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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 30 / 2019

Dominic Blauth | 19. Juli 2019

Woche vom 21. bis 27. Juli

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Sonntag:    Psalm 119, 89-96
Montag:     Matthäus 5, 33-37
Dienstag:     Matthäus 5, 38-48
Mittwoch:     Matthäus 6, 1-4
Donnerstag:     Matthäus 6, 5-15
Freitag:     Matthäus 6, 16-18
Samstag:     Matthäus 6, 19-24

„Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ Ist das die Patentlösung von Konflikten? Einfach die andere Backe hinzuhalten? Nicht wegzulaufen, sich nicht zu wehren, den Angriff erneut über sich ergehen zu lassen? Vor allem in bedrohlichen Situationen undenkbar, mit Blick auf Flucht- oder Verteidigungsinstinkte nahezu unnatürlich.

Und doch formuliert Jesus im Matthäus­evangelium diese gewagte Handlungsanweisung. Eine Aussage, die scheinbar jedweder Logik entbehrt, die irritiert – bei einem Angriff einfach die andere Backe hinhalten?! Wozu dient diese Irritation?

Die Anweisung ist in einen größeren Kontext weiterer Aussagen innerhalb der Bergpredigt eingeordnet. In der Forschung wird dieser Text häufig als Antithesen bezeichnet, da die dort geäußerten Sätze vielen als widersprüchlich erscheinen. Dabei greift Jesus Überlieferungen und Gesetze auf, deutet sie neu und gibt ihnen einen erweiterten Sinn. Es bleibt nicht bei „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das selbst schon einen Fortschritt in der Rechtstradition darstellt. Vielmehr gilt es, nicht das gleiche Übel zu tun, das einem selbst zugefügt wurde. Lieber noch die andere Backe hinhalten, als selbst zu schlagen. Es bleibt nicht dabei, den Nächsten zu lieben und den Feind zu hassen. Es gilt, alle Menschen zu lieben, egal ob nahestehend oder verfeindet. Auch bleibt es nicht dabei, keinen Meineid zu schwören und Schwüre vor Gott zu halten. Stattdessen soll man überhaupt nicht schwören.

Jesus tritt nicht an, um Überlieferungen und Gesetz aufzulösen. Im Gegenteil: Er stellt kurz vor seiner Rede klar, dass Gesetz und Überlieferungen weiterhin in Geltung stehen. Es geht in seiner Rede also vielmehr darum, die bestehenden, guten und daher gültigen Gesetze einzuhalten und zu präzisieren. Auch und gerade wenn das zunächst widersprüchlich erscheinen mag. Jesus sorgt für ein Umdenken. Doch was ist das Ziel dieses Umdenkens?

Die drei genannten Neuerungen verbindet, dass man nicht schlecht handeln soll – weder bewusst noch unbewusst. Wer nicht schwört, kann keinen Schwur brechen. Wer sich nicht wehrt, verletzt keinen anderen – egal ob berechtigt oder unberechtigt. Wer auch verfeindete Personen liebt, hasst nicht. Im Grunde geht es um gerechtes Handeln, ein Handeln, das Gott und den Menschen gerecht wird.

Der matthäische Jesus geht aber noch einen Schritt weiter in der Bergpredigt. Er ermahnt nicht nur dazu, gerecht zu handeln, sondern dies auch aus den richtigen Gründen zu tun. Es gilt, nicht in der Hoffnung auf Prestige zu handeln, sondern um im richtigen Verhältnis zu Gott zu stehen.

Dominic Blauth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Universität Frankfurt a.M.

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