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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 45 / 2019

Walter Schroeder | 1. November 2019

Woche vom 3. bis 9. November

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Sonntag:    Psalm 19
Montag:     Hiob 31,1-40
Dienstag:     Hiob 32,1-22
Mittwoch:     Hiob 38,1-11; 40, 1-5
Donnerstag:    Hiob 40,6 - 41,3; 42,1-6
Freitag:     Hiob 42,7-9
Samstag:     Hiob 42,10-17

Hiob gibt durchaus zu: Ja, ich bin auch nur ein Mensch, ich habe Fehler gemacht und wohl auch Schuld auf mich geladen. Aber er stemmt sich gegen das Verständnis seines Leidens als Strafe. Das sieht er nicht ein, da findet er in seiner Seele nichts. Und er begeht nicht den Ursprung aller Sünde, er stellt die Trennung zu Gott nicht her. Er wird nicht gottlos, weil er Gott in allem trotz allem nicht los lässt.

Die übersprungenen Kapitel 32-37 bilden einen eigenen Teil. Eine zornige Generation begehrt auf, die endlich heraus will aus dem Dilemma der Alten. Sie suchen eine Antwort, die den Lebenserfahrungen der Jugend gerecht würde. Auch Hiob wird hart kritisiert, der sich ja für gerecht hielt und damit doch zugleich die Gerechtigkeit Gottes in Frage stellte. Der junge Elihu versteht Gottes Handeln nicht so sehr als Strafe für bewusstes oder unbewusstes Unrecht, sondern für ihn ist das Schicksal des Hiob eher eine göttliche Warnung, vielleicht sogar ein Exempel für andere, womöglich der Weg zur Besserung und Genesung des Volkes. Gottes Gerechtigkeit hat eine ganz andere Weite und ist übergreifend, so dass man sie nicht durch das Schicksal eines Einzelnen in Zweifel ziehen kann. Elihu lenkt den Blick auch auf das Schöpfungshandeln Gottes und auf das Geschick der Könige, die gewissermaßen menschliche Leitfiguren sind. Die Elihu-Texte münden in der Gewitterrede mit dem Fazit: Den Allmächtigen erreichen wir nicht, der so groß ist an Kraft und an Gerechtigkeit (37, 23). Davor verschwindet der Mensch in seiner Winzigkeit, selbst wenn er weise und klug ist.

Mit dem Kapitel 38 beginnt nun wieder eine ältere Schicht des Hiobstoffes. Gottes Antwort nimmt zwar das Stichwort des Gewitters von Elihu auf, aber auf eine neue Weise. Die Antwort des Allmächtigen besteht aus lauter Gegenfragen. Es ist die souveräne Zurechtweisung des Geschöpfes durch seinen Schöpfer. In seiner Vermessenheit erkennt Hiob schließlich auch seine Schuld (42, 6). Wohlgemerkt: Er spricht sich selber schuldig, aber in einem ganz anderen Sinn als die Freunde dachten. Gott wird wenig später von seinem Knecht sagen, dass der recht von ihm geredet habe. Im Gegensatz zu den Freunden, denen eine Buße auferlegt wird, allerdings keine an Leib und Leben, sondern nur ein Tieropfer nach der Sitte der damaligen Zeit.

Hiob hingegen wird wieder reich und gesund. Es ereignet sich ein „Happy End“ in orientalischer Pracht. Die Familie – also sein ganzer Stamm – tröstet Hiob und nicht nur das: Sie legen auch Geld zusammen, damit ein neuer Start gelingen kann, der durch Gottes Segen begünstigt vielfache Früchte trägt. Schließlich stirbt dieser Hiob, der später zu einem Symbol ehrlichen Glaubenskampfes werden sollte, alt und lebenssatt, wie es so wunderschön heißt. Das wünschen wir uns allen!

Wochenspruch
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Micha 6,8

Wochenlied
Wohl denen, die da wandeln
EG 295

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