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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 39 / 2019

Dominic Blauth | 20. September 2019

Woche vom 22. bis 28. September

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Sonntag:    Psalm 78, 56-72
Montag:     Matthäus 17, 14-21
Dienstag:     Matthäus 17, 22-27
Mittwoch:     Matthäus 18, 1-14
Donnerstag:     Matthäus 18, 15-20
Freitag:     Matthäus 18, 21-35
Samstag:     Matthäus 19, 1-12

„Wie lange soll ich bei euch sein?“ (Matthäus 17,17). Diese Worte entgegnet Jesus einem Vater, als ihn dieser darum bittet, seinen Sohn zu heilen. Ist Jesus es leid, den Menschen zu helfen? Dass sie ihn, egal wo oder wann er auftritt, um Hilfe bitten? Im Gegenteil: Jesus ist sich dessen bewusst, dass seine Zeit auf Erden begrenzt ist. Die zweite der drei Leidensankündigungen ist ausgesproch-en, das unvermeidliche Ziel schon fast in Blickweite – die Zeit läuft ihm davon.

Und obwohl Jesus weiß, was ihm bevorsteht, übermannt ihn die Angst nicht. Seine Zukunft lässt ihn nicht erlahmen, sondern unweigerlich an das Danach denken. Wer wird den Menschen nach seinem Tod helfen? Der Bericht des Vaters zeigt: Jesu Schüler, die Jünger, waren nicht imstande, dem Jungen zu helfen – obwohl Jesus sie aussandte, um Kranke zu heilen (Matthäus 10,8). Das nervt Jesus und er macht seinem Ärger Luft. So lässt er auch die Frage nach dem Warum nicht unbeantwortet: Der Glaube seiner Schüler ist schlicht nicht stark genug.

Jesus weiß, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist – um seinem Schicksal nicht schon eher entgegentreten zu müssen, vermeidet er die Konfrontation und zahlt steuerliche Abgaben. Seinen Schülern bleibt also noch Zeit, ihren Glauben zu stärken. Anstatt sich aber mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen, treten diese an Jesus heran und fragen ihn, wer von ihnen im Himmelreich der Größte sein wird. Dass Jesus nach der missglückten Heilung keinem seiner Schüler diese Position zusagt, wundert nicht. Stattdessen ermahnt er sie dazu, ihre Haltung zu ändern – nicht mehr von oben herab, sondern von unten empor: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18,3).

Es geht darum, das Hierarchie-Denken abzulegen und zu werden wie die Kinder – dem Guten zugewandt und gläubig. Dieses Ideal gilt es jedoch nicht nur selbst zu leben, sondern auch zu schützen: Wer eines der Kinder Gottes vom Guten weg hin zum Bösen verführt, dem droht ein grausames Schicksal. Im Zentrum von Matthäus 17,14 bis 19,12 steht die Zusage, dass diejenigen, die zu Gott gehören, nicht im Stich gelassen werden – gerät auch nur eines von hundert Schafen auf Abwege, muss sich der Sache angenommen und dem Schaf geholfen werden und das nicht nur einmal. Aber nur wer anderen hilft, hat Hilfe verdient. Auch der oft missverstandene Textabschnitt zu Ehe und Scheidung (Matthäus 19,1-12) lässt sich von dieser Schutzzusage her lesen: In einer Gesellschaft, in der vor allem Männer erwerbstätig sind, dürfen Frauen nicht im Stich gelassen werden.

Dominic Blauth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Evangelische Theologie/Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Goethe-Universität Frankfurt a.M..

Wochenspruch
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Psalm 103, 2

Wochenlied
Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn EG 333

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