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Theologiestudentinnen und -studenten bilden eine Polonaise bei einem Workshop zum Predigt Slam. (Foto: epd)

Gelbwurst, Geblubber und Textroulette

Predigt Slam

Nina Bundels (epd) | 18. Februar 2020

Poetry-Slams kennen die meisten, aber auch ein Predigt-Slam hat seinen Reiz. Angehende Pfarrer können dabei lernen, pfiffige Predigten zu schreiben.

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Theologiestudentinnen und -studenten bilden eine Polonaise bei einem Workshop zum Predigt Slam. (Foto: epd)

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Erlangen (epd). "Oh Gelbwurst, dein Darm ist dünn, deine Füllung prall. So trägst du uns durch unser Leben immer und überall. Oh Gelbwurst …", so tönt es aus dem Haus der Evangelischen Studierendengemeinde in Erlangen. Aber es geht hier nicht um ein gemeinsames Abendmahl mit Gelbwurst auf dem Tisch - vielmehr schreiben die Teilnehmer eines Predigt-Slam-Workshops ihre Texte. Das Prinzip ist das gleiche wie beim Poetry-Slam: Fünf Minuten Zeit pro Text, und am Ende entscheidet das Publikum, welcher am besten war.

"Ich bin eh ein Fan von Poetry-Slams. Da habe ich mir gedacht, warum nicht als Theologiestudent auch den Glauben zum Thema machen", sagt Workshop-Teilnehmer Adrian Spies. Da ein guter Slamtext nicht nur ein knackiges Thema braucht, sondern auch eine starke Performance auf der Bühne, lernen die Studentinnen und Studenten im Workshop.

Die Teilnehmer beginnen mit einer simplen Schreibübung, dem Textroulette. Dabei schreiben sie einen kurzen Text. Das Besondere daran: Thema, Stilmittel und Gattung sind zufällig ausgewählt, und so entstehen die kuriosesten Texte - eine festliche Hymne über Gelbwurst, ein Rezept für Strapse oder ein Gebet für Boris Johnson. "Das setzt viel frei in den Köpfen. Gerade wenn man denkt, das passt alles gar nicht zusammen, kommen oft richtig schöne Sachen heraus", sagt Workshop-Leiterin Lara Mührenberg. Die erfahrene Slammerin hat schon viele Predigt-Slam-Workshops begleitet.

"Seid fröhlich in Hoffnung"

Die Theologiestudenten dürfen im Anschluss in einer Schreibwerkstatt an ihren Texten arbeiten. Sie erhalten die Themen in einem Umschlag verpackt. An einem für sie besonderen Ort sollen sie die Umschläge öffnen und mit dem Schreiben beginnen.

Adrian Spies geht in sein nächstes Lieblingscafé. Dort reißt er das Kuvert auf: "Seid fröhlich in Hoffnung. Römer 12,12" - eine Bibelstelle. "Das ist so allgemein, da kann man ja viel zuviel zu schreiben", sinniert er. Aber er und die anderen Teilnehmer haben immerhin zwei Stunden Zeit, um einen spannenden Text zu Papier zu bringen.

Die Worte allein reichen aber nicht aus für einen guten Slam-Auftritt. Fast wichtiger ist eine spannende und mitreißende Performance. "Es muss die Zuhörer irgendwie packen, irgendwas muss da funktionieren", erklärt Mührenberg. Das Wichtigste in ihren Augen: "Die Slammer müssen an das glauben, was sie sagen. Sie müssen das, worüber sie sprechen, vor Augen haben. Dann sind sie authentisch, dann reißen sie dich mit."

Im Entengang, im Hopserlauf

Die Slammer bilden eine Polonaise und marschieren los: Mit großen hohen Schritten, im Entengang, im Hopserlauf. Die Person an erster Stelle gibt vor, wie gelaufen wird. Die Körperhaltung passt also schon mal, jetzt fehlt nur noch der richtige Ausdruck in der Stimme. Da sind Emotionen ganz besonders wichtig. Sie üben einzelne Sätze in sämtlichen Gefühlslagen. Es zeigt sich: Wut, Trauer und Freude in einem Satz zu zeigen, ist schwierig.

"Das ist nicht aggressiv genug, mach es wütender", ruft Mührenberg. "Sprich langsamer", "Kürz es an dieser Stelle", "Werd hier lauter". In einem letzten Workshop-Schritt geben sich alle gegenseitig Feedback zu Text und Performance: Dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen. Auch bei einem echten Predigt-Slam bewertet das Publikum am Ende knallhart. Mührenberg findet diese Bewertungssituation gut. Denn später werde der Pfarrer bei der normalen Predigt auch bewertet, sagt sie: "Dann kommen die Gemeindemitglieder nur einfach nicht mehr wieder."

Die angehenden Pfarrer sind sich einig: Das offene Predigt-Format bringt sie weiter. Bei Spies, der erst im vierten Semester studiert, funktioniert das richtig gut. Ihn setzen das Publikum und die Workshop-Teilnehmer bei einer Abschlussperformance auf Platz eins. Seine Worte bleiben den Zuschauern im Kopf: "Blabla blubber blubber fasel fasel", beginnt er seinen Vortrag. Weiter geht es mit: "Die Ohren verschlossen, nichts kann sie erreichen. Die Menschen auf den Kirchenbänken rutschen vor Peinlichkeit, aber nicht von den Worten berührt, hin und her, hin und her. Auf dem Boden lagen so viele Worte. Ungehört und unerkannt."

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