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Weil Gott es nicht lassen kann

Weihnachten

Von Anke von Legat | 24. Dezember 2018

Willkommen? Nein, das war Gottes Sohn nicht, als er zur Welt kam. Und dennoch ... Gedanken zur Geburt Jesu

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Etwas erstaunt wirken sie schon, die beiden Tiere, die da in die Weihnachtskrippe schauen. Und erstaunt war vielleicht auch das Neugeborene in der Krippe bei seinem ersten Blick in die Welt, deren Heiland es werden sollte: Ochs und Esel als Empfangskomitee – das kam dann wohl doch überraschend.
Aber so freundlich Ochs und Esel auf dem Bild auch wirken –  diese Welt ist ein Ort, der nicht jeden willkommen heißt. Auch das wird das Kind in der Krippe, das später Jesus genannt wurde, sehr früh wahrgenommen haben. Was die Evangelien von der Geburt Jesu erzählen, von der fehlenden Herberge, den Sterndeutern und der Flucht vor Herodes, läuft darauf hinaus: Kein Platz für den Gottessohn. Bedrohtes Leben schon von Anfang an.

Oder, wie der Evangelist Johannes in den ersten Versen seines Evangeliums formuliert: „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“
Unzählige Kinder kommen so auf die Welt. Unwillkommen, verfolgt, bedroht. Sie werden in Slums geboren, in Notunterkünften oder auf der Flucht. Sie erleben von Anfang ihres Lebens an Hunger, Kälte, Unsicherheit, Gewalt und Armut – oder das Gefühl der Ablehnung, das es auch mitten im Reichtum geben kann. Diese Erfahrung der ersten Stunden, Tage oder Monate wirkt sich häufig auf ein ganzes Leben aus. Was bin ich wert? Wo gehöre ich hin? Wer gibt mir Sicherheit? – das bleiben dann Fragen, die auch das erwachsene Leben noch belasten können.
Nein, diese Welt ist nicht für jeden ein guter Ort. Längst nicht jede wird freundlich angeschaut. Längst nicht jeder darf sich willkommen fühlen.
Nicht willkommen sein – damit kennt Gott sich aus. Wie oft ist es ihm so gegangen in seiner Geschichte mit den Menschen! Denn die haben kein großes Interesse an Gott. Weder daran, wer er ist, noch daran, was er will. Sie sind mit sich selbst beschäftigt. Gott stört da nur. Nur selten öffnen Menschen sich für das, was Gott in ihnen zum Leuchten bringen will – für Wertschätzung und Würde, für Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe. Für ein Leben in Gottes Licht. Viel häufiger wird er ignoriert, im schlimmsten Fall sogar missbraucht für egoistische Zwecke.
Trotzdem setzt Gott sich dieser Ablehnung immer wieder aus. Ganz besonders zu Weihnachten:  indem er in Jesus Mensch wird und mitten unter uns Menschen kommt; indem er unser Leben lebt und unseren Tod stirbt.
Warum?

Weil er es nicht lassen kann, zu lieben und zu uns Menschen eine Beziehung zu suchen. Weil er nicht aufhören kann, uns ein Leben anzubieten, das erfüllt und heil ist. Weil er uns nicht allein lassen kann in dieser dunklen, kalten Welt.
Und so kommt er mitten unter uns. Als hilfloses Kind, das erstaunt in die Welt schaut und angewiesen ist auf unser Wohlwollen und unsere Zuwendung. Als erwachsener Mann, der seine Mitmenschen mit den Augen Gottes anblickt und ihnen die frohe Botschaft verkündigt von Gott, der jede und jeden bedingungslos liebt. Als Heiland, der Menschen heil macht und sie aussendet zum Heil für andere. Als Gottes Sohn, der unseren Tod auf sich nimmt und ihn besiegt in der Auferstehung.
Er kommt als Herrscher der Welt, aus den Wolken des Himmels – und liegt doch „elend, nackt und bloß in einem Krippelein“, wie der Liederdichter Johann Herman schreibt (eg 27). An diesen Wechsel erinnern wir zu Weihnachten.
Gott willkommen heißen, bedeutet: das Herz öffnen für ihn und für den Nächsten. Für das, was neu auf die Erde gekommen ist: eine Hoffnung, eine Ahnung, ein göttlicher Funke. Wer das tut, muss nicht mehr nur auf das Dunkel in der Welt schauen, sondern kann Gottes Liebe weitergeben in Barmherzigkeit und Zuwendung. Dann kann Weihnachten werden.

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