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Haben gut lachen, nachdem sie zwei Gottesdienste vorbereitet haben: das Team des Internationalen Gottesdienstes: Caterina Massone, Tanja Brokmann, Nida Pypetz, Dietlinde Haug, Joy de la Cruz (sitzend von links), Markus von Reden, Ronald Deppe und Christian Hohmann (stehend von links). Foto: kil

Fremden eine Heimat geben

Gottesdienst

Aus der Printausgabe - UK 44 / 2019

Karin Ilgenfritz | 28. Oktober 2019

Seit elf Jahren finden in Bad Oeynhausen regelmäßig internationale Gottesdienste statt. Was klein begann, ist inzwischen fester Bestandteil im Gemeindeleben und ein Stückchen Heimat geworden – nicht nur für Menschen aus anderen Ländern.

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Haben gut lachen, nachdem sie zwei Gottesdienste vorbereitet haben: das Team des Internationalen Gottesdienstes: Caterina Massone, Tanja Brokmann, Nida Pypetz, Dietlinde Haug, Joy de la Cruz (sitzend von links), Markus von Reden, Ronald Deppe und Christian Hohmann (stehend von links). Foto: kil
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Der kleine Chor singt bei den Internationalen Gottesdiensten oft Lieder in anderen Sprachen. Foto: Christian Hohmann

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Jetzt eine Tasse Kaffee. Wunderbar. Draußen ist es grau und ungemütlich. Hier stehen Kekse und Kuchen auf dem Tisch. So lässt es sich arbeiten. Es ist 16 Uhr. Sieben Menschen sitzen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Oeynhausen zusammen, um bis 18 Uhr die nächsten beiden Internationalen Gottesdienste vorzubereiten. Jeden ersten Sonntag im Monat findet er in der Auferstehungskirche statt.

Dankbarkeit ist eine Motivation

Elsie Joy de la Cruz beginnt mit einer Andacht. Die Pfarrerin von den Philippinen, die von allen Joy genannt wird, hat seit zwei Jahren eine Teilzeitstelle für das Projekt „Gemeinsam Kirche sein“ der Altstadtgemeinde Bad Oeynhausen und des Kirchenkreises Vlotho. Ihre Andacht hat das Thema Dankbarkeit. „Sich zu bedanken, ist nicht angeboren, das muss man lernen“, sagt sie. „Dankbarkeit ist mehr als Höflichkeit. Es ist eine Lebenshaltung.“

Die Andacht passt gut, weil Dankbarkeit eine Triebfeder für die Ehrenamtlichen ist. „Ich bin so froh, dass ich an Gott glauben kann“, sagt Tanja Brokmann aus Bünde. „Das möchte ich gerne anderen Menschen vermitteln.“ Dietlinde Haug hat lange in Karlsruhe gelebt, wo sie viel von der Versöhnungsarbeit zwischen Deutschland und Frankreich mitbekommen hat. Das hat sie geprägt. „Es ist so gut, in Frieden zu leben.“

Markus von Reden kommt zwar aus Ostwestfalen, hat aber viele Jahre im Ausland gelebt. „Ich weiß, wie sich das anfühlt, irgendwo fremd zu sein. Und ich möchte Menschen helfen, anzukommen und sich bei uns wohl zu fühlen.“

So wie es Nida Pypetz gelungen ist. Sie kam vor 19 Jahren von den Philippinen. Als sie von diesem Gottesdienst gehört hat, war ihr klar: „Da gehe ich hin.“ Inzwischen arbeitet sie selbst mit. „Glaube schafft Frieden. Deswegen ist es so wichtig, dass wir unseren Glauben weitergeben“, sagt sie.

Ronald Deppe nickt. Er ist Presbyter in der Altstadtgemeinde. „Ich finde es wichtig, den Zugewanderten Heimat zu geben. Es ist eine schöne Erfahrung, wenn das klappt, wenn Freundschaften entstehen.“ Er wünscht sich noch mehr Verzahnung mit der Ortsgemeinde.

Seit elf Jahren gibt es den Internationalen Gottesdienst. Wie Joy ist auch ihr Mann Pfarrer Christian Hohmann von Anfang an dabei. Er arbeitet mit im Rahmen seiner Regionalpfarrstelle des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe). „Anfangs war der Gottesdienst immer auf Englisch“, erzählt Christian Hohmann. „Aber dann haben wir gemerkt, dass die gemeinsame Sprache hier doch Deutsch ist.“ Lieder und Lesungen allerdings gibt es in verschiedenen Sprachen. „Da kommt es darauf an, wer sich beteiligt. Wir haben Lesungen in vielen Sprachen: Philippinisch, Französisch, Italienisch, Englisch und auch in Urdu oder Farsi.“

Das Thema für den Gottesdienst am 3. November ist „Zuhause sein“. Joy fragt: „Fallen euch Bibeltexte ein, wo es um Heimat geht?“ Einen Moment ist es still. Einer greift zu seiner Kaffeetasse. Dann sprudeln die Ideen. Schnell wird klar: Die Bibel ist voll von Geschichten, wo Menschen ihre Heimat verlassen. Aufbrechen, um eine neue Heimat zu finden. Schon Adam und Eva können nicht im Paradies bleiben. Dann Abraham, das Volk Israel, Rut, so mancher Prophet. Auch Maria und Josef müssen aufbrechen und kehren so schnell nicht wieder nach Hause zurück.

„Mir ist Psalm 27, 4 wichtig“, sagt Tanja. Dort heißt es: Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang. „Denn für mich ist klar, dass meine Heimat mein Glaube ist.“ Ronald bringt eine Stelle aus dem Epheserbrief, Kapitel 2 ein. Da geht es um Gottes Hausgenossen. Joy mag die Abrahamgeschichte gern, besonders die Stelle, wo es darum geht, dass Abraham gesegnet wird und selbst ein Segen sein soll. Ronald findet auch, dass Abraham im Gottesdienst vorkommen sollte, „weil das so konkret ist“.

Christian hat eine Idee: „Es gibt so viele gute Texte. Wir könnten statt der Predigt zu einem Text mehrere Menschen einbeziehen. Ihr erzählt anhand eurer Bibelstelle, was für euch ,zu Hause‘ bedeutet.“

Die Idee kommt prima an. Joy sagt, sie fragt zwei Flüchtlinge, ob sie etwas sagen würden. Aus der Runde erklärt sich Nida dazu bereit. Sie möchte auch noch zwei andere fragen, ob sie mitmachen. Und alle sind sich einig, dass auf jeden Fall Tanja etwas darüber sagen soll, bei Gott zu Hause zu sein. Sie nickt.

Joy ergreift wieder das Wort. „Dann suchen wir jetzt mal noch Lieder. Habt ihr Vorschläge?“ Die lassen nicht lange auf sich warten. Christian schreibt fleißig mit. „Wollen wir vielleicht ein Lied auf Philippinisch singen?“, fragt er. Da kommt Leben in Nida. „Au ja. Wie wäre es mit ,Sa Dulang ng Ama‘? Da geht es auch darum, was wir alles vor Gott bringen. Das könnte doch ein guter Rahmen für die Fürbitten sein.“ Die anderen sind einverstanden.

Der November-Gottesdienst steht. Fehlt noch der für Dezember. Es ist schon spät. Eigentlich wäre in einer viertel Stunde Schluss. „Habt ihr noch ein bisschen Zeit?“, fragt Joy vorsichtig. „Wenigsten die grobe Planung.“ Die anderen sind einverstanden. Dazu muss erwähnt werden, dass Tanja die Gruppe verwöhnt hat. Sie hat dazwischen Gemüsekuchen mit Salat verteilt. So ist niemand hungrig und hat es eilig, zum Abendessen nach Hause zu kommen.

Menschen mit einer Friedensvision vorstellen

Im Gottesdienst am ersten Advent soll es um Frieden gehen, um den Einzug Jesu in Jerusalem. „Jesus ist nicht als König gekommen, der seine Waffen und seine Macht zur Schau stellt. Er kam in Frieden und wollte Frieden“, sagt Joy. Die Texte für die Lesungen stehen schnell fest.

Eine kurze Andacht soll vom philippinischen Bischof Antonio kommen, der in dieser Zeit gerade zu Besuch ist. „Das könnte klappen“, meint Christian. Außerdem schlägt Markus vor, den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed vorzustellen. Er hat dieses Jahr den Friedensnobelpreis bekommen. „Machst du das?“, fragt Christian. Markus nickt.

Die Lieder sind zügig ausgesucht. Auch der Chor wird ein paar Lieder singen. Ausländische Stücke.

Es klopft an der Tür. Es ist Caterina Massone. Sie will eigentlich nur Markus abholen. Da die Besprechung noch nicht zu Ende ist, setzt sie sich gerne dazu. Bekommt auch eine Tasse Kaffee und etwas zu essen. Sie arbeitet auch manchmal im Vorbereitungsteam mit.

Kurz darauf ist die Gruppe fertig. Joy bedankt sich bei allen. Das Treffen endet mit einem gemeinsamen „Vaterunser“.

Der Internationale Gottesdienst findet statt jeden ersten Sonntag im Monat um 17 Uhr in der Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen.

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