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Hoffen. Beten. Warten

Das Virus und die Angst

Aus der Printausgabe - UK 11 / 2020

Gerd-Matthias Hoeffchen | 9. März 2020

Am liebsten würde man ja gar nicht mehr hinschauen: Coronavirus auf allen Kanälen. Aber wegzusehen ist genauso verkehrt wie sich der Angst zu ergeben. Was also tun?

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Als vor Monaten das Motto der diesjährigen Fastenzeit bekannt wurde, konnte man mancherorts Ratlosigkeit spüren: „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ – ja, gut. Das ist ja auch irgendwie richtig. Klima. Kriege. Rechtspopulismus. Flüchtlingsleid. Da kann ein frohgemuter Blick nach vorne schon hilfreich sein. (Ich sage das ohne Hohn; ich habe am Fastenlesebuch mitgeschrieben.)

Und plötzlich ist da das Coronavirus. Und die Menschen spüren, wie schwer es ist, sich nicht von Angst und trüben Gedanken nach unten ziehen zu lassen. Da ist die Furcht, sich anzustecken. Andere anzustecken. Man würde sich am liebsten verkriechen.

Sicher, es gibt Stimmen, die mahnen: Die Angst vor dem Virus ist völlig überzogen. Die normale Grippe, die Fahrt auf der Autobahn, Übergewicht und Bewegungsmangel sind viel gefährlicher. Das Problem: Wer hat Recht? Selbst Fachleute sind sich nicht einig. Im Moment kann wohl niemand zuverlässig sagen – auch nicht UK –, wie groß die Gefahr wirklich ist. Es fehlt schlicht die Erfahrung.

Und so bleibt: abwarten. Abwarten, wie sich Ausbreitung und Heftigkeit des Virus entwickeln. Abwarten, dass Medikamente gefunden werden. Warten auf mildere Temperaturen, die die Ausbreitung hemmen werden.

Warten auch, dass wir uns an die Bedrohung durch das Virus gewöhnen.
Denn so funktioniert das Leben. Als ich das erste Mal in Israel war, Kanonendonner in der Ferne hörte und neben mir in Bus und Café die Menschen sah mit ihren Sturmgewehren und Pistolen, da war ich durchdrungen von Furcht. Etliche Besuche später nahm ich weder Donner noch Waffen überhaupt noch wahr.

Abwarten fällt den Menschen schwer. Uralte Instinkte drängen, die Hände nicht in den Schoß zu legen. Auch deshalb kommt es zu Übersprunghandlungen wie Hamsterkäufen. Aber auch zu geradezu manischen Versuchen, mit Schelte und Spott der Unsicherheit Herr zu werden.

Ganz tatenlos muss allerdings niemand bleiben. Klug vorsorgen, den Empfehlungen zur Hygiene folgen, Enge bei Versammlungen meiden, bei Verdacht den Hausarzt anrufen – hier sollen sich Tatkraft und Disziplin zeigen.
Es bleiben Unsicherheiten. Darf ich zum Sport? In den Urlaub? Aufs Konzert? Dabei wird es zu faulen Kompromisse kommen – etwa in der Frage, ab wann man die Fußballbundesliga mit ihren zehntausenden Besuchern absagen sollte.

Dein Leben liegt nicht in deiner Hand. Diese Erkenntnis ist nun wahrlich nicht neu. Aber wir erfahren sie momentan neu. Anders als auf der Autobahn, beim Herzinfarkt, der normalen Influenza oder selbst bei einem Terroranschlag wird diese Erkenntnis plötzlich zum Schrecken, der alles umfasst und durchdringt. Die vermeintliche Sicherheit, die der Mensch in Jahrtausenden dem Chaos abgerungen hat – sie bröckelt.

Was tun? Abwarten. Klug handeln. Hoffen. Beten. Und in der Botschaft der Passionszeit Trost finden: Meine Zeit steht nicht in meinen Händen. Aber in deinen. Daran hat sich nichts geändert.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 9. März 2020, 18:36 Uhr


Lieber Herr Hoeffchen,
danke - wenn alle so aufnehmen, was Sie hier auszudrücken versuchen, ist es aus meiner Sicht, dem ganz normalen Leben geschuldet und darüber hinaus sehe ich, dass ich recht habe, wenn ich allen Unken, die da eine verwöhnte Generation bekritteln, sage, dass der Mensch sich jeder Situation anpasst und damit ohne Zweifel klar kommt. Natürlich sind wir alle beeinflußbar und Panikmache kommt weit besser an, als Ihre beruhigenden Worte.
Als Überlebende sind mir die Typhus-Epidemien die 1945 in der Not kurz nach dem 2. Weltkrieg um sich griffen und Massengräber erforderten, um Verstorbene schnellstmöglich zu bestatten, gegenwärtig. Sie sind kaum bekannt, weil es Medien wie sie heute verfügbar sind, nicht gab. Damals passten wir uns der gegebenen Situation so selbstverständlich an, wie wir auch heute ohne den erwähnten Pessimismus auszukommen versuchen sollten.
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Matthäus53, 12. März 2020, 23:27 Uhr


Ist die Corona - Krise nur eine weltlich Pandemie, oder ist sie auch eine biblische Dimension ?, weil der chinesische Staatspräsident Xi Jinping im Jahre 2017 aus den chinesischen Kirchen und den dort aufgehängten oder aufgemalten 10 GEBOTEN das ERSTE Gebot entfernen ließ um dort seinen eigenen Namen als Parteivors. einzusetzen. Dies war biblisch gesehen , nach Offb. 22;18, 19 , eine unter Strafe stehende Handlung, woraus sich der Corona Virus als" Pestilenz ", ähnlich den Plagen 5 und 6 aus 2. Mose 9,1-12, entwickelt haben könnte. Nämlich auf diese erschreckende Erkenntnis, wurde auch schon in einer alten Übersetzung Dr. Martin Luthers, gedruckt im Jahr 1931, bei der privilegierten Würtembergischen Bibelanstalt in Stuttgart, bei Mt. 24, Vers. 7 , 8 hingewiesen :„ Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder. Da wird sich allererst die Not anheben.“ Müssen wir nun heute trotz allen medizinischen Fortschritt hautnah und beängstigend zeitnah und sogar minutiös in so manchen life Stream der TV Sender miterleben, wie nicht Klima, Terror und Flüchtlinge sondern ein kleiner nicht fühlbarer Virus unsere Welt in Atem hält und zum Nachdenken und stiller werden anregt ?
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