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40 Jahre weiter: Die Kirchen in Deutschland haben die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Oder behalten? Eine neue Studie – und wie unterschiedliche Schlüsse man daraus ziehen kann. Foto: TSEW

1000 gute Gründe

Mitgliedschafts-Studie

Aus der Printausgabe - UK 20 / 2019

Von Gerd-Matthias Hoeffchen

Stärker als bisher angenommen kehren die Menschen den Kirchen den Rücken zu. Warum das zwar kein Grund zur Freude, aber auch kein Anlass für Entmutigung ist.

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40 Jahre weiter: Die Kirchen in Deutschland haben die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Oder behalten? Eine neue Studie – und wie unterschiedliche Schlüsse man daraus ziehen kann. Foto: TSEW

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Ist ein Wasserglas halb leer oder halb voll? Ein und derselbe Sachverhalt kann sehr unterschiedlich verstanden werden. Daran fühlt man sich erinnert, wenn man die jüngste Studie zur Zukunft der Kirchen in Deutschland anschaut – und die Reaktionen darauf.

Was sagt die Studie? Bis zum Jahr 2060 wird sich deutschlandweit die Mitgliederzahl in der katholischen und den evangelischen Kirchen auf etwa die Hälfte verringern. Die Kirchensteuereinnahmen bleiben gleich; weil aber ganz allgemein Preise, Kosten und Gehälter steigen, bleibt den Kirchen 2060 nur die Hälfte der Finanzkraft übrig.

Nun der Knackpunkt: Dass immer weniger Menschen in der Kirche sind, haben auch Fachleute bisher vor allem der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung zugeschrieben. Sprich: Mehr Menschen sterben, weniger werden geboren. Daran kann man wenig ändern.

Die Studie zeigt nun aber, dass der Rückgang der Mitgliederzahlen in den Kirchen viel weniger von der Bevölkerungsentwicklung abhängt als vermutet. Stattdessen spielen Kirchenaustritte und nachlassende Taufbereitschaft eine Rolle. Heißt: Stärker als angenommen geht der Schwund auf Entscheidungen  der Menschen  zurück.
Und nun die Preisfrage: Ist das gut oder schlecht? Tageszeitungen und Fernsehsender kommentierten: Die Menschen wenden sich von der Kirche ab. Ausblick: Es geht dem Ende entgegen.

Reaktionen aus den Kirchen fielen dagegen ganz anders aus: Wie ermutigend! Am Bevölkerungsschwund konnten wir nichts ändern; aber die Menschen zum Bleiben zu überzeugen, zur Taufe oder zum Kircheneintritt, das ist möglich – was für eine Chance!

Ein Glas kann halb leer sein – oder halb voll.
Natürlich könnte man sich damit abfinden, dass die Zahlen kleiner werden. Man könte sagen: Die Zeit der Volkskirche geht zu Ende.

Aber wer sich nicht damit abfinden will, weil er – oder sie – vielleicht findet, dass die Kirche nach wie vor segensreich wirken kann, trotz aller Mängel und schlimmen Verfehlungen. Dass die Kirche trotz allem einen guten und heilsamen Einfluss auf den Menschen und die Gesellschaft hat. Wer glaubt, dass es tausend gute Gründe gibt, in dieser Kirche zu bleiben, den christlichen Glauben zu leben oder es wenigstens zu versuchen; der sollte sich fragen: Wenn diese Studie eine Chance aufzeigt – ja wie, um Himmels willen, können wir diese Chance ergreifen? Es ist ja nicht so, dass die Kirchen bisher die Hände in den Schoß gelegt hätten.
Wir müssen umdenken. Nicht mehr so sehr fragen: Warum verlassen die Menschen die Kirche. Sondern: Warum bleiben sie? Denn es gibt ja Orte, wo kirchliches Leben gelingt. Und zwar gar nicht wenige. Diese Zeitung, UK, die Zeitung mit der Guten Nachricht, berichtet seit vielen Jahren davon. Von solchen Beispielen lernen und sich inspirieren lassen – da müssen wir noch stärker hinschauen als bisher.

Da liegt Zukunft.

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