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Irina Penner mit ihren Eltern Jakob und Olga Penner im Garten. (Foto: Besim Mazhiqi)

Familie heißt Zusammenhalten

Sommerserie (III)

Aus der Printausgabe - UK 30 / 2020

Irina Penner | 22. Juli 2020

Wenn das Corona-Virus den Kontakt zu anderen Menschen einschränkt, wird die Familie ganz neu wichtig. Zusammenhalten und füreinander da sein, lautet die Devise.

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Irina Penner mit ihren Eltern Jakob und Olga Penner im Garten. (Foto: Besim Mazhiqi)

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Die UK-Sommerserie dreht sich diesmal nicht um Ausflugsziele, sondern um Beschäftigungen. Um das, was man gut im Urlaub machen kann – und sonst auch. Es sind Aktivitäten, die Mitglieder des UK-Teams in der Corona-Krise (wieder-)entdeckt haben.

Inzwischen ist es etwas weniger geworden: Die Corona-Krise ist nicht mehr in allen Nachrichten ein Thema und auch die Sondersendungen sind sehr viel weniger geworden. Anfangs hat mich das alles sehr beschäftigt. Corona war auch in meiner Gemeinde und in meiner Familie Gesprächsthema Nummer eins. Dann der Lockdown. Möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen.

Das hat uns erschreckt. Ich wohne bei meinen Eltern. Meine beiden Schwestern haben bereits eine eigene Familie, leben aber nicht weit weg von uns – die eine nur ein paar Häuser weiter. Familie wird bei uns großgeschrieben. Manchmal treffen wir uns dreimal die Woche einfach so zum Essen oder Quatschen. Meine Schwester aus der Nachbarschaft kommt oft auch mal ganz spontan mit den Kindern zu Besuch. Wir sitzen dann im Garten, trinken einen Kaffee und spielen mit den Kids.

Auch zu Corona-Zeit wollten wir diese Treffen nicht missen. Wir genießen es, im Sommer zusammen im Garten zu grillen und über Gott und die Welt zu sprechen. Oder auch einen Familienausflug zu machen. Durch die Ausgangssperre hatte sich das mit den Ausflügen erledigt. Aber sollten wir uns jetzt gar nicht mehr treffen können? Gerade in solchen Zeiten sollte man als Familie doch zusammenhalten und füreinander da sein.

Wir haben kaum andere Menschen getroffen, aber darauf, die nächsten Verwandten zu sehen, wollten wir nicht verzichten. Meine Nichten und Neffen freuten sich und tobten oft bei meinen Eltern im Garten herum. Wir Erwachsenen saßen beieinander und haben geredet. Oder auch mal mit den Kindern gespielt. Oder die Männer haben gegrillt und wir Salate gemacht. Ab und zu habe ich einen Kuchen gebacken. Aber nicht zu oft – alle achten auf die schlanke Linie. Mir ist meine Familie durch diese Zeit noch wichtiger geworden und noch mehr ans Herz gewachsen. Wir sind uns alle vertrauter geworden. Ich glaube auch, dass uns der Zusammenhalt viel wichtiger geworden ist.

Aber wenn man sich öfter trifft, bekommt man auch mehr voneinander mit. Auch, wenn es mal nicht so rund läuft. Dann ist es wichtig, sich gegenseitig stehen zu lassen. Wenn wir Kritik äußern, versuchen wir es freundlich zu tun. Und mir ist es schon wichtig, dass ich sagen kann, wenn mir etwas nicht passt. Oft finden sich relativ unkompliziert gute Kompromisse.

Mir ist in dieser Zeit bewusst geworden, dass ich auf vieles verzichten kann. Es hat mir gereicht, mit meinen Liebsten zu Hause im Garten zu sitzen oder spazieren zu gehen. Einfach zusammensein, füreinander da sein und sich gegenseitig Mut machen.

Ich hoffe sehr, dass wir uns auch in Zukunft regelmäßig sehen, uns austauschen über das, was uns beschäftigt und zusammenhalten. Ich bin noch mal ganz neu dankbar für meine Familie geworden.

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Leser-Kommentare öffnen

ellybe, 26. Juli 2020, 14:23 Uhr


Nur eine kleine Anmerkung zur Überschrift und zu der Zentralaussage von Frau Penner im ersten kurzen Abschnitt - aus dem Markusevangelium, Kapitel 3, Vers 31-35 - und damit zum Familienverständnis Jesu:
"Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen...: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." - Also: Was hat für Christ/innen Priorität?
Vielleicht kann sich die UK-Sommerserie einmal mit diesem die Bedeutung der "natürlichen" Familie relativierenden und, wie ich finde, ausgesprochen befreienden "Wort des Herrn" beschäftigen?!
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Alwite, 27. Juli 2020, 6:04 Uhr


Lieben Dank, liebe Irina Penner, Ihr Artikel spricht mir aus dem Herzen. Für mich war es auch der plötzliche Abstand zur Familie, die natürlich nicht nur immer eitel Sonnenschein zeichnet. Doch je öfter und näher der Kontakt, je unkomplizierter und selbstverständlich die Hilfe untereinander. Um so inniger der Zusammenhalt und die Freude, die sich im Miteinander ergibt. Die Pflege des Fammilienzusammenhaltes zieht ähnlich der Steinchen, die ich mit den Enkeln so gerne über das Wasser am Meer flitzen lasse und ehe diese versinken, Kreise.
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