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Gratis und doch unbezahlbar

epd | 18. März 2019

Ohne ihn geht es nicht: Der Schlaf hilft beim Verarbeiten und bereitet auf den nächsten Tag vor. Wer schlecht schläft, sieht die Welt negativer und kann sogar depressiv werden, schreibt Schlafforscher Ysbrand van der Werf in seinem neuen Buch.

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Esslingen (epd). Vom Plattwurm bis zum Elefanten: Lebewesen schlafen. In seinem Buch "Ausgeschlafen. Alles über guten Schlaf" erklärt der niederländische Schlafforscher Ysbrand van der Werf, wofür Schlaf gut ist. Er hilft bei der Ausschüttung von Wachstumshormonen und der Verarbeitung von Emotionen. Außerdem ist er an der Durchblutung der Haut beteiligt - der Begriff "Schönheitsschlaf" ist also nicht unsinnig, schreibt van der Werf in seinem Buch, das Montag im Patmos Verlag erschienen ist.

Aktuelle Studien hätten zudem gezeigt, dass im Schlaf eine Art "Ausspülen" des Gehirns stattfindet, bei dem Abfallstoffe entfernt werden. Auch für das Immunsystem und die Regulierung des Stoffwechsels spiele der Schlaf eine wichtige Rolle.

Etwas zu kurzer Schlaf schade nicht

In seinem Buch geht der Schlafexperte auch darauf ein, wie viel man schlafen sollte. Eine Studie habe gezeigt, dass es gesünder ist, lieber eine Stunde kürzer zu schlafen als eine länger, erklärt der Forscher am niederländischen Institut für Neurowissenschaften der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam. Ein etwas zu kurzer Schlaf schade nicht und helfe, den Schlaf tief genug und im Rhythmus zu halten.

Bei Kindern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren gilt das allerdings nicht: Hier besteht ein Zusammenhang zwischen Schlafdauer und schulischen Leistungen. Kinder, die länger schlafen, bringen bessere Leistungen und sind weniger aggressiv und hyperaktiv.

Schlaf ist mehr als bloßes Ausruhen

Für die Ansicht, dass ältere Menschen weniger Schlaf brauchen, spreche nicht viel. Zwar nehme die Schlafdauer bei Senioren insgesamt tatsächlich oft ab, werde aber manchmal zum Teil von Nickerchen kompensiert, so dass sie sich letztendlich nicht wesentlich von der bei Erwachsenen mittleren Alters unterscheidet.

Schlaf ist mehr als bloßes Ausruhen: So laufen im Schlaf verschiedene Prozesse ab, die helfen, besser mit Informationen umzugehen. Der Schlaf verarbeitet die Informationen des Vortages, um sie besser im Gedächtnis zu behalten und sorgt dafür, dass am folgenden Tag neue Ereignisse besser gespeichert werden. Besonders bei motorischen Fertigkeiten kann der Schlaf sogar dazu beitragen, Leistungen gegenüber dem Vortag zu steigern.

Strategisch platziertes Mittagschläfchen

Bei der Erinnerung an Fakten und Ereignisse vermindert Schlaf das Vergessen, schreibt der Neurowissenschaftler. Wenn man vom positiven Effekt des Schlafens auf das Lernen besonders profitieren will, sollte man sich um einen Lernstoff bemühen, der einzigartig ist, also nicht den Dingen gleicht, die man an diesem Tag ohnehin schon macht.

Wenn das nicht möglich ist, sollte man versuchen, die Zeit zwischen dem Lernen und Schlafen möglichst gering zu halten, indem man etwa erst abends büffelt, rät van der Werf. Auch ein strategisch platziertes Mittagschläfchen kann helfen, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die im Schlaf schlummern.

Emotionale Ereignisse bleiben in Erinnerung

Der Schlaf hilft auch beim Verarbeiten von Gefühlen: Emotionale Ereignisse bleiben in Erinnerung, lösen dank eines gesunden Schlafes nach einer gewissen Zeit aber keine heftigen Empfindungen mehr aus: "Offenbar entledigt der Schlaf die Ereignisse ihrer emotionalen Ladung." Wenn man gut schläft, setzt ein neutraleres Denken ein.

Umgekehrt gilt: Wer schlecht schläft, sieht auch neutralere Ereignisse negativer und wird eher depressiv. Somit kann schlechter Schlaf nicht nur eine Folgeerscheinung, sondern auch Vorbote einer Depression und einer schlechten Stimmung sein, folgert van der Werf. Schlaf könnte dann möglicherweise zur Genesung von Depressionen eingesetzt werden - im Vergleich zu Psychopharmaka eine gesunde und günstige Option.

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