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Danke? Für mich? Was für ein großartiger Satz! Paulus schreibt ihn an den Anfang seines Korinther-Briefs, wahrscheinlich weil er findet, dass Gottes Gnade immer ein Grund zur Dankbarkeit ist: Wir sind geliebt, als seine Kinder! Und das nicht, weil wir so perfekt wären, sondern weil wir in Gottes Augen liebenswert sind. Wer das weiß, kann mit sich selbst und mit anderen anders umgehen – sogar dann, wenn es, wie in Korinth, manchmal auch Streit gibt. Foto: VK Studio

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Mehr als Komplimente

Andacht

3. Februar 2019

Andacht über den Predigttext zum 5. Sonntag vor der Passionszeit: 1. Korinther 1, 4-9

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Danke? Für mich? Was für ein großartiger Satz! Paulus schreibt ihn an den Anfang seines Korinther-Briefs, wahrscheinlich weil er findet, dass Gottes Gnade immer ein Grund zur Dankbarkeit ist: Wir sind geliebt, als seine Kinder! Und das nicht, weil wir so perfekt wären, sondern weil wir in Gottes Augen liebenswert sind. Wer das weiß, kann mit sich selbst und mit anderen anders umgehen – sogar dann, wenn es, wie in Korinth, manchmal auch Streit gibt. Foto: VK Studio
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Anke von Legat (50) ist Pfarrerin und theologische Redakteurin bei „Unsere Kirche“.

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Predigttext
4 Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, 5 dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in allem Wort und in aller Erkenntnis. 6 Denn die Predigt von Christus ist unter euch kräftig geworden, 7 sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. 8 Der wird euch auch fest machen bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. 9 Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.

Ich danke Gott für dich.“ Was für ein Satz! Wer würde so etwas nicht gerne hören? Danke für dich – da wächst man doch gleich ein paar Zentimeter.  Auch als Briefanfang macht der Satz sich gut. Denn er zeigt mir als Leserin: Da schreibt mir jemand, der mich wertschätzt und der mich und meine Gaben als ein Geschenk Gottes ansieht.

Mit diesem Satz beginnt der Apostel Paulus nach einer ausführlichen Anrede seinen Brief an die Gemeinde in Korinth. „Ich danke Gott für euch“ – ich stelle mir vor, dass sich die Männer und Frauen in Korinth gefreut haben, als das vorgelesen wurde. Und dass sie gespürt haben: Hier geht es nicht darum, ein paar höfliche Komplimente auszutauschen, sondern um mehr. Es geht um das, was uns zutiefst bestimmt, was unser ganzes Leben prägt – um den Glauben.

Wo ist sie denn, die Gnade?

Paulus führt den Dank dann noch etwas genauer aus. Er dankt für die Gnade Gottes, die die Korinther reich gemacht hat, „in allem Wort und in aller Erkenntnis“.
Über diesen Satz waren die Frauen und Männer in Korinth vielleicht doch etwas überrascht. Ich wäre es jedenfalls, wenn mir das jemand schreiben würde: „Ich danke für Gottes Gnade, die in dir wirkt.“ Ich würde überlegen: Wo ist sie denn, diese Gnade? Dieser Reichtum und diese Erkenntnis – wo denn? Sehe ich sie eigentlich in meinem Leben? Und – können andere sie vielleicht auch sehen?

In Korinth jedenfalls scheint es so zu sein, dass irgendetwas mit den Menschen passiert ist, die sich dort in Jesu Namen treffen. Die Gnade Gottes hat offenbar etwas in Gang gebracht. Menschen haben sich geöffnet für das Evangelium. Sie haben für sich entdeckt, was es heißt, dass ich ein geliebter Mensch bin, angenommen von Gott genau so, wie ich bin. Dass ich mich befreien lassen darf von der Last, perfekt sein zu müssen. Dass ich auf Vergebung hoffen darf, wenn ich Fehler mache. Dass ich gehalten bin von Gott, wo auch immer ich im Leben unterwegs bin.
Dadurch sind in der Gemeinde Worte wie Barmherzigkeit und Vergebung, Nächstenliebe und geschwisterliche Gemeinschaft lebendig geworden. „Ihr habt keinen Mangel an irgendeiner Gabe“, schreibt Paulus. Das klingt nach einer richtigen Traumgemeinde. So kann es eigentlich weitergehen, „bis zum Tag unseres Herrn Jesus Christus“.

Aber die Sache hat einen Haken: Wer nämlich weiterliest in dem Brief, stellt schnell fest, dass keineswegs alles Friede und Freude ist in Korinth. Schon in den Versen, die sich an diesen Abschnitt anschließen, geht es um einen heftigen Konflikt, der die Gemeinde in Gruppen aufgeteilt hat. Später hören wir davon, dass es mit der Gemeinschaft von Arm und Reich wohl auch nicht so weit her war.
Im Licht dieser Konflikte bekommen die Verse, die Paulus seinem Brief voranstellt, noch einmal eine andere Bedeutung. Wer nämlich zuerst für andere dankt, der geht mit einer besonderen Haltung auf sie zu. Der sieht in ihnen geliebte, wertvolle Menschen; Menschen, denen Gott Würde geschenkt hat. Und das bleiben sie, auch wenn es danach zur Sache geht und Konflikte ausdiskutiert werden; ja, selbst dann, wenn es zum Streit kommt.

Ein ganzes Christenleben

Für diese Situation scheinen auch die beiden letzten Verse in Paulus‘ Vorwort geschrieben. Gott ist treu, heißt es da – und es klingt mit: Er ist auch dann treu, wenn wir Menschen diese Treue nicht so durchhalten, wie wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi sollten.

Der Dank des Paulus umfasst damit ein ganzes Christenleben. Es klingen darin mit das Staunen und die Freude über Gottes Ja, das uns zu freien, mit Liebe begabten Menschen macht – und genauso das Scheitern und die Schuld, weil uns die Treue fehlt. Gott aber ist gnädig, und er ist treu. Grund zum Danken!

Gebet: Gnädiger Gott, du siehst uns und hast Freude an uns. Du beschenkst uns reich mit deiner Gnade, die uns zu begabten Menschen macht. Wir bitten dich: Lass uns diese Gaben gut einsetzen, in Treue zu dir und in Barmherzigkeit für andere, damit diese Welt zu einem Ort der Gnade wird. Amen.

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