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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 17. Mai 2019

Woche vom 19. bis 25. Mai

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Sonntag:    Psalm 108
Montag:     2. Samuel 16,1-14
Dienstag:     2. Samuel 16,15-17,4
Mittwoch:     2. Samuel 17,5-23
Donnerstag:     2. Samuel 18,1-18
Freitag:     2. Samuel 18,19-19,9a
Samstag:     2. Samuel 19,9b-41

Die Absalomgeschichte ist ebenfalls ein Drama. Alle Züge eines Vater-Sohn-Konfliktes sind in dieser Tragödie enthalten. Die wird mit allem Ernst und mit allen Mitteln durchgefochten. Bis zum bitteren Ende! Der Sohn schleicht sich in das Herz des Volkes ein und macht sich „im Tor“, dem Treffpunkt einer antiken Stadt, beliebt.
Dann lässt sich Absalom in Hebron, jener uralten Regierungsstadt, wo das Grab der Sarah an den ersten Landkauf Abrahams erinnert, zum neuen König ausrufen und bedroht Jerusalem. Es wird nicht ganz deutlich, ob Absalom auch ein anderes politisches Konzept verfolgt als sein Vater David, ob sein Protest also auch inhaltlich begründet war, oder ob er einfach glaubt, dass David zu alt und unfähig war. Die Herrscheraufgabe im kleinen Israel bestand darin, innen die Stämme nicht zu stark werden zu lassen und außen die schwierige Balance zu finden zwischen taktierender Diplomatie bei den Großmächten und notfalls kämpferischer Behauptung des eigenen Machtbereichs.

Das Unfassbare geschieht: Der König muss fliehen! Er wendet sich Richtung Osten zum Jordan in die judäische Wüste, die ihm noch aus früheren Zeiten vertraut ist (En Gedi). David erfährt Treue von Fremden (Itthai aus Gath) und Freunden (Priesterschaft, Barsillai, Chusai und dem Propheten Nathan), aber er wird auch verraten (Ahitophel) und bitterer Verspottung ausgesetzt (durch Simei).
Im Durcheinander dieser Wirren muss man im Auge behalten, was mit den „Unterpfändern der Verheißung“ geschieht: Die Bundeslade vor allem bleibt mit der pflichtbewussten Priesterschaft in Jerusalem! Dann macht Absalom den entscheidenden „Fehler“ und setzt seinem flüchtigen Vater nicht nach. Diese Atempause verschafft David die Möglichkeit, eine kämpfende Truppe aus Getreuen zu sammeln, die dann schließlich den abtrünnigen Sohn überwindet. Joab tötet Absalom, auch wenn der Befehl Davids anders lautete. In einem noch instabilen Machtgefüge, wie es damals das Königtum Davids darstellte, wäre Absalom immer ein unkalkulierbarer Störfaktor geblieben.

Es ist bis heute bewegend, wie die Bibel diese Szenen schildert. Die machtpolitische Einsicht und die väterliche Liebe trotz allem sind in dem einen Menschen David gleichzeitig gegenwärtig: „Mein Sohn Absalom! Wollte Gott ich wäre für dich gestorben!“ Der Stamm Juda begleitet schließlich den alten und neuen König wieder in die noch junge Hauptstadt Jerusalem zurück, auch ein Zeichen, dessen Bedeutung später erkennbar werden wird.

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