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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 33 / 2019

Stefan Alkier | 9. August 2019

Woche vom 11. bis 17. August

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Sonntag:    Psalm 4
Montag:     Matthäus 9, 9-13
Dienstag:     Matthäus 9, 14-17
Mittwoch:     Matthäus 9, 18-26
Donnerstag:     Matthäus 9, 27-34
Freitag:     Matthäus 9, 35–10,4
Samstag:     Matthäus 10, 5-15

Liest man das Matthäusevangelium von Anfang bis Ende, ergibt sich ein durchgehender Erzählfaden. Die Jesus-Christus-Geschichte ist nicht nur unauflösbar verwoben mit den Geschichten, die der Stammbaum zu Beginn vor Augen führt. Sie ist vielmehr deren Fortsetzung. Der Name „Jesus“ ist Programm: Er wird sein Volk, das Volk Israel, von ihren Verfehlungen erretten (1,21) und „sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns.“ (1,23). Schon als Kind begegnet ihm tödliche Feindschaft und seine Familie muss fliehen. Jesus weiß, was er sagt, wenn er immer wieder von Konflikten und auch von der Feindesliebe spricht, die den Feind nicht blauäugig zum Freund werden lässt. Jesus verfügt durch den Geist über Vollmacht in erschreckender Wortgewalt (7,28) und erstaunlichen Machttaten, die ab Kapitel 8 erzählt werden.

Sein vollmächtiges Wort wirkt auch bei der Auswahl seiner Schüler. Matthäus, der Zöllner, sitzt – unbeweglich und unbewegt widmet er sich Tag für Tag dem System der Geldabgaben. Ein Wort Jesu genügt und er gerät in Bewegung, lässt den Sachzwang hinter sich und folgt Jesus auf seinem Weg des Umdenkens. Jesu Reden und Handeln hält sich nicht an die starren Grenzen des Erwartbaren. Er macht, was nötig ist, um sein Volk Israel zu retten – und sind sie Zöllner oder Prostituierte, dann hält er eben Tischgemeinschaft mit Prostituierten und Zöllnern.

Seine Orientierung ist Gottes Barmherzigkeit (9,13), denn nur die ermöglicht die Rettung seines Volkes. Und ist einer aus der Elite seines Volkes in großer Not, weil seine Tochter stirbt, hilft er auch diesem. Und auch der Frau, die durch ihren Blutfluss aus seinem Volk ausgegrenzt wird. Wunder über Wunder, Machttat über Machttat, alles aus Barmherzigkeit und nicht um der eigenen Macht willen.

Er überschätzt seine Kräfte nicht und gibt seine staunen- und furchterregende Vollmacht auch zwölf seiner Schüler weiter, die wie er zu den verlorenen Schafen Israels – und nur zu diesen – gehen sollen (10,1-15). Nicht seine Vollmacht, wohl aber seine Barmherzigkeit endet in diesem Erzählabschnitt noch an der engen Grenze der Volkszugehörigkeit. Selbst der geistbegabte, bevollmächtigte, barmherzige Jesus bedarf eines fremden Wortes, das Wort einer Fremden, die nicht dazugehört, um umzudenken; doch das wird erst in Kapitel 15 erzählt …

Dr. Stefan Alkier ist seit 2001 Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Neben seinen zahlreichen Fachpublikationen hat er auch ein Hörbuch „Nacht der Bibel“ produziert, das den durchgehenden Erzählfaden der Bibel von Schöpfung bis Neuschöpfung erlebbar werden lässt (CD erhältlich bei wbg-wissenverbindet.de).

Wochenspruch
Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Epheser 5, 8b.9

Wochenlied
Sonne der Gerechtigkeit
EG 262/263

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