hg
Bild vergrößern
„Überidentifikation mit Israel“: Vor allem dieser Satz dürfte dem gebürtigen Westfalen (Gevelsberg) Abromeit Kritik eingebracht haben. (Foto: epd)

Nordkirche geht auf Distanz

Nahost-Konflikt

Aus der Printausgabe - UK 33 / 2019

epd/UK | 8. August 2019

Setzt sich Deutschland zu einseitig für Israel ein? Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit sorgt mit einem Vortrag zum Thema für Schlagzeilen. Seine eigene Kirche distanziert sich.

Bild vergrößern
„Überidentifikation mit Israel“: Vor allem dieser Satz dürfte dem gebürtigen Westfalen (Gevelsberg) Abromeit Kritik eingebracht haben. (Foto: epd)

Anzeige

SCHWERIN – Die evangelische Nordkirche hat sich von den Äußerungen ihres Bischofs Hans-Jürgen Abromeit distanziert, nachdem dieser in einem Vortrag von einer „Überidentifikation“ Deutschlands mit dem Staat Israel gesprochen hatte. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt nannte die Formulierung „völlig unangemessen“. „Es handelt sich bei dem Vortrag von Bischof Abromeit um seine persönliche Meinungsäußerung. Der Vortrag stellt keine Stellungnahme oder Positionsbeschreibung der Nordkirche dar“, heißt es in einer am Montag in Schwerin veröffentlichten Reaktion auf die Vorwürfe gegen Abromeit.

Der Greifswalder Bischof hatte in einem Vortrag am 1. August während der Jahreskonferenz der Evangelischen Allianz in Deutschland in Bad Blankenburg von einer „Überidentifikation mit dem Staat Israel“ gesprochen. Repräsentanten der Bundesrepublik gingen so weit, das Eintreten für die Sicherheit des Staates Israel zur Staatsräson für Deutschland zu erklären. Da sich der Staat aber als jüdischer Staat verstehe, folge daraus prinzipiell die Benachteiligung der Palästinenser und eine Zurücksetzung ihrer berechtigten Sicherheitsinteressen.

Abromeit erklärte am Montag, es liege ihm fern, die aus der deutschen Schuld und der christlichen Mitschuld gewachsene Verantwortung für die Sicherheit der Bürger Israels oder das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Er bedauere, dass seine Formulierungen Anlass zu Missverständnissen gegeben hätten.

Kritik auch aus der Politik

Abromeits Äußerungen hatten ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Auch aus der Politik war Kritik zu hören. Der religionspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, sagte der „Welt“ (Montag), die Aussagen seien „unsäglich“ und machten ihn fassungslos. Der religionspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Castellucci, hatte betont, dass das Eintreten für die Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson folgerichtig sei. Er hatte Abromeit jedoch teilweise in Schutz genommen. Den Bischof als Antisemiten hinzustellen, sei überzogen.

Der Greifswalder Bischof, der für den Sprengel Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist, hat sich bereits in der Vergangenheit ähnlich geäußert. So sagte er im Jahr 2016 der „Mecklenburgischen und Pommerschen Kirchenzeitung“, die Deutschen seien tief in den Nahost-Konflikt verwickelt, weil sie Verantwortung für die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden übernehmen müssten. Nur durch die Judenverfolgung sei die Einwanderung nach Palästina so groß geworden, dass dort ein eigener Staat entstehen konnte. „Wir dürfen aber diese Verantwortung nicht zulasten des anderen, im gleichen Land lebenden Volkes, der Palästinenser, wahrnehmen“, hatte er damals gesagt.

 

Der Vortrag von Hans-Jürgen Abromeit im Wortlaut: https://unserekirche.de/artikel/2019/32/zwei-voelker-ein-land/

Per E-Mail empfehlen