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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 42 / 2019

Stefan Alkier | 11. Oktober 2019

Woche vom 13. bis 19. Oktober

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Sonntag:    Psalm 25
Montag:     Matthäus 22, 15-22
Dienstag:     Matthäus 22, 23-33
Mittwoch:     Matthäus 22, 34-46
Donnerstag:     Matthäus 23, 1-12
Freitag:     Matthäus 23, 13-28
Samstag:     Matthäus 23, 29-39

Jesus zieht nach Jerusalem ein – und wird bejubelt (21,9f.). Was folgt ist – Streit. Streit, den Jesus im Tempel beginnt. Jesus randaliert und legt zeichenhaft den Jerusalemer Tempelkult lahm. Jesus attackiert in aller Härte die Jerusalemer Eliten mit Gleichnissen. Sie verstehen, wer gemeint ist (vgl. 21,45f.) und schlagen zurück: Die Streitgespräche über die Steuerfrage (22,15-22), die Auferstehung der Toten (22,23-33) und die Frage nach dem wichtigsten Gebot (22,34-40) sind keine offenen und ehrlichen Dialoge wahrheitssuchender Lehrer. Sie sind Mittel zum Zweck: Innerhalb der Erzählung des Matthäusevangeliums wollen die Eliten Jerusalems damit Jesus ans Kreuz liefern, und der Evangelist Matthäus nutzt seine polemische Verzeichnung insbesondere der Pharisäer, um die Überlegenheit der Lehre und der Vollmacht Jesu gegenüber den Jerusalemer Eliten zum Ausdruck zu bringen. Jesus stopft ihnen das Maul (vgl. 22,34) und heizt damit den Konflikt an, der ihn ans Kreuz bringen wird. Jesus ist Matthäus zufolge nicht auf Verständigung aus; er rechnet vor allem mit den Pharisäern ab – das ganze Kapitel 23 lang.

Den Sadduzäern wirft er vor: „Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes.“ (22,29b). Er wirft ihnen nicht mangelnden Glauben vor, sondern mangelnde Erkenntnis. Wer die Schöpferkraft Gottes aus den Schriften Israels kennt, kann auch Auferweckung denken! Das gilt auch für evangelische Lehrerinnen und Lehrer in Kirche, Schule und Universitäten heute: Lest im Alten Testament von der unermesslichen Schöpferkraft Gottes, dann könnt ihr auch die Auferweckung der Toten als Gottes barmherzige Tat der Neuschöpfung denken – und lehren! Und genau das ist euer Job!

Den Pharisäern aber wirft er keine mangelnde theologische Erkenntnis vor, im Gegenteil: „Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen´s zwar, tun´s aber nicht.“ (23,3) Sie wissen ganz genau, was zu tun ist und tun es trotzdem nicht. Wie hoch aktuell ist dieser Vorwurf der Heuchelei in der Klimadebatte! Aber gilt er nicht auch für so manche Predigt, Vorlesung und kirchliche Denkschrift?

Die Pharisäer wissen, dass Jesus richtig geantwortet hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ (22,37ff.) – und auch das Evangelium nach Matthäus.

Dr. Stefan Alkier ist seit 2001 Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Wochenspruch
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1. Johannes 5, 4

Wochenlied
Such, wer da will, ein ander Ziel EG 346

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