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Lagerist Thomas Möller (Foto: epd)

Neue Hoffnung in der Lagerhalle

Teilhabechancengesetz

Rudolf Stumberger (epd) | 14. März 2020

Seit gut einem Jahr kommen Langzeitarbeitslose über das sogenannte Teilhabechancengesetz in reguläre Jobs. Thomas Möller ist einer von 34.000 Menschen, die auf diese Weise endlich wieder eine Festanstellung fanden. Er und sein Chef sind zufrieden.

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Lagerist Thomas Möller (Foto: epd)

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München (epd). Ein Gewerbegebiet im Norden von München. Die Adresse Waldmeisterstraße 95b besteht aus mehreren Industriehallen, in einer davon ist das Entsorgungsunternehmen ConJob untergebracht. Wer durch die Tür in die Halle tritt, steht inmitten von alten Verstärkern, Computern, Lautsprechern und sonstigem elektrischen Gerät. Hier arbeitet seit Juni Thomas Möller als Lagerist. So weit nichts Besonderes, würde sein Gehalt nicht in voller Höhe vom zuständigen Jobcenter bezahlt. Möller ist einer von insgesamt 320 Menschen in München und 34.000 bundesweit, die als Langzeitarbeitslose durch das zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene Teilhabechancengesetz eine feste Arbeitsstelle bekommen haben.

"Arbeit gibt den Leuten doch ein ganz anderes Selbstwertgefühl", sagt ConJob-Betriebsleiter Rolf Heymann. Seit 25 Jahren gibt es den Entsorgungsbetrieb, der in Kooperation mit Jobcentern auch der beruflichen Wiedereingliederung dient. 60 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, auf unterschiedlichen rechtlichen Grundlagen. Da sind zum einen die Langzeitarbeitslosen, die Hartz-IV-Leistungen beziehen und sich hier als "Ein-Euro-Jobber" etwas hinzuverdienen. Dann gibt es Menschen mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente, die hier bis zu 15 Stunden im Monat arbeiten können.

Lohnzuschüsse für Langzeitarbeitslose

Und dann sind da noch die neun Kollegen, die über das Teilhabechancengesetz bezahlt werden. Das Gesetz sieht staatliche Lohnzuschüsse für Langzeitarbeitslose vor, die in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre arbeitslos waren. In den ersten zwei Jahren zahlt das Jobcenter alle Lohnkosten, danach sinkt der Lohnzuschuss um zehn Prozent jährlich. Er beträgt am Ende der Laufzeit von fünf Jahren also noch 70 Prozent.

In der Waldmeisterstraße 95b war früher ein Maschinenbaubetrieb, an der Decke befinden sich noch die schweren Kräne. "Wir entsorgen 1.400 Tonnen Elektroschrott im Jahr", erklärt Betriebsleiter Heymann bei einem Gang durch die Werkshalle. Das entspricht etwa einem Viertel des in München anfallenden Haushaltsschrotts. Angeliefert wird er von den städtischen Wertstoffhöfen und hier in der Halle aussortiert, geprüft, repariert und wieder zusammengebaut. Allenthalben stehen ausgemusterte Computergehäuse herum, hängen Kabelstränge von Regalen. In einer Ecke sammeln sich große Lautsprecherboxen, in einer anderen sind Plattenspieler aufeinandergestapelt. Was brauchbar ist, wird über eBay oder den eigenen Internet-Shop verkauft. Und dabei packt Thomas Möller mit an.

Es blieb bei Jobs auf Zeit

Der 34-Jährige arbeitet im Lager. Hier verpackt er die gebrauchte Ware in Kartons und macht sie versandfertig. Gerade zieht er einen Gabelstapler mit einer Palette voller Pakete durch die Halle. "Das hier sind Computer, die gehen nach Spanien", erklärt er. Das Verpackungsmaterial produziert er selbst, indem er mit einer Maschine alte Pappkartons zerhäxelt.

Als Schüler kam Möller mit seiner Mutter aus einer Kleinstadt in Sachsen vor 24 Jahren nach München. Zweimal machte er einen Anlauf für eine Lehre als Verkäufer. Dann kam 2013 eine Umschulung zur Fachkraft für Lagerlogistik, aber es blieb bei Jobs auf Zeit, er wurde "Hartzer", wie er sagt.

Von einem Coach begleitet

Im Juni 2019 kam Möller mit dem Teilhabechancengesetz von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zu der Festanstellung bei ConJob. Das Neue an dieser Fördermaßnahme: Die Teilnehmer haben richtige Arbeitsverträge in der Tasche und werden nach Mindest- oder Tariflohn bezahlt. Sie werden von einem Coach begleitet, der hilft, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. So hat Möller einmal die Woche ein Beratungsgespräch im Jobcenter. Das Gesetz sieht außerdem einen Topf für Qualifizierungsmaßnahmen und Fortbildung vor. Diese Mittel ermöglichen es Möller, den Führerschein zu machen. "Als Lagerist brauchst du einen Führerschein", sagt er.

Möller ist froh, diese Chance an der Waldmeisterstraße 95b bekommen zu haben. Sein Ziel: In ein paar Jahren will er es zum "Industriemeister Lager und Logistik" gebracht haben.

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