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Wenn die Erschöpfung groß ist, erfordern schon kleine Bewegungen Mühe. Kopf und Körper müssen sich anstrengen, um überhaupt noch weitermachen zu können. Das erfahren Menschen gerade jetzt, egal ob krank oder nicht – das haben aber auch schon Menschen in früheren Zeiten erfahren. Zum Beispiel in der Situation des babylonischen Exils, die das Volk Israel durchleiden musste. Und doch verkündet der Prophet Jesaja: Gott tröstet; Gott bringt Licht in die Dunkelheit; Gott gibt Kraft! Foto: Robert Kneschke
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Kraft für die Schwachen

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 17 / 2020

Dr. Gregor Bloch | 18. April 2020

Über den Predigttext zum Sonntag Quasimodogeniti: Jesaja 40,26-31

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Wenn die Erschöpfung groß ist, erfordern schon kleine Bewegungen Mühe. Kopf und Körper müssen sich anstrengen, um überhaupt noch weitermachen zu können. Das erfahren Menschen gerade jetzt, egal ob krank oder nicht – das haben aber auch schon Menschen in früheren Zeiten erfahren. Zum Beispiel in der Situation des babylonischen Exils, die das Volk Israel durchleiden musste. Und doch verkündet der Prophet Jesaja: Gott tröstet; Gott bringt Licht in die Dunkelheit; Gott gibt Kraft! Foto: Robert Kneschke
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Dr. Gregor Bloch (34) ist Vikar der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Reelkirchen (Lippische Landeskirche)

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Predigttext
26 Blickt nach oben und seht: Wer hat diese geschaffen? Er, der ihr Heer hervortreten lässt, abgezählt, sie alle ruft er mit Namen herbei. Der Fülle an Kraft wegen, und weil er vor Kraft strotzt, geht kein Einziger verloren. 27 Warum, Jakob, sagst du, und, Israel, warum sprichst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht entgeht meinem Gott? 28 Hast du es nicht erkannt, hast du es nicht gehört: Ein ewiger Gott ist der Herr, der die Enden der Erde geschaffen hat! Er ermattet nicht und wird nicht müde, seine Einsicht ist unerforschlich. 29 Dem Ermatteten gibt er Kraft, und wo keine Kraft ist, gibt er große Stärke. 30 Und junge Männer ermatten und werden müde, Männer straucheln unvermeidlich. 31 Die aber, die auf den Herrn hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Schwingen, sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und ermatten nicht. (Übersetzung: Zürcher Bibel)

Wie schnell ändert sich die Welt! Mittlerweile liegen fünf Wochen hinter uns, die noch vor zwei Monaten unvorstellbar gewesen wären. Ein Ausnahmezustand, der sämtliche Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens vor Herausforderungen stellt. Ängste um die eigene und die Gesundheit anderer sind zu spüren, aber auch Befürchtungen um das schlichte wirtschaftliche Überleben.

Und nun befinden wir uns am Sonntag nach Ostern. Eigentlich sollte dies der letzte Tag des Ausnahmezustandes sein. So wurde es zumindest für Nordrhein-Westfalen am 13. März verkündet. Nach dem 19. April sollten Schulen, Kitas und andere Behörden wieder geöffnet werden. Auch die Feier öffentlicher Gottesdienste sollte wieder möglich sein. Doch zum Zeitpunkt des Abfassens dieser Zeilen erscheint dies eher unwahrscheinlich. Die vergangenen Tage und Wochen lassen vielmehr darauf schließen, dass die einschränkenden Maßnahmen verlängert werden. Und selbst wenn nicht: Die Krise ist lange noch nicht ausgestanden. Sie wird uns noch einige Zeit herausfordern. Im schönsten Frühlingserwachen verdunkelt die Corona-Nacht unser Leben.

Bitterste Nacht für das Volk Israel

Nacht! Bitterste Nacht war es auch für das Volk Israel, als es vor mehr als 2500 Jahren im babylonischen Exil war. Weit weg von der Heimat, unterjocht von einer fremden Weltmacht. Überhaupt lag die Heimat in Trümmern: Jerusalem und der Tempel waren zerstört. Die Lage im Exil erschien ausweglos. In diese Situation hinein wird ein Nachfolger des Propheten Jesaja nun von einem göttlichen Wort inspiriert. Einem Wort, das eine Perspektive der Hoffnung bereithält.

Eingeleitet wird diese Botschaft mit dem 40. Kapitel des Jesajabuches, zu dem auch der abgedruckte Predigttext gehört. Dort heißt es zu Beginn: „Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu, dass ihr Frondienst vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist.“ Die Nacht des Exils ist vorbei, die Zeit der Unterdrückung ist zu Ende. Zum Verzagen besteht kein Anlass mehr, wie Vers 27 andeutet, sondern zur Hoffnung. Gott erweist sich in tiefster Not als Tröster, der in seiner stärkenden Schöpfermacht die „Ermattung“ beendet (Verse 28-31). Gott vertreibt die Dunkelheit der Nacht und lässt einen neuen lichten Tag anbrechen.

Diese Erfahrung aus dem Prophetenbuch erinnert an die zentrale Aussage des Osterfestes: Gott hat Christus aus der Dunkelheit des Todes auferweckt, zu einem neuen Leben im Licht. Ein neues, ja ewiges Leben, in das Gott uns – Sie und mich – miteinschließt. Diese Osterhoffnung begleitet Christinnen und Christen seit gut 2000 Jahren. Sie steht über all den Schrecknissen, die seitdem auf dieser Welt geschehen sind. Sie tröstet und ermutigt zu einem Leben in der Zukunft Gottes – damals und heute. Ähnlich wie das Jesajabuch verkündet die Osterbotschaft: Gottes Geschichte mit dieser Welt und mit uns geht weiter. Allen Widerständen zum Trotz hält Gott die Welt und uns in seinen Händen.

Das gilt auch in dieser unsicheren Zeit. Corona wird uns noch länger beschäftigen. Es wird unterschiedlichste Auswirkungen auf das öffentliche und private Leben haben. Und es wird wohl auch weiterhin Leid hervorrufen. Die biblischen Erfahrungen verkünden nicht, dass alles „Friede-Freude-Eierkuchen“ sein wird und dass keine Krisen mehr durchlebt werden. Aber sie sprechen uns zu, dass Gottes Geschichte weitergeht: In Zeiten der bittersten Nacht besteht Hoffnung auf neues Leben im Licht – oder mit Jesaja 40, 29 gesprochen: „Dem Ermatteten gibt er Kraft, und wo keine Kraft ist, gibt er große Stärke.“

Gebet

Ewiger Gott, du siehst alles was war, ist und kommen wird. Es ist tröstlich zu wissen, dass du alle Unsicherheiten und Ängste in der gegenwärtigen Zeit einordnen kannst. Wir bitten dich: Gib uns Kraft in unserer Ermattung und führe uns in deine Zukunft. Amen.

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Leser-Kommentare öffnen

dagmar, 20. April 2020, 2:17 Uhr


herzlichen Dank fuer die Ermutigung heute.
nebenbei bemerkt, ich gehoerte zu den Konfirmanden am 18.3.1951 in der Erloeserkirche in Detmold.
wir bekamen damals eine gute Grundlage für unsern Lebensweg.
u. a. die Zielsaetze der Evangelischen Jugend.
diese, regelmäßig gebetet, fuehrten spaeter in einen Missionsdienst.
d. h. Kurzeinsatz in 11 verschiedenen Ländern.
ich danke Gott fuer die vielfaeltigen Moeglichkeiten, Seine Liebe praktisch und in Wort und Schrift weitrrzugeben.
dty
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