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Heidemarie Langer
Versteckte Geschenke
Kalendergeschichten von Advent bis Heilige Drei Könige

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Das besondere Geschenk

Geschenke I

Aus der Printausgabe - UK 52 / 2019

Viele Verschiedene | 21. Dezember 2019

Von Anfang an hat Weihnachten immer auch etwas mit Schenken zu tun: Schon die drei Weisen aus dem Morgenland brachten dem neugeborenen Jesus-Kind ihre Gaben mit. Und das haben die Menschen seitdem als Brauch beibehalten – am Heiligen Abend einander Geschenke zu machen. Eine kleine Sammlung von ganz besonderen Begebenheiten dazu.

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Ein heiß ersehntes Weihnachtsgeschenk

Noch heute sehe ich die Werbung vor mir: Ein Junge hat einen großen Schlägel mit dicker Filzkugel in beiden Händen und schlägt damit auf einen riesigen Gong. Der Text dazu: „MB präsentiert – Das Spiel des Lebens“. Wie oft hatte ich diese Werbung gesehen. Und wie sehr wünschte ich mir dieses Spiel zu Weihnachten.

Dann kam Weihnachten und siehe da: Das Christkind brachte mir tatsächliche dieses Spiel. Was habe ich mich gefreut. An diesem Abend und auch in den Tagen und Wochen nach Weihnachten wurde „Das Spiel des Lebens“ gespielt. Ich war fasziniert davon. Immer wieder habe ich mir – je nach Spielverlauf – vorgestellt, wie wohl mein Leben einmal verlaufen würde. Welchen Beruf würde ich ergreifen? Würde ich heiraten? Kinder haben? Ein eigenes Haus oder eine Wohnung? Viel reisen?

Seit jenem Weihnachten sind über 40 Jahre vergangen. Die meisten Fragen von damals haben sich geklärt. Aber das Spiel habe ich noch. Immer wieder mal ziehe ich es aus der Schublade. In letzter Zeit wieder häufiger, da es die nachfolgende Generation plötzlich für sich entdeckt hat. Noch immer habe ich Spaß an diesem Spiel. Mal sehen, vielleicht wünsche ich mir nächstes Weihnachten die aktuelle Version.

Karin Ilgenfritz

 

Freud und Leid nah beieinander

In unserem Fotoalbum gibt es ein Weihnachtsbild, das eine ganze Geschichte erzählt. Mein Bruder und ich waren Grundschüler und teilten uns ein Kinderzimmer. In einem Jahr hatte uns mein Vater, seines Zeichens Schreinermeister, Schreibtische gebaut. Dazu zwei Stühle, fertig war das Geschenk. Größentechnisch ungeeignet für den Baum, hatten meine Eltern Tische und Stühle in unserem Zimmer aufgebaut. Meine Mutter hatte strategisch Platz bezogen, um die überraschten Gesichter ihres Nachwuchses auf einem Foto für die Nachwelt festzuhalten. Das klappte nur so mittel.

Was auf dem Foto zu sehen ist? Mein freudestrahlendes Gesicht, als ich zur Tür hereinkomme und als erstes meinen neuen Schreibtisch entdecke. Bildschön, mit knallroten Schubladen. Ein Schritt hinter mir mein Bruder. Sein Gesicht drückt tiefste Enttäuschung aus. Dabei hat er eine Hand gedankenverloren auf seinem Schreibtischstuhl abgelegt. Nur stand sein Tisch – mit grünen Schubladen – um die Ecke und er konnte ihn nicht sofort sehen.

Später wird seine Freude ebenso groß gewesen sein. Davon existiert allerdings kein Foto. Die Tische hingegen haben uns durch unsere gesamte Schulzeit begleitet.

Elke Stricker

 

Mein schnellstes Weihnachtsgeschenk

Es muss in der Weihnachtszeit Anfang der 1970er Jahre gewesen sein. Da hatte doch der „WeihnachtsNeckermann“, wie sich hinterher herausstellen sollte, Heiligabend etwas in einem großen Karton Verpacktes im Wohnzimmer kaum sichtbar in der Ecke hinter dem Weihnachtsbaum platziert.

Neugierig geworden, ging ich darauf zu. Und enthüllte ein – Wahnsinn!!! – orangerotes Mofa!!! Und was für eins. Ein motorisiertes Zweirad der Marke „Garelli Bonanza“.

Was für ein sportlich klingender Name für ein 25-km/h-Vehikel. Und dann das Design. Wie ein Motorrad, wenn auch ziemlich geschrumpft, aber mit Easy-Rider-Feeling-Versprechen von Weite und Freiheit. So empfand ich es jedenfalls damals.

Und was soll ich sagen: Das 47-Kilo-Gefährt brachte es im Sommer, wenn es seine etwa  Zwei-PS-Kraft auf ebener Strecke voll entfaltete, rückenwindgetrieben sogar auf rasante 29 km/h. Toll!

Uwe Herrmann

 

Unerwartete Süßigkeit

Heiligabend. Ein Bahnsteig in der Provinz. Kalt. Dunkel. Zugig. Niemand ist zu dieser Zeit freiwillig unterwegs. Ich auch nicht. Widrige Umstände und ein missgünstiger Vorgesetzter haben dafür gesorgt, dass ich am Abend aller Abende mein Zuhause verlassen muss, um stundenlang mit der Bimmelbahn durchs norddeutsche Moor zu fahren. Während die anderen daheim Gottesdienst feiern, Geschenke auspacken und gemeinsam essen, muss ich los: eine Woche Sonderschicht als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr.

Dementsprechend trüb ist mein Gemüt. Ich stakse über den Bahnsteig, vertrete mir die Beine an der kalten Luft. Außer mir ist nur noch eine weitere Person anwesend; ein Mann, eingemummt in Mantel, Hut und Schal. Wir stapfen schweigend aneinander vorbei. Dann kommen die Züge. Meiner, und auf der Gegenseite, der des unbekannten Anderen. Gerade als ich einsteigen will, hastet der Mann zu mir rüber. Er stößt die Hand vor. Ich will schon eine Abwehrgeste machen. Da sehe ich: Er hält ein Stück Konfekt in der Hand. „Frohe Weihnacht“, sagt er. Und ist weg. Ich mag eigentlich kein Konfekt. Aber in der Erinnerung gehört dieses unerwartete Stück Süßigkeit zu meinen schönsten Weihnachtsgeschenken.

Gerd-Matthias Hoeffchen

 

Der Weihnachts-Wanderpokal

Kann es etwas Süßeres als ein kleines flauschiges Entenküken geben? Nun, der Designer dieses Küken-Stofftiers hatte wohl einen schlechten Tag erwischt. Er hatte einfach zwei fette gelbe Stoffkugeln aufeinandergesetzt und es zudem geschafft, der oberen einen außerordentlich missmutigen Gesichtsausdruck zu verleihen. Kurz: Was da aus dem Weihnachtspaket unserer Tochter auftauchte, war ziemlich scheußlich.

Darum sollte das Küken eigentlich gleich in der Mülltonne landen. Aber dann hatte der Großvater Mitleid mit dem hässlichen Entlein und nahm es mit. Aus den Augen, aus dem Sinn – bis unsere Tochter es beim nächsten Weihnachtsfest aus dem Päckchen der Großeltern zog. Seitdem war das hässliche Entlein der Wanderpokal jedes Festes: Mal tauchte es zusammengequetscht aus einem Briefumschlag auf, mal saß es am Boden eines riesigen Pakets, versteckt unter vielen Lagen zerknüllten Zeitungspapiers. Wir verschenkten es an jeden in der näheren Verwandtschaft, und immer kam es zu uns zurück.

Inzwischen ist es im Ruhestand und sitzt irgendwo in einer Kiste zwischen anderen Stofftieren. Aber wer weiß – vielleicht erwacht es irgendwann wieder zum Leben und macht sich erneut auf seine Weihnachtsreise.

Anke von Legat

 

Doppelt gemoppelt

Vor vielen Jahren schon haben mein Bruder und ich beschlossen: Wir schenken uns nichts zu Weihnachten. Irgendwann dachte ich mir aber, es wäre vielleicht doch ganz nett, ein Brettspiel zu besorgen. Wenn dann die Familie am ersten Weihnachtstag zusammensitzt, können alle nach dem Kaffeetrinken miteinander spielen. Das ist doch gesellig. Also Regel durchbrochen, Spiel geschenkt. Was ich nicht wissen konnte: Mein Bruder hatte die gleiche Idee. Und er hat exakt das gleiche Spiel gekauft. Da sind die Familienbande wohl kaum zu leugnen. Schon zweimal ist uns das in den vergangenen zehn Jahren so passiert. Und jedes Mal sind wir aufs Neue überrascht und belustigt. Wie ich es dieses Jahr mache, weiß ich noch nicht. Das ist auch besser so. Sonst erfährt mein Bruder aus der Zeitung, was ich ihm schenke. Und dann besorgt er womöglich das gleiche.

Bernd Becker

 

Das perfekte Geschenk

Die junge Familie feiert ihr erstes richtiges gemeinsames Weihnachtsfest. Die Tochter krabbelt ganz aufgeregt umher. Die vielen Lichter, der Duft und überhaupt: der Weihnachtsbaum – das alles fasziniert die Kleine ungemein.

Auch die Eltern sind aufgeregt. Vor allem der Vater. Er hat der Tochter ein suuuper Geschenk vorbereitet. Meint er.

Als die Bescherung naht, schiebt er den riesigen Karton ins Zimmer. Die Kleine versteht natürlich nicht wirklich, worum es geht. Aber es ist aufregend! Das Mädel strahlt.

Der Vater auch. Mit leuchtenden Augen packt er den Karton aus. Der ist so groß, dass die Tochter locker viermal da rein passen würde. Darin: eine Holzeisenbahn. Schienen, Häuschen, Lokomotive – alles da, alles zum selber aufbauen. Das tut der Vater auch. Den ganzen Heiligen Abend lang. Die Mutter verdreht irgendwann die Augen. Aber er  ist selig.

Die Tochter auch. Zwar zeigt sie an der Eisenbahn null Interesse. Aber der Karton. Der ist einsame Spitze. Reinkrabbeln, umherschieben, reinbeißen – das perfekte Weihnachtsgeschenk für eine Einjährige.

William Christ

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