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Der Glanz des Ruhrgebiets

Kirchentag

Aus der Printausgabe - UK 14 / 2019

Gerd-Matthias Hoeffchen | 4. April 2019

Wer zum Deutschen Evangelischen Kirchentag fährt, will beten, feiern, diskutieren. Und auch die Umgebung anschauen. Gerade im Fall des Ruhrgebiets kann das eine echte Entdeckung sein.

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Alle zwei Jahre feiert der Protestantismus in Deutschland sein großes Fest: Kirchentag! Hunderttausende kommen zusammen. Sie singen und beten, diskutieren und feiern. Auch flanieren und bummeln gehören dazu. Denn Kirchentag ist: Gottesdienst und Kurz-Urlaub. Gesellschaftliche Fortbildung und touristische Entdeckungs-Tour.
Das war vor zwei Jahren so, in Berlin. Die Hauptstadt lud auch jenseits von Podien und Foren zum Sehen, Staunen und Genießen ein. Ebenso war Stuttgart beim Kirchentag davor ein reizvolles Ziel. Ganz zu schweigen von Hamburg, der Hafenstadt mit Eleganz und internationalem Flair.
Und jetzt: Dortmund? Die Metropole des Ruhrgebiets – kann sie mithalten im Konzert der schönen und aufregenden Städte?

Noch immer haben Menschen in anderen Gegenden alte Bilder vom Ruhrgebiet im Kopf. Dunstglocke und Schlote, Zechensterben und Arbeitslosigkeit. Der Ruhrpott: ein Grau in Grau.
Hand aufs Herz: Wenn Sie selbst vom Ruhrgebiet schwärmen sollten; Ihre Freunde, Bekannten und Verwandten einladen sollten nach Dortmund und Umgebung – was würden Sie denen erzählen?

Wir haben gefragt. Menschen, die im Ruhrgebiet wohnen, Hinzugezogene und auch Weggezogene. Und siehe da: Den Menschen ging das Herz auf. Sie schwärmten tatsächlich.
Von Nachbarschaft und Offenheit. Fußballstadien und Bergbaumuseen. Von Kultur, Kneipen und Kiosken. Von begrünten Halden, Stadtparks und den Schifffahrts-Kanälen. Nichts mag hier perfekt sein, weniges mag glänzen. Aber wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, hat die Fähigkeit, Schönheit zu finden, wo andere nicht mal suchen würden. Dieser Spruch mag flapsig daherkommen. Doch er trifft die Gemütslage im Ruhrpott.

Über Generationen haben sich hier Menschen aus unterschiedlichen Ecken der Welt zusammengefunden. Im größten Ballungsraum Deutschlands mussten sie miteinander klarkommen. Mussten Gemeinschaft lernen.
Oft auf die harte Tour. Zeche und Hütte gaben ihnen Arbeit. Als die wegbrach, musste es weitergehen. Irgendwie. „Immer wieder aufstehen, immer wieder sagen: Es geht doch.“ Dieser Hit aus den 80er Jahren stammt nicht von ungefähr von Herne3, einer Band aus dem Ruhrpott. Ehrlich. Offen. Mal Herz. Mal Hammer.

Das Ruhrgebiet ist anders. Es ist ein Erlebnis. Seine Menschen. Die Atmosphäre. Es ist ein Entlein und versucht erst gar nicht, Schwan zu sein. Aber eines, das sich nie vorm Schwan schämen würde. Es ist wie Berlin, aber ohne die ganz große Klappe. Es ist wie Stuttgart, wenn die mal ein Wochenende nicht ganz so aufgeräumt hätten. Und es ist wie Hamburg – na gut, Hafen und See kann man nicht ersetzen. Aber wer je einen Sonnenuntergang am Dortmund-Ems-Kanal erlebt hat, der weiß, dass Glück und Zufriedenheit manchmal einfach nur davon abhängen, ob man im richtigen Moment das Herz öffnen kann.
Sagen wir das den Leuten da draußen: Das Ruhrgebiet lohnt. Kommt! Habt Vertrauen.

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