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Bienen herzlich willkommen! Inmitten von insektenfreundlichen Stauden (und Unkräutern) präsentiert die Autorin des Artikels ein Häuschen für die Wildbienen. Fertige Brutkammern verschließen die Bienen mit Lehm. Foto: Besim Mazhiqi

Wer knuspert im Häuschen?

Sommerserie (II)

Aus der Printausgabe - UK 29 / 2020

Anke von Legat | 15. Juli 2020

Es kreucht und fleucht, wohin man sieht: Der Lockdown bot viel Gelegenheit für faszinierende Einblicke in die Tierwelt im Garten oder auf dem Balkon.

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Bienen herzlich willkommen! Inmitten von insektenfreundlichen Stauden (und Unkräutern) präsentiert die Autorin des Artikels ein Häuschen für die Wildbienen. Fertige Brutkammern verschließen die Bienen mit Lehm. Foto: Besim Mazhiqi
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Selbstbedienung: Diese Meise zupft sich ihr Nistmaterial aus einer Wolldecke, die zum Lüften auf dem Balkon liegt. Foto: leg

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Die UK-Sommerserie dreht sich diesmal nicht um Ausflugsziele, sondern um Beschäftigungen. Um das, was man gut im Urlaub machen kann – und sonst auch. Es sind Aktivitäten, die Mitglieder des UK-Teams in der Corona-Krise (wieder-)entdeckt haben.

Wenn man ganz leise ist, hört man es knuspern im Bienenhäuschen: Das sind die Rostroten Mauerbienen, die sich nach dem Winter ihren Weg nach draußen bahnen. Dazu müssen sie sich durch die dünnen Lehmwände knabbern, die ihre Brutzelle von der Außenwelt abschließt. Kurz nach dem Schlüpfen sind die Bienen dann schon eifrig damit beschäftigt, ihrerseits Brutzellen zu mauern. Wer ein bisschen Muße mitbringt, kann dabei zuschauen: Unglaublich geschickt steuern sie die Röhrchen an und krabbeln gleich rückwärts hinein, denn das Umdrehen in den engen Gängen ist gar nicht so leicht. Dann sieht man nur die Köpfe und die eifrig winkenden Fühler, während die Bienen ihre Eier in die mit Pollen und Nektar präparierten Brutzellen legt.

Als das Corona-Virus uns zum Daheimbleiben zwang, öffnete sich mir eine ganz neue Sicht auf das Leben in unserem Garten, den ich sonst ja nur vom Wochenende kannte. Vom Schreibtisch aus habe ich unsere Vogelfütterstelle genau im Blick. Dort tummeln sich nicht nur die üblichen Meisen- und Finkenarten. Auch Dohlen kommen, die die Meisenknödel erst in Stücke zerhacken, ehe sie die Krümel vom Boden fressen. Tauben stolzieren vorbei, um nach heruntergefallenen Sonnenblumenkernen zu suchen. Und ein Eichhörnchen hat sich eine Yoga-Technik angeeignet, um an die begehrten Körner zu kommen: Es hält sich mit Hinterbeinen und Schwanz am Ast fest, macht sich ganz lang und fischt so das Futter aus dem Vogelhäuschen.

Im März erwischte ich eine Blaumeise dabei, wie sie mit viel Elan Nistmaterial aus meiner besten Wolldecke zupfte. Später sah ich die Vogelfamilien mit den frisch geschlüpften Jungen, die sich bettelnd auf den Ästen neben der Futterstelle plazierten, um sich das Futter in den Schnabel stopfen zu lassen.

Oft stand ich vor meinen Bienenhäuschen und schaute fasziniert dem unermüdlichen Hin und Her zu – eine kleine Auszeit von den Sorgen und Anforderungen der Corona-Zeit. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sind die Bruthilfen in diesem Fall wohl nicht unbedingt notwendig. Die Mauerbiene ist kein bisschen wählerisch bei der Entscheidung für einen Nistplatz; sie nimmt Mauerritzen genauso gern wie alte Brombeerstängel oder Spalten in Fensterrahmen. Aber es macht einfach Spaß, das Treiben vor dem Häuschen zu beobachten. Und nimmt man die Warnungen vor dem Artensterben ernst, dann kann jede kleine Unterstützung nur hilfreich sein.

Nützlich übrigens noch dazu: Die Bienen liefern zwar keinen Honig, aber sind eifrige Bestäuberinnen. Der Standort meiner beiden Häuschen direkt neben den Himbeerbüschen und nah am Sauerkirschbaum hat mir in den letzten beiden Jahren eine so reiche Ernte beschert, dass ich mit dem Pflücken, Essen und Einkochen kaum hinterherkomme.

Die Corona-Zeit hat unserem Garten gut getan, in vielerlei Hinsicht. Immer mal wieder fülle ich Lücken in den Beeten mit Blumen, die das Angebot für Insekten noch verbessern sollen. Auch sonst achte ich mehr auf das, was ihnen und anderen Tieren gut tut – denn vom Insektenreichtum profitieren auch Vögel, Eichhörnchen, Fledermäuse und Igel.

Während des Lockdown blieb viel Zeit, im Internet nach Tipps zu stöbern, die den Garten noch lebendiger und interessanter machen. Dazu gehört auch der Hinweis, dass eine gewisse Wildnis hilfreich ist: Auch Unkräuter werden von Insekten geliebt, die Ritzen auf der Terrasse beherbergen Ameisen, und dem Igel gefällt eine wuchernde Hecke als Versteck viel besser als eine, die mit der Nagelschere auf Kante geschnitten ist. Das wiederum kommt meiner angeborenen Faulheit entgegen. Win-Win nennt man das heutzutage!

Insekten sind vor allem an heimische Blumen-, Busch- und Baumarten angepasst; exotische oder hochgezüchtete Pflanzen bieten ihnen meistens keine Nahrung. Einfache, ungefüllte Blüten sind am besten. In Gärtnereien oder Baumärkten tragen manche Sorten das Label „insektenfreundlich“; das macht die Auswahl leichter.
Ein Blütenangebot, das sich von Frühling bis Herbst erstreckt, bietet den Insekten zuverlässige Nahrungsquellen. Dabei kann man auch auf spezielle Tierarten eingehen: Wer Schmetterlinge liebt, kann ihnen Futterpflanzen bereitstellen; wer Fledermäuse unterstützten möchte, sollte einige Blumen pflanzen, die nachts blühen.

• Tipps für einen Garten, in dem Tiere sich wohlfühlen, finden sich unter anderem auf den Seiten des NABU: www.NABU.de/gartenvielfalt; www.NABU.de/insekten

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