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Der große Chor mit über 1000 Sängerinnen und Sängern ist ein wesentliches Merkmal des Musicals über den Bürgerrechtler Martin Luther King. Foto: Creative Kirche /Ingrid Köhler

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Die Sprache der Engel

Musical

Aus der Printausgabe - UK 08 / 2020

Karin Ilgenfritz | 15. Februar 2020

Wolfgang Petri ist fast 92 Jahre alt. Er dürfte einer der ältesten Sängerinnen und Sänger sein, die im Chor beim Martin Luther King Musical mitsingen. Petri singt bei der Aufführung in Halle mit.

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Der große Chor mit über 1000 Sängerinnen und Sängern ist ein wesentliches Merkmal des Musicals über den Bürgerrechtler Martin Luther King. Foto: Creative Kirche /Ingrid Köhler

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Er hat immer viel gesungen. „Wir hatten so eine Art Familienchor“, erzählt Wolfgang Petri, der mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist. „Wir haben zu vielen Gelegenheiten musiziert.“ Später folgten verschiedene Chöre – über 30 waren es bestimmt, sagt der pensionierte Pfarrer. Demnächst singt er beim Martin Luther King-Musical in Halle mit.

Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Etwas ungewöhnlicher ist allerdings das Alter des Chorsängers: Im März wird er 92 Jahre alt. Auch wenn man nur mit ihm spricht, kann man sich gut vorstellen, dass er mit seiner tiefen, angenehmen Stimme noch immer ein guter Sänger ist. Übrigens steht auch seine 90-jährige Schwester Elisabeth in Halle mit auf der Bühne.

Große Vorfreude auf den Auftritt in Halle

Beide singen in ihrem Wohnort Herford in der Marienkantorei mit. Als Chorleiter Harald Sieger anregte, in Halle mitzusingen, war Wolfgang Petri anfangs nicht so begeistert. „Ich dachte erst, das muss ich mir in meinem Alter nicht mehr antun“, räumt Petri ein. „Aber dann habe ich Spaß daran gefunden und freue mich jetzt sehr auf den Auftritt. Ich bin offen für Neues.“ Das Musical ist ein Projekt für Jung und Alt. Von Jugendlichen bis Wolfgang Petri und seine Schwester sind alle Altersgruppen vertreten.

Es reizt ihn, in so einem so großen Chor aufzutreten – über 1000 werden auf der Bühne stehen. „Für das Stadion in Halle braucht man aber auch so viele Sängerinnen und Sänger, sonst klingt das mickrig“, meint er. „Unser Kantor ist einer der beiden Hauptdirigenten in Halle“, sagt Petri mit etwas Stolz in der Stimme.

Seit 28 Jahren lebt er nun in Herford. Ihm war klar, dass er sich auch hier wieder einen Chor suchen würde. „Musik ist die Sprache der Engel. Singen macht Freude, es tröstet und schafft Gemeinschaft“, macht Wolfgang Petri deutlich. „Singen ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.“

Neben der Freude am Singen ist ihm bei dem Musical auch das Thema des Stückes sehr wichtig. „Nicht nur die Person Martin Luther King, sondern auch das, was er angestoßen hat.“ Petri kann sich noch genau erinnern, wie das damals war, als die Nachricht von der Ermordung Martin Luther Kings um die Welt ging. „Wir saßen im Hauskreis zusammen. Da rief meine Frau an und sagte, Martin Luther King sei erschossen worden. Einer aus dem Hauskreis war Redakteur, der stand sofort auf und fuhr in seine Redaktion. Wir anderen waren getroffen und konnten es nicht fasssen.“

Wolfgang Petri erzählt begeistert von den Musical-Liedern, die  diese Geschichte erzählen. „Das sind mitreißende Stücke. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das im Alter noch so packt.“ Er hofft sehr, dass das Publikum die Botschaft des Musicals mitnimmt. „Das ist eine Aufforderung zum Handeln. Da ist jeder gefragt.“ Besonders gefällt ihm das Stück „Träum weiter“, das Malcolm X singt. „Es ist aufrüttelnd, wie er Martin Luther King den gewaltfreien Protest ausreden will.“

Das „Gegenstück“ dazu mag Petri auch: „Nimm meine Hand“, singt die Heilige Geistin. „Sie tröstet die Menschen, macht Mut. Das ist ein sehr schönes Lied.“ Allerdings hätte der 91-Jährige keine Heilige Geistin gebraucht. „Das ist mir ein bisschen zu viel Feminismus. Aber darüber rege ich mich nicht auf. Auf die Botschaft kommt es an.“

Eines ist dem 91-Jährigen dann aber doch noch wichtig – mit dem Musical hat das nichts zu tun: „Mit dem bekannten Schlagersänger Wolfgang Petry habe ich nichts zu tun. Weder verwandt noch verschwägert.“

Das Martin Luther King Musical ist zu sehen: in Siegen am 8. Februar um 14 und 19 Uhr, in Halle am 22. Februar um 19 Uhr und in Bochum am 29. Februar um 19 Uhr sowie am 1. März um 17 Uhr. Tickets gibt es im Internet unter www.king-musical.de/de/tickets/.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 15. Februar 2020, 6:42 Uhr


https://www.king-musical.de/artikel/best-of-video-der-dortmunder-auffuehrung/

Alle Achtung! So beeindruckt kommentiere ich mit Robert Reinick:

"In Worten lass, in Weisen es mich fassen,
dass ich es kann vor Menschen tönen lassen,
auf dass die Funken, die mein Herz durchsprühen,
in andern zünden und als Flamme glühen,
dass an der Freudigkeit, die ich gefunden,
manch Herz in neuer Frische mag gesunden."

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ellybe, 15. Februar 2020, 9:44 Uhr


Der Begriff "Die Heilige Geistin" ist einfach lächerlich. Wie kann "frau" sich an so etwas hochziehen?! Wir sagen ja auch nicht "die Mond" und "der Sonne", nur weil die Franzosen, Italiener und Spanier es tun.

Alwite, 15. Februar 2020, 12:46 Uhr


Seufz, man sucht und findet immer etwas um negative Kritik anzubringen.

ellybe, 15. Februar 2020, 15:26 Uhr


Seufz, wer sucht, der findet...
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Alwite, 15. Februar 2020, 12:56 Uhr


Singen ist eine der ältesten Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen. Die Wirkungen des Musizierens mit der eigenen Stimme auf Körper, Geist und Seele beschäftigen die Wissenschaftler aber erst in jüngster Zeit. Was sie ans Licht bringen, fährt unweigerlich zu dem Schluss: Regelmäßiges Singen ist so gesund, dass es eigentlich ärztlich verordnet werden sollte. Lesen Sie nach, warum Gesang so sinnvoll und lustvoll ist - und singen Sie! Empfiehlt Karin Kirschbichler!

Dem werden viele von uns sicher beipflichten. Der übergreifende Gesang verbindet mich mit dem Thema und sagt einmal mehr aus, dass das Gute nie besiegt werden kann, mag das Böse ihm noch so zusetzen.
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