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Der Baum: Bei dieser Übung wird das Gleichgewicht geschult. Pfarrerin Adelheid Neserke (rechts) ist dankbar, christliches Yoga in ihrer Gemeinde anbieten zu können. Fotos: kil

„Shalom“ statt „Om“

Christliches Yoga

Aus der Printausgabe - UK 14 / 2020

Karin Ilgenfritz | 2. April 2020

In einer evangelischen Gemeinde in Bochum wird christliches Yoga angeboten. Bis vor Kurzem fanden die Übungsstunden im Gemeindezentrum statt. Wegen Corona gibt es nun die Möglichkeit, sich eine Audio-Datei schicken zu lassen.

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Der Baum: Bei dieser Übung wird das Gleichgewicht geschult. Pfarrerin Adelheid Neserke (rechts) ist dankbar, christliches Yoga in ihrer Gemeinde anbieten zu können. Fotos: kil

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Erst mal muss der Kirchenraum umgebaut werden: Alle Stühle auf die Seite. Auf den Boden kommen Aufkleber, damit die Stuhlreihen hinterher wieder passen. Nach und nach trudeln die Menschen ein. Die einen in bequemer Kleidung, andere ziehen sich hier erst um. Sie alle kommen zum christlichen Yoga. Seit Ende 2017 gibt es dieses Angebot in der evangelischen Kirchengemeinde Querenburg in Bochum.

„Damals hatten wir einen Kreuz & Quer-Gottesdienst zum Thema ,Gott gab uns Atem‘, in dem Pia Wick das christliche Yoga vorstellte“, berichtet Pfarrerin Adelheid Neserke. „Danach sprachen uns etliche Leute an, ob wir nicht christliches Yoga in der Gemeinde anbieten könnten.“ Adelheid Neserke ließ sich nicht lange bitten und so kam es schnell zu einem Schnupperkurs. Das Interesse war groß. Der Kurs hat sich etabliert. Es gibt sogar zwei Termine: Donnerstagabend und Freitagvormittag.

Der Raum sieht inzwischen ganz anders aus: Gut 20 Menschen haben sich mit ihrer Matte einen Platz gesucht. Yoga-Trainerin Pia Wick hat sich vor dem Altar eingerichtet. Sie bittet die Handys auszumachen oder auf lautlos zu stellen. Dann geht es los. Pia Wick gibt Anleitung, wie man sitzen soll. „Wir singen jetz dreimal Shalom, dann die erste Strophe von ,Gott ist gegenwärtig‘.“

In der Eingangsentspannung liegen alle bequem auf der Matte. Pia Wick hat diesmal ein Bibelwort aus Matthäus 11 ausgesucht: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.  Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Sie erklärt, wo ein Joch sitzen würde. „Da ist der Trapezmuskel gefragt. Die Last liegt auf den Schultern. Aber Jesus bietet uns an, das Joch abzugeben. Die Frage ist: Wollen wir das?“

Pia Wick erklärt eine Atemübung, leitet an, loszulassen und sich Gott zu überlassen. „Alles, was dich beschäftigt, alles, was du mitbringst – gib es Gott ab.“ Sie schließt diesen Teil mit einem Gebet ab.

Jetzt geht es in die Sitzposition auf der Matte. Aufrechter Sitz, tiefe Schultern, Augen schließen. Eine weitere Atemübung – tief in den Bauch einatmen und dabei bis vier zählen, Atem kurz anhalten und wieder auf vier ausatmen. Das wiederholen alle mehrmals. Anschließend folgt der Sonnengruß. Die Bewegungsabfolge ist wie auch sonst im Yoga üblich. Aber Pia Wick hat einen eigenen Text dazu gemacht. Dabei geht es um die Ausrichtung auf Gott und seine Liebe zu den Menschen.

„Das gefällt mir besonders“, sagt Adelheid Neserke. „Mir hilft das, mich Gott zu öffnen. Pia leitet das so an, dass jeder selbst entscheiden kann, ob und wie er den Bewegungsablauf mit dem Inhalt ihrer Worte verknüpfen will.“

Immer wieder kommt Pia Wick auf die Bibelstelle zu sprechen, die sie am Anfang nannte. Bei der Übung „Fisch“ wird der Brustkorb gedehnt. „Macht euren Herzraum weit. Gott ist in unseren Herzen.“ Es folgen der „Kolibri“, der „Schmetterling“ und die „Kobra“. Dazwischen werden die Schultern entspannt: „Denkt daran: Jesus sagt, sein Joch ist leicht.“ Sie legt Wert auf den bewussten Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. „Ihr spürt eure Kraft, aber auch eure Grenzen. Leichtigkeit hat viel damit zu tun, die Grenzen zu kennen.“

Auch dieser Punkt gefällt Adelheid Neserke. „Es geht hier nicht um Leistung. Jeder macht die Übungen so wie er kann. Es geht nicht darum, etwas perfekt zu machen, sondern Kraft zu schöpfen.“ Ihr hilft diese Zeit beim christlichen Yoga, um sich etwas Gutes zu tun. „Dann kann ich auch wieder besser für andere da sein.“

Die Übungsstunde endet wie sie begonnen hat: mit einem Entspannungsteil. Pia Wick nimmt noch einmal das Bibelwort auf. „Schaut, wo euch der Text anspricht und was ihr mit in den Alltag nehmen könnt.“ Zum Abschluss singen die drei Männer und 18 Frauen das Lied „Segne uns o Herr“ und dann noch dreimal „Shalom“.

Erst ist es noch ruhig, dann kommt Leben in die Gruppe. Einige beginnen sofort damit, die Stühle wieder hinzustellen. Andere packen ihre Sachen zusammen und unterhalten sich. Christian Schnarr war heute zum dritten Mal da. „Mir gefällt das super gut hier. Beim christlichen Yoga ist alles integriert: Kopf und Körper. Mir verhilft das zu einer lebendigen Spiritualität.“

Anja Reinboth hat durch den Gemeindebrief von dem Angebot erfahren. Mit Kirche hatte sie bislang nicht viel zu tun. „Ich bin erstaunt, wie gut Yoga und das Christliche zusammenpassen. Pia erklärt die Muskeln so toll und bringt Texte damit in Verbindung. Außerdem mag ich, dass man zusammen singt.“

Wer bei Pia Wick eine Audio-Datei anfordern möchte, kann über ihre Internetseite Kontakt mit ihr aufnehmen: www.christliches.yoga. Wenn wieder Übungsstunden vor Ort möglich sind, finden diese statt: Dienstags von 18 bis 19.30 Uhr, Johannessegener Str. 35 in Hattingen-Bredenscheid. Donnerstags von 18.15 bis 19.45 Uhr sowie freitags vom 9 bis 10.30 Uhr im Hustattzentrum in Bochum.

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