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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm beteiligte sich an der Demonstration in München.

«Klaut unsere Zukunft nicht!»

Fridays for Future

22. September 2019

Klar war, dieser "Fridays for Future"-Protest wird groß. Hunderttausende Menschen demonstrierten in ganz Deutschland für mehr Klimaschutz. Die größte Demonstration fand mit rund 270.000 Teilnehmern in Berlin statt - viel mehr als erwartet.

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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm beteiligte sich an der Demonstration in München.

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Berlin, Frankfurt a.M. (epd). "Wir schreiben Geschichte", ist Luisa Neubauer überzeugt. Als eines der bekanntesten Gesichter der "Fridays for Future"-Bewegung in Deutschland tritt sie zum globalen Klimastreik als Rednerin in Berlin auf. Die 23-jährige Studentin zeigt sich "überwältigt" über das Menschenmeer in den Straßen rund um das Brandenburger Tor anlässlich der bislang größten "Fridays for Future"-Demonstration am Freitag in der Bundeshauptstadt. "Es ist krass, dass wir so viele sind, die einstehen für eine klimagerechte Welt", sagt Neubauer.

Mit nach Veranstalterangaben rund 270.000 Teilnehmern dürfte die Berliner Demonstration bundesweit die größte ihrer Art am Freitag gewesen sein. Nicht nur Schüler und Studenten gingen auf die Straße. Vom Säugling bis zum Geschäftsmann unterstützte ein breites Teilnehmerspektrum die Kundgebung. In ganz Deutschland gingen nach Angaben der "Fridays for Future"-Bewegung am Freitag rund 1,4 Millionen Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße.

Aktionen in mehr als 500 Städten

In mehr als 500 Städten waren Demonstrationen und Aktionen geplant. In Hamburg gingen laut Polizeiangaben rund 70.000 Teilnehmer auf der Straße. In Köln waren mehrere Zehntausend Menschen unterwegs, die Veranstalter sprachen auf Twitter von 70.000 Teilnehmern.

In München demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 25.000 Klimaschützer. Unter den Teilnehmern war auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte auf der Kundgebung, die Kirche thematisiere die Bewahrung der Schöpfung seit mehr als 30 Jahren. Er freue sich, dass junge Leute das Thema endlich in eine breite Öffentlichkeit bringen: "Wenn wir das Klima retten wollen, muss sich etwas ändern."

Rückendeckung von Prominenten

Auch von zahlreichen Prominenten gab es Rückendeckung. So mahnte Eckart von Hirschhausen in Berlin: "Die Klimakrise ist aktuell die größte Bedrohung der Menschheit." Der Arzt und Comedian schloss sich den Forderungen der "Fridays for Future"-Bewegung an, zu denen die Einhaltung der Pariser Klimaziele - also die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter - ein rascherer Kohleausstieg sowie eine CO2-Bepreisung gehören.

Hirschhausen forderte, Deutschland müsse als eines der wohlhabendsten und technisch innovativsten Länder der Welt beim Klimaschutz vorangehen und schnell konkrete Gegenmaßnahmen zum menschengemachten Klimawandel ergreifen. "Fridays for Future" sei mit ihren politischen Zielen eine "sehr kluge jugendliche Bewegung".

Der globale Klimastreik von "Fridays for Future" wurde von weiteren unabhängigen Klimaschutz-Demos begleitet. So legten schon am frühen Morgen mehrere Hundert Teilnehmer des Bündnisses "Ungehorsam für Alle" mit einer Fahrrad-Demo für etwa eine Stunde den Berufsverkehr in der Berliner Innenstadt lahm.

Protest vor Bundesfinanzministerium

Teilweise mit Schlips und Anzug protestierten rund 700 Vertreter der Gruppe "Entrepreneures for Future" vor dem Bundesfinanzministerium. Katharina Reuter, eine der Sprecherinnen der Gruppe, betonte, dass aus Sicht vieler Wirtschaftsvertreter vor allem "klimaschädliche Subventionen" abgeschafft werden müssten. Den Angaben zufolge beteiligten sich bundesweit mehr als 3.000 vor allem kleinere und mittlere Unternehmen mit insgesamt über 200.000 Arbeitsplätzen bei "Entrepreneurs for Future".

Auch zahlreiche ausländische Aktivisten beteiligten sich an der Klimademo in Berlin. So waren etwa Pyi aus Myanmar, Tsering aus Indien, Rou aus China und Daniel aus Thailand in die deutsche Hauptstadt gekommen. "In China gibt es keine Demonstrationen für Klimaschutz", sagt Rou. Trotzdem wollten sich viele Chinesen dafür engagieren. Die Berliner Großdemo sei für sie eine Inspiration, "die Diskussion über Klimaschutz auch in China voranzubringen", betonte die junge Frau.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 23. September 2019, 18:31 Uhr


Alles ist eigentlich so einfach - doch mit zunehmendem Alter inszenieren wir, die einen mehr, die anderen weniger, aus ganz natürlichen Begebenheiten, Dramen. Augenblicklich ist das "Klima" dran. Ein Kind aus Schweden fährt um die Welt und macht auf das, wie es den Planeten zu verstehen glaubt, ändern zu müssen, aufmerksam.
Gut so!
Doch warum wird so ein ernstes Thema nun tot gequatscht, anstatt es anzupacken...Erst gehen wir auf die Straße.
Gut so!
Aber worauf einigen wir uns danach? Eine Einigung die allen einleuchtet gibt es nicht - und so geht der Rummel von vorn los... bis ihn ein anderer ablöst :-)
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