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Die Bibel lesen

Aus der Printausgabe - UK 22 / 2019

Walter Schroeder | 24. Mai 2019

Woche vom 20. bis 27. Mai

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Sonntag:    Psalm 62
Montag:     2.Samuel 21,1-14
Dienstag:     2.Samuel 23,1-7
Mittwoch:     2.Samuel 24,1-25
Donnerstag:     Psalm 110 (Himmelf.)
Freitag:     Philipper 1,1-11
Samstag:     Philipper 1,12-26

Die beiden letzten Kapitel der Samuel-Bücher schließen die Geschichte Davids ab. Noch einmal werden die zwei Seiten des israelischen Königtums spürbar: Der König stammt einerseits sehr irdisch aus dem Hause Isais und steht damit in allen guten Traditionen, die bereits vorher im Volke Gottes bewahrt wurden: Die Befreiung aus Ägypten, die Wanderung durch die Wüste in das verheißene Land, der Bund im Sinai. Er ist jedoch als König nun nicht mehr nur Gleicher unter Gleichen, sondern „hoch erhoben“ und vor allem: Er wird als der Gesalbte Gottes bezeichnet, hebräisch: „Messias“. Er ist damit eingereiht in eine Kette, die von Noah über Abraham, Jakob und Mose später bis zum Mann aus Nazaret weitergezogen wird. Aus einer historischen Person wird so allmählich eine messianische Gestalt.

Nicht zuletzt ist David als „der Liebling der Lieder“ in den Herzen geblieben. Er hat zwar mit ziemlicher Sicherheit nicht alle Psalmen, die unter seinem Namen erhalten sind, selbst gedichtet, wohl aber hat er den Grundstock für die schriftliche Sammlung dieser Glaubenstexte gelegt, die noch heute lebendig sind. Wenn man sie in ihrer ungeschminkten Dramatik und Wortgewalt liest und nachbetet, dann erfährt man ihre Unmittelbarkeit und Leidenschaft für Gott, auch gegen Gott, jedenfalls aber vor Gott!
Die Volkszählung zeigt dann die andere Seite des Königs. Mit modernen Augen gesehen handelt David damit vernünftig. Eine solche Zählung ist die Basis für eine planvolle Regierung eines Staates, nicht zuletzt für dessen Finanzen und damit für den Wohlstand, aber eben auch für die Maßnahmen, die für die innere und äußere Sicherheit eines Volkes getroffen werden müssen.

Aber hinter dieser Aktion steht eben eine Gesinnung, bei der die ursprünglichen Wurzeln des Gottesvolkes in Vergessenheit zu geraten drohen. Vor dieser Zwiespältigkeit gewinnt dann ein Ereignis eine besonders zukunftsträchtige Bedeutung: Direkt neben dem uralten Stadtgebiet wird der Platz für den zu errichtenden Tempel bestimmt, den Salomo, übrigens ein Sohn aus der Verbindung Davids mit Batseba, bauen wird. Heute ist der gesamte Tempelplatz und vor allem das Tempel-Modell am Israel-Museum wieder rekonstruiert und verschafft ein eindrückliches Bild des antiken Jerusalems, noch ohne den muslimischen Felsendom und ohne die moderne Silhouette dieser heiligen Stadt, zu der heute auch die markante Silhouette der evangelischen Erlöserkirche gehört.

Pfingsten wird in diesem Jahr vom Philipperbrief eingerahmt, eine der ältesten (um 60) Schriften des Neuen Testamentes. Es ist ein Brief aus der Gefangenschaft des Apostels Paulus, möglicherweise in Caesarea (bei Haifa) oder sogar in Rom verfasst. Er schreibt aus der Bedrängnis an eine Gemeinde, die ebenfalls in Not ist. Gerade in dieser Spannung zwischen Entmutigung und Hoffnung wird sichtbar, was Christen bis heute bewegt und trägt.

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