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Blick zurück: Wie war das Jahr? Was hat es gebracht an Gutem und nicht so Gutem? Wo haben sich meine Erwartungen erfüllt, wo bin ich gescheitert? War ich auf meinen Wegen unterwegs oder auf Gottes Wegen? Die Adventszeit kann eine Zeit des Rückblicks sein – und des Ausblicks: Wir ordnen unsere Prioritäten, planen die anstehenden Aufgaben – und haben dann den Kopf frei, um dem Herrn den Weg zu bereiten und Weihnachten zu feiern. Foto: kittiphan

Platz machen im Kopf

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 51 / 2019

Jennifer Schmelzer | 13. Dezember 2019

Über den Predigttext zum 3. Sonntag im Advent: Lukas 3,3-14.18

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Blick zurück: Wie war das Jahr? Was hat es gebracht an Gutem und nicht so Gutem? Wo haben sich meine Erwartungen erfüllt, wo bin ich gescheitert? War ich auf meinen Wegen unterwegs oder auf Gottes Wegen? Die Adventszeit kann eine Zeit des Rückblicks sein – und des Ausblicks: Wir ordnen unsere Prioritäten, planen die anstehenden Aufgaben – und haben dann den Kopf frei, um dem Herrn den Weg zu bereiten und Weihnachten zu feiern. Foto: kittiphan
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Jennifer Schmelzer (30) ist Gemeindereferentin und arbeitet für das Erzbistum Paderborn im Pastoralen Raum Südliches Siegerland.

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Predigttext
3 Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden, 4 wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! 5 Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. 6 Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen. 7 Da sagte er zu den Volksscharen, die hinauszogen, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt? 8 Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen (...) 10 Da fragten ihn die Scharen: Was sollen wir also tun? 11 Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso! 12 Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun? 13 Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist! 14 Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold! (…) 18 Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft. (Einheitsübersetzung)

Der Text aus dem Lukas­evangelium ist den meisten von Ihnen vermutlich altbekannt und vertraut. Auch für mich gehört er zu den „Klassikern“ in der Adventszeit. „Bereitet dem Herrn den Weg!“ ist jedes Jahr wieder neu der Ruf an uns, uns auf das Kommen des Herrn – auf das Weihnachtsfest – vorzubereiten. Jedoch was bedeutet es, „sich vorzubereiten“?

Sicherlich gehört adventliche Dekoration, der Besuch eines Advents- oder Weihnachtsmarktes, das Besorgen von Geschenken für Familie und Freunde, das Schreiben des Weihnachtsgrußes und auch der Einkauf für die Feiertage für viele dazu.

Doch gerade der Text des Lukasevangeliums mahnt uns einmal mehr, sich nicht auf diese äußerliche Vorbereitung zu beschränken. Es geht darum, sich innerlich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten.

Diese Aussage ist an sich nichts Neues. Jahr für Jahr wird es in unseren Kirchen gepredigt, und die „verordnete“ Besinnlichkeit löst zuweilen sogar Stress aus. Das Bild vom drohenden Gericht (V 7f.) sorgt da nun auch nicht unbedingt für Entspannung.

Wenn ich den Text in der Adventszeit lese, merke ich, wie ernst es unser Glaube meint. Es geht nicht um ein paar gute Taten oder vorgeschobene Nächstenliebe. Es geht um eine ernsthafte und kritische Selbstreflexion: Was fange ich mit meinem Leben an? Wie nutze ich meine Talente und Fähigkeiten? Wie setze ich materielle Dinge ein?

Gewissermaßen als Antwort auf den Ruf des Johannes (und ursprünglich ja bereits des Jesaja) nutze ich seit einigen Jahren die Adventszeit für einen ganz persönlichen Jahresrückblick. Eben für genau so eine kritische Selbstreflexion: Was habe ich im vergangenen Jahr erlebt? Welche Prioritäten habe ich gesetzt und setze ich? Wie steht es um die Beziehungen in meinem Leben – zu mir selbst, zu meinen Mitmenschen und zu Gott? Wie habe ich mich persönlich weiterentwickelt? Wie bestreite ich meinen Alltag? Wie gehe ich mit der Umwelt und den Ressourcen unseres Planeten um? Kurzum: Wie lebe ich?

Dieses Innehalten im Advent ist für mich einerseits ein Rückblick auf das vergangene Jahr. Gewissermaßen die Suche nach den Früchten, die mein Leben (hoffentlich) hervorbringt.

Andererseits ist es aber auch ein Versuch der innerlichen Vorbereitung, um vor dem Fest in meinem Kopf und im Herzen „aufzuräumen“ und Platz zu schaffen. Platz für den, der an Weihnachten immer wieder neu geboren werden will. Platz für Jesus. Er schenkt sich uns. Er will unser Leben bereichern und hell machen. Wir müssen es nur zulassen.

Für mich ist die Adventszeit eine Chance, mein Leben neu auszurichten und nachzujustieren. Fragen nachzugehen, die das ganze Jahr über aktuell bleiben und doch in dieser besonderen Zeit einen besonderen Platz haben.

Zusammengefasst geht es für mich darum, als Christ den eigenen Weg im Leben zu finden und dabei immer mehr ein Stück der frohen Botschaft hier und heute zu verwirklichen. So kann meine Umkehr wirkungsvoll werden und Früchte tragen. Damit es nicht bei einem reinen Gedankenspiel oder Lippenbekenntnis bleibt, sondern sich wirklich etwas (bei mir) ändert.

Und so möchte ich auch Sie kurz vor Weihnachten einladen, den oben genannten Fragen nachzuspüren und das eigene Leben in den Blick zu nehmen.

Das Ganze immer mit der festen Zusage der frohen Botschaft: Gott liebt uns Menschen, jeden einzelnen!

Gebet:

Guter Gott, in diesen Tagen blicken wir zurück. Lass uns mit deiner Hilfe das Gute darin entdecken. Sei gnädig mit unseren Fehlern und sieh unser Bemühen zur Umkehr. Hilf uns, dass wir aus der Vergangenheit lernen und so bereit werden für die Menschwerdung Christi. Amen.

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