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Vier Tage lang war Dortmund ein Ort voll Glauben und Feiern, Freude und Harmonie. Ist das gut für einen Kirchentag? Und: Was bleibt davon? Foto: DEKT

Träumen muss erlaubt sein

Kirchentag

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 28. Juni 2019

Nachlese: Das waren schöne Tage in Dortmund. Der Kirchentag verzauberte Einheimische und über 100.000 Gäste. Aber warum?

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Vier Tage lang war Dortmund ein Ort voll Glauben und Feiern, Freude und Harmonie. Ist das gut für einen Kirchentag? Und: Was bleibt davon? Foto: DEKT

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Was haben wir alle gebetet und gehofft, geackert und gerackert, gezittert und gezagt. Am Ende bewahrheitete sich, was von Anfang an als Motto über diesem Kirchentag stand: Habt Vertrauen.

Der Kirchentag in Dortmund war ein voller Erfolg. Die viereinhalb Tage werden in Erinnerung bleiben als ein Kirchentag voll Friede, Entspanntheit und Harmonie.
Das mag für jemanden, der nicht dabei war, zunächst gar nicht nach Lob klingen. Wo bleibt der Streit? Die Auseinandersetzung, auf die der Kirchentag doch immer stolz war?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: All das war vorhanden in Dortmund. Foren und Podien, Workshops und Bibelarbeiten ergingen sich kein bisschen darin, über ein Heiapopeia heiligen Weichspüler auszugießen. Nein.
Da gab es den Protest gegen Krieg und Gewalt. Gegen Umweltzerstörung und Hass. Den Einsatz für Menschen in Not und gegen Hass in den Herzen. Es gab Staunen und Irritationen: Vulven malen – da muss man erst mal nachfragen, warum das evangelisch sein soll. Und Schwimmen als geistliche Erfahrung? Auch nicht selbsterklärend.

Aber: Stets hatte man den Eindruck, dass die Menschen sich dabei nicht an die Gurgel gingen. Über 100 000 Menschen kommen in die Stadt, um gemeinsam zu feiern – „wir sind völlig baff, wie friedlich und voller Fürsorge füreinander das ablief“, meldete eine erstaunte, aber auch entzückte Polizei, „da sind wir von Fußballspielen und ähnlichen Großveranstaltungen anderes gewohnt“.

Eine Einschätzung, die viele teilen. Der Taxifahrer: „Kein Stress mit den Leuten.“ Die Imbissverkäuferin: „Der Kirchentag soll wiederkommen – die sind alle so nett.“ Das Hotelpersonal, die Feuerwehr, die Ordner, der Präsident des BVB, selbst die Tageszeitungen sind sich einig: „Der Kirchentag hat Dortmund für vier Tage zu einem besseren Platz in dieser Welt gemacht.“
Ein besserer Platz in dieser Welt. Wie schön das klingt.
Da mag ein bisschen Träumen erlaubt sein: Wie wäre es denn, wenn sich das nicht auf vier Tage beschränken würde? Sondern in den Alltag einzöge? Wäre dann die ganze Welt ein besserer Ort?

Natürlich lässt sich diese besondere Stimmung nicht einfach mit nach Hause nehmen und endlos ausdehnen.
Der Ort spielte eine Rolle. Dortmund hatte von Anfang an gesagt: Wir sind nicht die Schönsten; aber wir geben euch alles, was wir haben. Diese direkte, offene Art kam an. Dann: Dortmund war eine Stadt der kurzen Wege, kompakt und nah beieinander; der Kirchentag prägte die Stadt. So entstand die Atmosphäre der Besonderheit, auf beiden Seiten.

Und so mag am Ende dieser Kirchentag ein Zeichen sein. Wie ein Aufblitzen aus dem künftigen Himmelreich: Die Welt KANN ein besserer Ort sein. Auch wenn ihr noch so verschieden seid: Lasst einander leben. Prügelt nicht aufeinander ein. Stattdessen gebt einander die Liebe, den Respekt und die Ehre, die Gott auch euch gibt.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 28. Juni 2019, 13:34 Uhr


Da träume ich gerne mit :-)
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Erika Moers, 28. Juni 2019, 14:56 Uhr


Geht doch!
Das erfahren zu haben, dass es das gibt: Einen besseren Platz in der Welt!
Also: Geht doch!
Träumen: Ja. Aber vielleicht nicht NUR träumen:
Ich VERTRAUE weiter darauf, dass diese erstaunlichen guten Erfahrungen auch zuhause wenigstens hier und da Wirkung zeigen.
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Schallblech, 28. Juni 2019, 15:31 Uhr


Diese Freundlichkeit und Entspanntheit habe ich auch so empfunden - mehr noch als bei anderen Kirchentagen. Ob das daran lag, daß Dortmund keine so riesige Stadt ist wie beispielsweise Berlin? Oder daß wir in Westfalen uns hier halt zu Hause fühlen, auch wenn wir gar keine Westfalen sind? (Schallblech ist in der Stuttgarter Gegend aufgewachsen und kam auch mit den Schwaben prima klar - aber es war anders). Bei einem Großkonzert entspannt mit Händen in den Hosentaschen herumschlendernde Polizisten sind mir auch aufgefallen. Da hab ich mir auch gedacht, daß denen Menschenansammlungen sonst anders begegnen, vor allem die in Schwarzgelb oder Königsblau...
Und wenn dann der Posaunenchor, bei dem man mitspielt, auf dem Platz das Steigerlied anstimmt und diesmal weniger die Kirchentagsbesucher als die Einheimischen mitsingen, dann ist das doch perfekt. Dann ist man gerne Teil von "Gottes geliebter Gurkentruppe". Glück auf!
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