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Innenraum und Kuppel in der Hagia Sophia (Sophienkirche) in Istanbul (Foto: epd)

Neue Debatte um Hagia Sophia

Stephan Cezanne (epd) | 16. Juni 2020

Nach einem neuen Vorschlag könnte die Hagia Sophie in Istanbul ein gemeinsames Gotteshaus von Muslimen und Christen werden. Auf die Hagia Sophia erheben Christen wie Muslime gleichermaßen Anspruch.

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Innenraum und Kuppel in der Hagia Sophia (Sophienkirche) in Istanbul (Foto: epd)

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Frankfurt a.M. (epd). Die Debatte um den religiösen Status der Hagia Sophia in Istanbul geht offenbar weiter. Der armenisch-apostolische Patriarch von Konstantinopel, Sahag Mashalian, habe die Idee befürwortet, den Status des antiken Sakralbaus als Gebetsstätte für Muslime und Christen wiederherzustellen, berichtete das deutsche Online-Portal der türkischen Zeitung "Hürriyet" am Montag unter Bezug auf eine Twitterbotschaft des Patriarchen der türkischen Armenier. Die Hagia Sophia sollte als Kult- und Gebetsstätte, aber nicht als Museum erhalten werden, schrieb Mashalian. Führende Politiker in der Türkei wollen das heutige Museum in eine Moschee verwandeln.

Auf die Hagia Sophia erheben Christen wie Muslime gleichermaßen Anspruch. Die Hagia Sophia wurde als "Kirche der göttlichen Weisheit" im Jahr 537 geweiht und war fast ein Jahrtausend lang die christliche Hauptkirche Konstantinopels. Als die Türken 1453 die Stadt eroberten, wurde sie zur Moschee umfunktioniert. In den 1930er Jahren wandelte der türkische Staatsgründer Kemal Atatürk sie in ein Museum um.

"Simultan-Gotteshäuser" gab es bereits im ersten Jahrtausend

Nach Angaben der Stiftung "Pro Oriente" in Wien erneuerte der armenisch-apostolische Patriarch Mashalian damit den bereits vor zehn Jahren vom Leiter des "Islamischen Forschungszentrums", Mehmet Akif Aydin, eingebrachten Vorschlag, die Hagia Sophia "simultan" für den christlichen und den muslimischen Gottesdienst zu nutzen. Solche "Simultan-Gotteshäuser" seien im ersten Jahrtausend im östlichen Mittelmeerraum durchaus üblich gewesen, fügte die Stiftung hinzu. Die Hagia Sophia solle wieder als "Ort des Gottesdienstes" dienen, meinte der Patriarch; sie sei groß genug, damit sowohl Christen als auch Muslime dort beten könnten.

Eine einseitige Re-Islamisierung der Hagia Sophia würde ihrer Berufung als einst bedeutendste Kirche der Christenheit nicht gerecht, zitiert die Stiftung "Pro Oriente" den Patriarchen. Er empfinde zudem die Anwesenheit von betenden Muslimen und Christen angemessener als die derzeitigen Besucherströme von schaulustigen, aber auch oft ehrfurchtslosen Touristen. "Mögen wir auch verschiedenen Religionen angehören, so dienen wir doch dem Einen Gott", so der Patriarch. Einer Meinungsumfrage des Forschungsinstituts "Areda Survey" zufolge sind laut "Pro Oriente" 73,3 Prozent der türkischen Bürger für eine Wiedereröffnung der Hagia Sophia für den islamischen Kultus, 22,4 Prozent sind dagegen, 4,3 Prozent haben keine Meinung.

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