hg
Bild vergrößern
Nähe auf Distanz: Pfarrer Bodo Ries zeigt mit Konfirmandin Hanna Schalt den nötigen Abstand. Foto: privat

Das verschobene Fest

Konfirmation

Aus der Printausgabe - UK 22 / 2020

Karin Ilgenfritz | 24. Mai 2020

In diesem Jahr müssen Konfirmandinnen und Konfirmanden auf ihren großen Tag warten. Lange haben sie sich darauf vorbereitet. In den meisten Gemeinden ist noch unklar, wann die Konfirmation nachgeholt werden kann.

Bild vergrößern
Nähe auf Distanz: Pfarrer Bodo Ries zeigt mit Konfirmandin Hanna Schalt den nötigen Abstand. Foto: privat

Anzeige

Jan treibt eine Sorge um: Er fürchtet, seine schicken Klamotten passen ihm an seiner Konfirmation nicht mehr. Denn die musste verschoben werden. „Jetzt waren sie genau richtig“, bedauert er. „Ich fand es total schade, dass das Fest erst mal nicht stattfinden konnte. Ich hatte mich riesig drauf gefreut.“ Ähnlich ging es auch Alena. „Ich war traurig und enttäuscht. Es war alles so schön geplant. Wir hatten uns fast zwei Jahre auf diesen Tag vorbereitet.“

Nicht nur Jan Mettbach und Alena Sauer aus Erndtebrück wären inzwischen konfirmiert. Aber da nun lange keine Gottesdienste mit Gemeinde in der Kirche gefeiert werden durften, mussten überall auch die Konfirmationen verschoben werden. Für Pfarrerinnen, Pfarrer, Konfis und ihre Familien eine Herausforderung.

„Wir haben die Ersatztermine noch nicht endgültig festgelegt“, sagt Kerstin Grünert, Pfarrerin in Erndtebrück. Anfangs stand noch die Überlegung einer „Geisterkonfirmation“ im Raum – Einsegnung über den Bildschirm. „Aber der Gedanke kam bei den Konfis, ihren Familien und im Presbyterium nicht so gut an.“ Stattdessen sollen die Gottesdienste voraussichtlich im September nachgeholt werden. „Normalerweise würde ich für meine 37 Konfis zwei Gottesdienste feiern. Aber mit den derzeitigen Abstandsregeln werden es eher sechs. Da müssen wir mit den Terminen flexibel sein und auch freitags oder samstags feiern“, vermutet sie.

Ein persönlicher Besuch vor dem Konfirmationstermin

An den eigentlichen Konfirmationssonntagen hat die Pfarrerin in Erndtebrück eine Andacht ins Internet (YouTube) gestellt. Außerdem hat sie in den Tagen, bevor die Konfirmation gewesen wäre, alle Konfis besucht. Zusammen mit einer Presbyterin brachte sie ihnen ein kleines Geschenk und eine Karte. „Besonders gefreut habe ich mich, dass Kerstin an jeden von uns ein paar persönliche Worte geschrieben hat“, sagt Alena.

Inzwischen können zwar wieder Gottesdienste in den Kirchen gefeiert werden. „Aber mit den Sicherheitsvorkehrungen würde das in den meisten Gemeinden bedeuten, dass die Konfirmationen in vielen kleinen Gruppen gefeiert werden muss“, sagt auch Iris Keßner. Die Pfarrerin ist Dozentin für Konfirmandenarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen am Pädagogischen Institut (PI) in Villigst. „Unsere Empfehlung ist es, die Konfirmationen auf die Zeit nach den Sommerferien zu verschieben“, so Iris Keßner.

Sie steht mit den Beauftragten für Konfirmandenarbeit der Kirchenkreise in Verbindung. „Alle drei Wochen treffen wir uns zu einer Video-Konferenz.“ Dabei tauschen sie sich aus, bekommen Ideen, wie man Kontakt zu den Jugendlichen weiter halten kann. „Außerdem geht es auch um den nächsten Jahrgang. Auch die Arbeit mit den Katechumenen liegt brach oder hat noch gar nicht begonnen. Konfi-Camps und Freizeiten fallen auch erst mal weg.“ So nutzen die Pfarrerinnen und Pfarrer die digitalen Möglichkeiten.

Bodo Ries etwa trifft sich mit seinen Konfis zu Video-Andachten. Die möchte der Pfarrer in Herford möglichst wöchentlich anbieten. Von den 38 Konfis sind meist zwischen 25 und 30 dabei. Es wird dabei gesungen, er spielt Klavier. „Inzwischen weiß ich auch, wie man Gruppenarbeit machen kann. Dann sprechen die Jugendlichen zu dritt oder viert über eine Frage und hinterher kommen wir wieder alle zusammen.“

Hanna Schalt findet: „Es ist toll, dass Bodo so mit uns in Kontakt bleibt.“ Vor Ostern hatte er sie gebeten, Steine zu gestalten. „Die haben wir fotografiert und ihm die Fotos geschickt. Er hat diese dann in den Ostergottesdienst eingebaut, den wir uns per Video angeschaut haben.“ Hanna fand es schade, dass die Konfirmation erst mal nicht stattfinden konnte. „Aber es ist ja nur aufgeschoben. Ich möchte meine Großeltern auch nicht in Gefahr bringen.“

Ihre Mutter Sabine Schalt ist beeindruckt, wie pragmatisch die Tochter damit umgeht. „Wir hatten uns alle sehr auf ein schönes Familienfest gefreut. Wir feiern gern. Aber es ist erst mal wichtig, dass wir gesund sind und das Beste daraus machen. Das Fest wird auf jeden Fall nachgeholt.“ Hanna ist die Älteste und somit das erste ihrer fünf Kinder, das nun konfirmiert worden wäre. „Die Konfi-Zeit war für sie ganz wertvoll. Ich finde toll, mit welchen Themen sich die Jugendlichen dabei beschäftigt haben. Zum Beispiel mal die Perspektive zu wechseln. Sie sind in Rollstühlen in der Stadt unterwegs gewesen. Super.“ Mutter Sabine freut sich über den guten Draht des Pfarrers zu den Jugendlichen.

Bodo Ries räumt ein: „Anfangs war ich ein bisschen hilflos, wie ich den Kontakt gut weiter halten kann.“ Doch die Tipps und Angebote des Pädagogischen Instituts haben ihn inspiriert. „Da sind wir in Westfalen gut bedient mit dem PI.“

Pfarrerinnen und Pfarrer halten den Kontakt

Auf der Internetseite sind Beispiele aufgelistet, was andere in ihren Gemeinden machen. Etwa die Pfarrerin, die zum ursprünglichen Konfirmationstag allen einen Brief mit Vergissmeinnicht-Samen geschickt hat. Oder die Idee der „KONFItüre“: Selbstgekochte Marmelade für die Konfi-Gruppe. Die wurde vor dem eigentlichen Festtag persönlich überreicht – auch mit dem Gedanken am Konfirmationssonntag gemütlich mit dem Gruß aus der Kirchengemeinde zu frühstücken.

Sowohl die meisten Jugendlichen als auch die Eltern schätzen es, wenn Pfarrerinnen und Pfarrer den Kontakt weiter beibehalten. So wie Jan Mettbach: „Es war echt toll, dass Kerstin uns besucht und ein Geschenk vorbei gebracht hat.“ Seine Mutter bestätigt das. Nun hofft die Familie, dass das Fest gebührend nachgeholt werden kann. „Wir waren echt traurig, weil wir wussten, wieviel Jan dieser Tag bedeutet. Sein erstes großes Fest.“

Am 3. Mai wäre er konfirmiert worden. „Da war die Stimmung anfangs schon etwas gedrückt“, sagt Andrea Mettbach. „Wir haben den Tag trotzdem gewürdigt.“ Jan durfte sich ein Mittagessen wünschen. Außerdem hat Andrea Mettbach die Torte gebacken, die sie auch für die Konfirmation gemacht hätte. „Er hat dann seine schicke Kleidung angezogen und wir haben Fotos gemacht.“ Sollten die Klamotten im Herbst nicht mehr passen, ist die Idee der Pfarrerin: Konfirmation in Jeans und alle bekommen ein bedrucktes Konfi-T-Shirt. „Was da drauf steht, müssen wir noch überlegen.“

• Konfirmandenarbeit im Internet: www.pi-villigst.de/konfi-arbeit-corona.

Per E-Mail empfehlen