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... also erstmal einen Kaffee! Und dann in Ruhe schauen, wie man den Berg an Aufgaben sinnvoll angehen kann. Zum Beispiel, indem man viele andere mit einbindet. So macht es Jesus im Predigttext: Er beauftragt seine Jünger damit, einen Teil seiner Arbeit zu übernehmen. Dieser Auftrag war es, der die Jesusbewegung vorangetrieben hat und bis heute vorantreibt. Denn auch wir haben von Jesus noch die Aufgabe bekommen, am Reich Gottes mitzubauen. Foto: Lassedisgnen

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Es gibt viel zu tun...

Andacht

Aus der Printausgabe - UK 30 / 2019

Thies Friederichs | 19. Juli 2019

Über den Predigttext zum 5. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 9,35 - 10,10

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... also erstmal einen Kaffee! Und dann in Ruhe schauen, wie man den Berg an Aufgaben sinnvoll angehen kann. Zum Beispiel, indem man viele andere mit einbindet. So macht es Jesus im Predigttext: Er beauftragt seine Jünger damit, einen Teil seiner Arbeit zu übernehmen. Dieser Auftrag war es, der die Jesusbewegung vorangetrieben hat und bis heute vorantreibt. Denn auch wir haben von Jesus noch die Aufgabe bekommen, am Reich Gottes mitzubauen. Foto: Lassedisgnen
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Thies Friederichs (38) ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Kreuztal.

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Predigttext (in Auszügen)
9: 35 Und Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. (...) 37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. 38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. 10: 1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. (...) 5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, 6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. 7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. 8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr‘s empfangen, umsonst gebt es auch. 9 Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, 10 auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.

Es gibt Zeiten, an denen ich mich morgens mit einem flauen Gefühl an den Schreibtisch setze. Das sind die Tage, an denen ein riesiger Berg Arbeit auf mich wartet.

Menschen haben ja ganz unterschiedliche Arten, mit einem solchen Druck umzugehen.
Manche geraten in Hektik und arbeiten wild drauflos. Andere räumen erst einmal den Schreibtisch auf oder auch die Küche. Dann gibt es die echten Profis. Die sammeln ihre Aufgaben, priorisieren diese und legen dann einen Arbeitsplan fest. Wieder andere versuchen sich innerlich zu motivieren. Sie malen sich schon einmal aus, was sie nach getaner Arbeit alles Schönes machen können.Und dann gibt es natürlich auch diejenigen, die erst einmal jammern. Ich habe ja soviel zu tun.

Ich persönlich halte ich mich in solchen Zeiten an den Ratschlag, der auf meiner Kaffeetasse steht: „Es gibt viel zu tun, trink erstmal einen Kaffee.“ In der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft. Und dann schlage ich auch mal die Bibel auf. Und lese zum Beispiel im Matthäusevangelium den Text, der mit dem Titel „Die große Ernte“ überschrieben ist.

Jesus sieht das Volk an. Und er sieht, dass es viel zu tun gibt. Das Volk jammert ihn. Das ist eine interessante Formulierung. Er jammert nicht, sondern die Menschen jammern ihn. Im Griechischen steht da ein Verb, das im Wortstamm die Bedeutung „Eingeweide“ hat. Jesus sieht die geängsteten und zerstreuten Menschen und es bewegt sein Innerstes. Es schlägt ihm auf den Magen, geht ihm an die Nieren und zu Herzen. Sie brauchen seine Hilfe. Und es sind viele. Vor ihm liegt also auch ein Berg an „Arbeit“.

Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Das Problem ist erkannt. Und die Lösung ist denkbar einfach. Jesus beauftragt seine Jünger, mitzuarbeiten. Und er gibt ihnen einen klaren Auftrag. Sie sollen in Worten und Taten das Himmelreich anbrechen lassen. Das ist nicht irgendein Auftrag. Das ist genau das, was die ganze Jesusbewegung angetrieben hat. Ich kann mir vorstellen, wie die Jünger es kaum erwarten konnten loszuziehen.

Doch bevor es losgeht, grenzt Jesus den Bereich, in dem sie arbeiten sollen, ein. Die Jünger sollen zuerst zu den verlorenen Schafen Israels gehen. Damit ist das Heil nicht auf Israel begrenzt, – dafür kann das Matthäusevangelium nun wirklich nicht herhalten –, sondern es wird ein Anfangspunkt gesetzt. Danach erst lässt er sie ziehen.

Das klingt zugegebenermaßen ein wenig nach einem Ratgeber für gelingendes Arbeitsmanagement. Aber in all dem steckt auch etwas zutiefst Geistliches. Jesus drängt uns, nach unserem Auftrag zu fragen. Wofür engagiere ich mich? Was geht mir wirklich zu Herzen? Wie kann ich am Reich Gottes mitbauen? Es tut gut, danach zu fragen. Und es tut auch gut, die vielen Aufgaben in einer Kirchengemeinde einmal daraufhin zu befragen. Entspricht das unserem Auftrag? Gibt es etwas, was wir auch sein lassen können?

Eine Passage des Bibeltextes habe ich bisher noch nicht beachtet. Jesus sagt seinen Jüngern, dass sie den Herrn der Ernte bitten sollen, Arbeiter in die Ernte zu schicken. Beten sollen sie. Das hat etwas Entlastendes und Befreiendes. Ich muss nicht alles selber machen. Gott selber kümmert sich. Jesus erinnert seine Jünger an den, der seit jeher für sie gesorgt hat. Nicht einmal eine Tasche oder Schuhe sollen sie mitnehmen auf ihrem Weg. Sie sollen Gott vertrauen!

Jetzt sitze ich wieder vor meinem Kaffee. Und der Berg an Arbeit wirkt schon viel weniger bedrohlich. Ich bin nicht der Einzige. Es gibt Aufgaben, die ich sein lassen kann. Und mein Glaube kann Berge versetzen.

Gebet:

Himmlischer Vater, du schenkst uns Versöhnung und machst uns zu Boten deiner Liebe in dieser Welt. Lass uns nicht müde werden, von dir zu erzählen. Gib uns die Kraft dazu. Gib uns aber auch die Weisheit, unsere eigenen Grenzen anzuerkennen. Lass uns zusammen an deinem Reich des Friedens bauen. Amen

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