in der er zwischen den Generationen aufgewachsen ist.

Gott ist in ihm eben ganz Mensch geworden – mit all dem, was zu unserem Menschsein dazugehört.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Vio Mütter
Der Notfall namens Jesus

zur Detailseite
Buchtipp

Vio Mütter
Der Notfall namens Jesus

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen